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Rendsburg : Taxi-Firmen vor ungewisser Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Einführung des Mindestlohns bereitet Unternehmern Kopfzerbrechen. Steigen die Fahrpreise im kommenden Jahr um 20 Prozent?

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2014 | 20:02 Uhr

Die Taxiunternehmer in Rendsburg blicken dem 1. Januar 2015 mit Sorge entgegen. Denn ab diesem Datum gilt deutschlandweit der Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde. Doch der Lohn eines Taxifahrers liegt fast überall unterhalb dieser Grenze. Die Folge: Hohe Mehrkosten für Mitarbeiter, die die Betriebe nicht so einfach auffangen können. Doch Personalkürzungen wollen sie unbedingt vermeiden – eine Anhebung der Fahrpreise scheint unvermeidbar.

Seit Juni grübelt Adalbert Bogalski, Inhaber der Firma Taxi Bogalski, darüber nach, welche Auswirkungen das neue Gesetz auf seinen Betrieb haben wird. 20 Mitarbeiter fahren für ihn, neun Fahrzeuge gehören zu seiner Flotte. Mit der Einführung des Mindestlohns fehlen ihm monatlich künftig 7000 Euro im Budget. Denn 7000 Euro mehr muss er für die Löhne einplanen. „Doch woher soll ich das Geld so plötzlich nehmen?“, fragt er sich. Die aller letzte Konsequenz sei es, Mitarbeiter zu entlassen. „Doch das möchte ich mit allen Mitteln vermeiden“, so Bogalski. Das Geld müsse also woanders herkommen, zum Beispiel durch eine Anhebung der Tarife.

Diese werden vom Kreis festgelegt. Die Arbeitsgemeinschaft Tarife, bestehend aus mehreren Taxi-Betrieben des Kreises, sei bereits in Verhandlungen mit den zuständigen Gremien, berichtet der Unternehmer, „die Anträge laufen.“ Realistisch halte Bogalski eine Erhöhung von 20 Prozent der Tagespreise sowie 40 Prozent Zuschlag bei Nachtfahrten. Wie die Pläne konkret aussehen, könne er noch nicht sagen. Die zuständigen Mitarbeiter des Kreises waren bis zum Redaktionsschluss nicht mehr für eine Anfrage zu erreichen. Doch für Bogalski ist klar: „Der Kreis wird nicht um eine Erhöhung drumrum kommen.“

Sorge bereite den Unternehmern allerdings, wie die Kunden auf die höheren Preise reagieren werden. Es sei in Rendsburg ohnehin schon schwierig, Kundschaft zu bekommen. Nun fürchtet Bogalski, dass die Menschen durch die Veränderung der Fahrpreise noch mehr abgeschreckt würden.

Die Tariferhöhung allein werde es aber ohnehin nicht schaffen, die Mehrkosten zu decken. Bogalski habe deshalb bereits vorgesorgt und seine Investitionen auf Null gesetzt. Eigentlich sollten zwei seiner Fahrzeuge ausgetauscht werden, das müsse jetzt warten.

Auch rechne er damit, dass seine Mitarbeiter künftig weniger Stunden arbeiten, dafür aber denselben Lohn wie zuvor erhalten. „Dabei werden dann aber auch Zeiten entstehen, in denen ich die Autos nicht besetzen kann.“ Der Politik wirft der Unternehmer vor, dass beim Thema Mindestlohn nicht zu Ende überlegt wurde. Über die Auswirkungen für einige Unternehmen habe man nicht genügend nachgedacht.

Für Mehmet-Fatih Sahan von Citytaxi Rendsburg habe die Einführung des Mindestlohns dagegen was seine Mitarbeiter betrifft wenig Konsequenz: „Wir zahlen ja schon fast so viel“, sagt er. Außerdem sei sein Betrieb mit vier Autos sehr klein. Die Stunden der Fahrer werde er aber trotzdem kürzen müssen und sich dann vermehrt selber ans Steuer setzen. Das Problem der Tariferhöhung sieht auch Sahan: „Die Preise sind eh schon grenzwertig, dann bleiben uns in Zukunft noch mehr Kunden weg“, fürchtet er.

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