Borgstedt : Tauziehen um die Rader Insel

Drei Gemeinden teilen sich das Gebiet der Rader Insel zwischen Nord-Ostsee-Kanal (rechts) und Borgstedter Enge auf.
Drei Gemeinden teilen sich das Gebiet der Rader Insel zwischen Nord-Ostsee-Kanal (rechts) und Borgstedter Enge auf.

Schacht-Audorf will sein Gebiet auf dem künstlichen Eiland im Nord-Ostsee-Kanal an Borgstedt abtreten. Bedingungen noch ungeklärt.

shz.de von
13. Januar 2015, 06:00 Uhr

Borgstedt | Ein lang gehegter Wunsch der Gemeinde Borgstedt könnte bald in Erfüllung gehen. Denn der Abzug der Gemeinde Schacht-Audorf von der Rader Insel nimmt Fahrt auf. Bürgermeister Eckard Reese kündigte jetzt an, sich noch in diesem Monat mit Vertretern Borgstedts zu treffen, um erste Gespräche zu führen. Schacht-Audorf will seinen Teil der Insel im Nord-Ostsee-Kanal abtreten. Die Gemeinde Borgstedt bemüht sich bereits seit Jahrzehnten um die Eingemeindung der Insel in ihr Gebiet.

Hintergrund des Treffens ist die Entscheidung der Schacht-Audorfer Gemeindevertreter, die sich bereits im Juni vergangenen Jahres für die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes ausgesprochen hatten (wir berichteten). „In dem Zuge soll eine Bereinigung des Gemeindegebiets stattfinden“, sagte Eckard Reese damals. „Bevor der neue Flächennutzungsplan verabschiedet wird, müssen wir wissen, ob wir das Gebiet auf der Rader Insel einbeziehen müssen“, sagte Reese jetzt auf Nachfrage der Landeszeitung. Deshalb treffen er und Borgstedts Bürgermeister Gero Neidlinger am 30. Januar aufeinander.

Reese begründet die Entscheidung damit, dass die Einwohner der Rader Insel sich ohnehin am näher gelegenen Borgstedt orientieren. Das bestätigt auch Gero Neidlinger. Ihm zufolge habe sich seine Gemeinde bereits in den 1990er-Jahren dazu entschlossen, sich um die gesamte Rader Insel zu bemühen. „Der Anlass war das Interesse der Bürger auf der Insel, die eher mit Borgstedt vernetzt sind – etwa zum Sportverein, zur Schule und zum Kindergarten“, sagte Neidlinger. Doch die Bemühungen Borgstedts reichen noch weiter zurück – bis in die Nachkriegszeit (siehe Artikel rechts).

Wie die Gespräche ausgehen, ist noch offen. Beide Parteien müssen aushandeln, ob Schacht-Audorf einen Ausgleich für die Flächen bekommt. Ob die Gemeinde zudem durch den Einwohnerverlust Schlüsselzuweisungen des Landes verliert, sei nicht ausgerechnet worden, so Eckard Reese. Er sprach von „verschwindend geringen“ Einbußen. Gero Neidlinger sagte: „Fakt ist, dass jeder Einwohner mit 800 bis 1000 Euro bei den Schlüsselzuweisungen zu Buche schlägt.“ Zudem würden Grundsteuer A und B und unter Umständen die Gewerbesteuer beeinflusst. Borgstedt müsse vor der Umgemeindung eine Risikoabwägung vornehmen.

Das Gebiet Schacht-Audorfs auf der Insel ist 316  000 Quadratmeter groß – das ist rund ein Drittel der Gesamtfläche. 32 Bürger wären von dem Vorhaben betroffen.

Der Kreis steht einer Umgemeindung neutral gegenüber: „Die betroffenen Gemeinden sind am Zug, sich zu einigen und die Modalitäten für einen Übergang zu regeln. Wenn sich beide einig sind, wird eine Umgemeindung nicht am Kreis scheitern“, sagte Dr. Thilo Rohlfs, Fachbereichsleiter des Kommunalwesens.

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