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Tango – die Bewegungskunst der edelsten Art

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zahlreiche Besucher bei Tanznacht im großen Saal der Volkshochschule

Zur 10. Rendsburger Tangonacht hatte die Volkshochschule in den großen Saal eingeladen und damit eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art fortgesetzt. „Muzet Royal“, das Tango-Trio aus Berlin, feierte ebenso sein zehnjähriges Zusammenspiel – dieses Mal allerdings überraschend als Duo. Erfahren meisterten Sirid Heuts (Akkordeon) und Anna Maria Huhn (Kontrabass) den Abend. Sie ersetzten die erkrankte Violinistin Ulrike Dinter. So sorgte Tango als „vertikaler Ausdruck eines horizontalen Verlangens“ in dem sparsam ausgeleuchteten Saal für konzentrierte und knisternde Spannung.

Dabei ist „Tango“ viel mehr als nur der Ausdruck dieser Wünsche, sondern eine Bewegungskunst edelster Art. In der vorherigen Schnupperstunde hatte Héctor González Pino aus Berlin das Wesentliche dieses Tanzens aufgefrischt. Sieben Paaren, darunter drei Anfänger-Duos, verriet er die Geheimnisse des Schreitens zu gleichmäßigem Rhythmus. „Tango ist ganz einfach, wir müssen nicht hören wo die Eins ist.“ Der Blick in die Ferne sei wichtig, und der Partnerin nicht in die Augen zu schauen. „Meine Augen sind nicht bei ihr, nur meine Arme.“ Der Tangolehrer zeigte, wie man „richtig“ schreitet, und machte es vor. „Wie rückwärts Skilanglaufen. Die Beine beginnen direkt unter den Rippen, beide Hände in Schulterhöhe“, forderte er zum Rundlauf auf. Erinnerten einige Anfänger-Männer zunächst noch an einen in feuchter Wiese stakenden Storch, wirkten ihre Schritte schon bald deutlich eleganter.

Hier wurde klar: Im Tango steckt mehr. Er ist eine Art gemeinsame Meditation zu zweit in der Öffentlichkeit. Gemeinsame Konzentration auf den Takt sowie sich selbst und den Partner. Dabei soll alles sicher, locker gekonnt und nicht steif wirken. „Hinstellen, die Hacken zusammen und das Gewicht von einem Bein auf das andere verlagern“, forderte Héctor. Gegenseitiges Spüren ist angesagt, um ohne Worte und – rätselhaft für bewundernde Zuschauer – mit Schlenkern und Drehungen den Saal zu durchschreiten. „Entscheidend ist, dass wir das Gefühl haben, dass wir zusammen sind“, begründet Héctor die Übung. „Hauptaufgabe ist es, Synchronisation herzustellen!“

Mehrere Runden werden geschritten, es dauert nicht lange, dann ist Eleganz in der Bewegung. Hilfreich dabei ist auch die richtige Bekleidung: So hatten die meisten Besucher zusätzlich zur Essenspende des Mitternachtscafés die authentischen Tango-Schuhe mitgebracht und sich passend umgezogen: Zierliche Frauenschuhe mit hohen Absätzen; dünne Sohlen auch bei den Männern. Viel benutzt – ein sicheres Zeichen der Begeisterung für den Tango.

Auch Britta Kühl und Eberhard Martius haben den Schnupperkurs mitgemacht. Nach der ersten Stunde im großen Saal schwärmte Britta: „Sucht ist es noch nicht, aber Leidenschaft. Ich denke, es kann zur Sucht werden.“ Nach ihrem ersten Tango-Workshop vor dreieinhalb Jahren kreiste sie mit Eberhard vorsichtig auf der Tanzfläche. Nach überstandener Knieoperation war es für ihn, den Nichttänzer, ein angenehmes, aber auch herausforderndes Erlebnis. „Der Tango bietet viel Freiraum für Fantasie, man kann alles Tanzen, das Gefühl bestimmt. Man muss sich nur aufeinander einlassen.“ Für diese beiden kein Problem. Das sah und spürte man deutlich – wie bei vielen anderen Paaren im voll betanzten Saal auch. Diese Nacht wurde noch lang – nicht nur wegen der geschenkten Stunde vor der Zeitumstellung.

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