SHMF : Teestunde mit Überlänge

Geheimnisvolle Klänge, gespielt von Tong Jian aus China, Daniel Munarriz (Spanien, li.) und Martijn Boom (Niederlande).
Geheimnisvolle Klänge, gespielt von Tong Jian aus China, Daniel Munarriz (Spanien, li.) und Martijn Boom (Niederlande).

Brillantes Tea-Time-Konzert des Festival-Orchestras in der voll besetzten ACO-Thormannhalle.

shz.de von
29. Juli 2018, 18:58 Uhr

Längst ist das Tea-Time-Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals kein Geheimtipp mehr: Geboten wird ein kurzweiliger Konzertmarathon erster Klasse mit unbekanntem Programm. Es entsteht erst in den ersten Wochen der Orchesterakademie und wird den Besuchern beim Betreten der ACO-Thormannhalle ausgehändigt. Überraschungseffekte sind gewollt.

„Herzlich willkommen zum gemeinsamen Saunieren“, begrüßte Akademieleiterin Agnes Monreal das Publikum am Sonnabend in der voll besetzten Heimat des Festival-Orchestras. Es folgte ein Kammermusikfest erster Güte, das an Einfallsreichtum, Qualität und Vielseitigkeit nicht zu überbieten und normalerweise auch nicht zu bezahlen ist.

Beginn 17 Uhr, Ende nach 21.30 Uhr. Zeit, die wie Fluge verging. Erinnert wurde an vergessene Komponisten aus der Zeit Robert Schumanns, dem Schwerpunkt-Komponisten dieses Jahres. Aber auch Werke in kleineren Besetzungen erforderten spieltechnische Höchstleistungen. Diese „Tea-Time“ stand auch im Zeichen der Rückschau auf bekannte Themen in außergewöhnlicher Form, wie zum Beispiel „Reich mir die Hand mein Leben“ aus der Mozart-Oper „Don Giovanni“, hier instrumental in Trio-Besetzung. Original besetzt der erste Satz aus dem Streichsextett von Johannes Brahms: einfühlsam gespielt, ein Genuss. Wie auch „One last Bar then Joe can sing“ von Gavin Bryars mit geheimnisvollen Klängen: Fünf Marimbas, Glockenspiel, sanft angestoßen, aber auch mit Geigenbögen gestrichen. „Der Ruheraum im heutigen Wellness-Programm“, so Agnes Monreal.

Wie auch Franz Schuberts 1. Satz aus dem mit fünf Bläsern und vier Streichern besetzten Oktett in F-Dur. Aus der Vergessenheit zum Leben erweckt wurden ebenfalls Komponist Ferdinand Ries (Introduktion und Rondo für Harfe und Klavier) und das Nonett Es-Dur von Louise Farrenc. Mit den „Ten Scenes Of Taipei“ von Che-Yi Lee für Streichorchester und Klavier brachten das Taiwan-Ensemble chinesisches Flair nach Büdelsdorf. Fantastisch die Inszenierung „gelangweilter Männer“ (The Chair Men Of The Bored) für Body percussion von David Punto: optisch und rhythmisch mitreißend.

Der „Danse macabre“ von Camille Saint-Saëns in reiner Violinenfassung und Astor Piazzollas „Libertango“ (arrangiert für Bläserquintett) schlossen den Abend ab. Viereinhalb Stunden Musikreise waren zu Ende. Langeweile? Keine Sekunde.

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