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Japan trifft Deutschland : Tausche Reiscracker gegen Roggenbrot

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

In der Backstube der Bäckerei Büller in Nortorf lernen sechs Japanerinnen das traditionelle Backen kennen und testen typisch deutsches Brot. Obwohl in Japan nur weiches, weißes und süßes Brot beliebt ist, schmeckt den Damen auch das gesunde Vollkornexemplar.

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erstellt am 19.Okt.2013 | 06:00 Uhr

„Ohhhh“, ertönt es laut, als sechs Japanerinnen die Backstube von Wolfgang Radeckenn betreten und vor ihnen all die leckeren Kuchen und Brote liegen. Die europäischen Backwaren sind ihnen zwar nicht gänzlich unbekannt, aber dennoch weitestgehend fremd. Ann-Marie Roby erklärt, „die Japaner essen eigentlich nur weißes, weiches Brot. Und am besten ganz süßes.“

Die Studentin hat eineinhalb Jahre in der Weltmetropole Tokio studiert und dabei die Bäckerin Osaka kennengelernt, die dort ein kleines Café führt. Regelmäßig treffen sich in diesem Café einige Frauen, die gemeinsam backen und Rezepte austauschen. Als die junge Studentin erzählt, dass sie Verwandte mit eigener Bäckerei in Deutschland hat, werden die Koffer gepackt und die über 9000 Kilometer auf sich genommen, um einmal in einem ursprünglichen Backbetrieb hinter die Kulissen zu schauen und traditionelle deutsche/europäische Backwaren zu sichten.

Bäcker Wolfgang Radeckenn und seine Frau Antje wussten zwar von dem Besuch, aber was sie erwarten würde, war ihnen nicht klar. Ganz traditionell wurde das Ehepaar von den sechs freundlichen Japanerinnen mit reichlich Geschenken übersät. Darunter eine Flasche japanischen Reiswein, süße, mit Karamell überzogene Kartoffeln, die, so munkeln die Damen auch dem Japanischen Kaiser täglich zum Tee gereicht werden, Reiscracker mit Schokoüberzug, ein Rezeptbuch von Bäckerin Osaka und ein weit gereister Kuchen. Denn schließlich müsse auch der deutsche Bäcker den japanischen Kuchen probieren, lachen die Gäste.

In der Backstube zeigt Wolfgang Radeckenn den neugierigen Damen wie „ganz ursprünglich“ gebacken wird. Der Betrieb bezieht sein Getreide direkt vom Bauern und mahlt es selbst. Ob der Bäcker denn wüsste, wie die Ernte verläuft, fragt eine der Frauen. „Ich bekomme immer aktuelle Ernteberichte“, erklärt ihnen Radeckenn, „das ist für uns ganz entscheidend. Dann wissen wir nämlich, ob wir beispielsweise Säure anheben oder senken müssen.“ Die Japanerinnen saugen die Informationen regelrecht auf, alles wird mit Handy, Fotoapparat und Videokamera aufgenommen. Zusätzlich werden Notizen gemacht und Ann-Marie Roby versucht mit dem Übersetzen hinterherzukommen. „Das ist das erste Mal, dass ich meine Tochter japanisch sprechen hören“, erzählt Petra Roby stolz. Die Cousine von Antje Radeckenn kümmert sich gemeinsam mit ihrer Tochter um den Besuch. In der Nähe von Schleswig sei dieser untergekommen, in einem Hotel mit typisch deutscher Küche. Ein traditionell norddeutsches Gericht zauberte sie jüngst selbst auf den Tisch – Labskaus mit Hering und Rollmops. „Das hat denen super geschmeckt“, berichtet Petra Roby, „was aber vielleicht auch daran lag, dass es wohl an ein dort typisches Reisgericht erinnert.“

In der Backstube werden unterdessen gemeinsam Laugenbrezel und Mandelhörnchen gemacht. Ann-Mary Roby erzählt, dass der größte Unterschied zwischen den beiden Backkulturen darin liege, dass die Menschen dort eigentlich nur weiches, weißes und süßes Brot essen und harte Kruste überhaupt nicht in Frage käme. Schwarzbrot gäbe es gar nicht, höchstens im Exportgeschäft.

Der Besuch hat sich für beide Seiten gelohnt, ein kultureller Backaustausch mit viel gesammelten Erfahrungen. „Ganz schön aufregend“, finden nicht nur die weit gereisten Besucher, sondern auch Familie Radeckenn und gemeinsam wird noch weiter über Roggen, Weizen und Co. philosophiert.

 

 

 

 

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