Herrenstrasse Rendsburg : Tempo 30 am Altenheim

Freut sich über die neuen „Tempo-30-Schilder“ in der Herrenstraße: Walburga Heesing, Einrichtungsleiterin im „Caritashaus St. Vincenz“, das im Hintergrund zu sehen ist.
Freut sich über die neuen „Tempo-30-Schilder“ in der Herrenstraße: Walburga Heesing, Einrichtungsleiterin im „Caritashaus St. Vincenz“, das im Hintergrund zu sehen ist.

Die Straße ist vierspurig und meist wird schnell gefahren. Damit soll jetzt Schluss sein. Die Stadt Rendsburg setzt den „Schulwegerlass“ vor dem Altenheim in der Herrenstraße um.

shz.de von
16. Juli 2018, 11:46 Uhr

Für die Bewohner des „Caritashaus St. Vincenz“ ist das Überqueren der Fahrbahn vor ihrer Haustür bald weniger gefährlich. Die Stadt hat an der vierspurigen Herrenstraße mehrere Tempo-30-Schilder aufgestellt. Sie gelten auf einem Abschnitt von rund 100 beziehungsweise 150 Metern. Noch sind sie mit roten Klebestreifen durchgekreuzt und nicht gültig. Mit der Vorlaufzeit solle ein „Gewöhnungseffekt“ entstehen, so Matthias Galow vom Fachdienst für Verkehr. Ihm war es wichtig, das Tempolimit nicht von heute auf morgen zu verhängen. Ab Mittwoch müssen sich die Autofahrer aber daran halten.

Grund für die Schilder ist ein überarbeiteter „Schulwegerlass“ des Landes aus dem vergangenen Jahr. Dieser erleichtert Städten und Gemeinden die Verkehrsberuhigung vor Schulen. Auch Kitas, Krankenhäuser und Seniorenheime fallen darunter. Bisher war ein „Nachweis einer besonders gesteigerten Gefahrenlage“ notwendig. „Das muss jetzt nicht mehr belegt werden“, bestätigte Sprecherin Birte Pusback aus dem Verkehrsministerium.

Das Caritashaus „St. Vincenz“ leidet unter dem Lärm an der Herrenstraße besonders. Das weiß auch Einrichtungsleiterin Walburga Heesing. „Es klingt hier wie an der Autobahn.“ Diesen Satz hörte sie in den vergangenen Jahren immer wieder. Viele Bewohner möchten mit dem Rollator in die Stadt. Das stellt sie allerdings Tag für Tag vor Herausforderungen und Gefahren. Schließlich gilt es, eine vierspurige Fahrbahn zu überqueren. Sind zwei Spuren geschafft, können Passanten auf einer Verkehrsinsel durchatmen, ehe weitere zwei Spuren gemeistert werden müssen. Unberechenbar sind auch die Autofahrer, die sich aus der Materialhofstraße nähern. Nehmen sie die 90-Grad-Kurve nach links? Oder doch nach rechts, um zum Tunnel zu kommen? Oft entscheiden sich die Fahrer in letzter Sekunde um. Das alles macht die T-Kreuzung an der St.-Martin-Kirche für Fußgänger zum Wagnis. „Das ist dort unglaublich gefährlich“, so Walburga Heesing. Regelmäßig beobachtet sie zudem riskante Spurwechsel von Autofahrern. „Knapp wird es hier immer. Wer ein bisschen Action sehen will, setzt sich einfach vor die Tür.“

Mit den neuen Tempo-30-Schildern geht für die Heimleiterin ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung. „Wir sind alle überglücklich.“ Auch die Bewohner seien begeistert. „Sie fühlen sich dadurch von der Stadt wahrgenommen und wertgeschätzt.“ In den vergangenen Jahren gab es laut Heesing immer wieder Gespräche zwischen der Stadt und dem Seniorenrat. Besonders die Tatsache, dass auf den Schildern „Altenheim“ steht, freut Heesing: „Es bringt eine gewisse Akzeptanz.“

Eine Ampel oder ein Zebrastreifen wurden im Vorfeld abgelehnt, berichtete Galow. Täglich benutzen schätzungsweise 20 000 Fahrzeuge die Herrenstraße. Eine Ampel würde zu Staus führen, und für einen Zebrastreifen ist die Straße mit ihren vier Spuren zu breit.

Im vergangenen Jahr sorgte die Stadt bereits in der Lilienstraße für Verkehrsberuhigung. Tempo 30 gilt vor der Imland-Klinik und auf Höhe der Kita Neuwerk. Auf insgesamt 26 Abschnitten in Rendsburg müssen Autofahrer nun vom Gas gehen. Helene-Lange-Gymnasium und Herderschule liegen in einem Wohngebiet – dort gilt ohnehin Tempo 30, gleiches gilt für die Obereiderschule.

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