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Gericht : Tankreiniger entpuppten sich als Diesel-Diebe

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zwei Monteure ließen 3200 Liter in Hohenwestedt mitgehen.

shz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 12:12 Uhr

Eine dreiste Tat: Anstatt zwei Dieseltanks auf dem Gelände einer Hohenwestedter Bäckerei auftragsgemäß zu reinigen, pumpen zwei Mitarbeiter eines Service-Unternehmens aus Quickborn einen davon leer, nehmen den Kraftstoff mit und verkaufen ihn auf dem Rückweg an eine Hinterhof-Werkstatt. Den Betrug und den Diebstahl an einem kalten Tag im Dezember 2015 haben die 45- und 46-Jährigen gestern vor dem Rendsburger Amtsgericht eingeräumt. Doch sie tischten Richterin Birka Knuth zwei unterschiedliche Versionen auf, wie es zu der Tat kam. Auch die Rolle des mitangeklagten Vorgesetzten der beiden blieb dabei offen – er wurde im Gegensatz zu seinen Mitarbeitern freigesprochen. Das Urteil hinterließ den bitteren Nachgeschmack, dass es in der Tankreinigungsbranche einige schwarze Schafe gibt.

Als „perfide“ und „skrupellos“ beschrieb der Staatsanwalt in seinem Plädoyer, dass die Mitarbeiter den Diesel stahlen, aber keine der beauftragten Arbeiten ausführten. Am Ende schickte das Quickborner Unternehmen sogar noch eine Rechnung über mehr als 6300 Euro für seine „Dienstleistungen“ nach Hohenwestedt. Denn der Vorgesetzte, der als technischer Berater in der Tankreinigungsfirma seiner Frau angestellt ist, behauptete, nichts von dem Diebstahl und dem Betrug seiner Monteure gewusst zu haben. Davon habe er erst erfahren, als sein langjähriger Mitarbeiter, der mit einem erst neu eingestellten Kollegen vor Ort war, ihm die Geschichte später „mit Tränen in den Augen“ beichtete. Daraufhin habe es eine arbeitsrechtliche Abmahnung gegeben. Er sei nicht entlassen worden, weil er sich sonst als zuverlässig erwiesen haben soll, so sein Chef. Dabei liegt ein Strafbefehl gegen den Mann vor, weil er im Juli 2014 einem 97-jährigen Westerrönfelder vorgegaukelt hat, dass dessen Öltank gereinigt werden muss. Auch damals wurde die Arbeit nicht ausgeführt. Stattdessen entwendete der Mitarbeiter 1800 Liter Heizöl und stellte dem Rentner mehr als 1000 Euro in Rechnung. Für diese Tat verhängte das Amtsgericht im vergangenen Jahr eine Geldstrafe über 1500 Euro.

Der gleiche Mitarbeiter berichtete nun gestern vor Gericht, dass es zur Tat in Hohenwestedt kam, weil er und der zweite Monteur gefroren und „einfach keine Lust“ mehr hatten. Die Arbeit sei zu schwer gewesen. Deshalb brachen sie ab, als die 3200 Liter umgepumpt waren. In dem 30  000-Liter-Tank sei aber immer noch Diesel verblieben. Nachdem er dann von seinem Chef in Quickborn per Telefon gehört habe, dass noch ein Korrosionsschutz in den Tank eingebaut werden muss, habe er sich zu einer Lüge genötigt gefühlt und dem Vorgesetzten kurz darauf gemeldet, dass alle Arbeiten erledigt seien. Auf dem Rückweg sei sein Kollege auf die Idee gekommen, den geklauten Diesel zu verkaufen. Dazu habe er sich dann breitschlagen lassen.

Der zweite Angeklagte schilderte gestern hingegen, dass Betrug und Diebstahl System gehabt haben. „Wir sollten nur so tun, als würden wir an dem Tank arbeiten“, so der 45-Jährige. Dem Vorgesetzten in Quickborn sei zum Beispiel bewusst gewesen, dass den beiden Männern vor Ort nicht genug Material zum Einbau eines Korrosionsschutzes zur Verfügung stand. Der Dieseldiebstahl sei nicht seine Idee gewesen. Nachdem es Streit um die Vorfälle gegeben habe, sei ihm gekündigt worden. Danach habe er sich zu einer Aussage bei der Polizei entschlossen – obwohl er sich damit selbst schwer belastete. Denn ihm sei in Hohenwestedt bewusst gewesen, dass er Unrecht begeht. Am zweiten Tag vor Ort habe er sogar geholfen, den Peilstab des Dieseltanks mit einer Säge zu kürzen, um die verschwundene Kraftstoffmenge zu vertuschen.

Richterin Knuth glaubte ebenfalls, dass der gesamte Auftrag in Hohenwestedt ein abgekartetes Spiel war – und der Vorgesetzte zumindest davon wusste. Da half auch nicht der Einwand von dessen Anwalt, dass Mitarbeiter von Tankreinigungsfirmen häufig Kraftstoff entwenden, um ihn „irgendwo zu verhökern“, so Steffen Jahn. „Es gibt immer die gleichen Probleme mit Monteuren ohne Kontrolle vor Ort. Das ist Alltag“, so der Rechtsanwalt, der nach eigener Aussage zwei weitere solcher Fälle in seiner Mandantschaft hat.

Die Richterin hielt in ihrer Begründung dagegen: Es sei nicht glaubwürdig, dass der Monteur der Firma zweimal – in Hohenwestedt und Westerrönfeld – schadete, aber dennoch nicht entlassen wurde, während der zweite Mann sofort gehen musste. Der technische Berater werde nicht verurteilt, weil ihm nichts nachgewiesen werden konnte. Sein Schützling hingegen erhielt eine Geldstrafe wegen Betrugs und Diebstahls über 4350 Euro (145 Tagessätze à 30 Euro) und den eindringlichen Hinweis, dass er bei weiteren Taten um eine Bewährungsstrafe nicht herumkommen würde. Sein Ex-Kollege muss 1600 Euro berappen (80 Tagessätze à 20 Euro). Ihm wurde zugute gehalten, dass er geständig war, nicht vorbestraft ist und „der einzige ist, dem die Sache leidtut“, so die Richterin.

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