Tagesmutter für 3,50 Euro pro Stunde?

Übergabe an der Haustür: Jule (2) wird von ihrer Tante zur Tagesmutter gebracht.Fotos: Laabs
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Übergabe an der Haustür: Jule (2) wird von ihrer Tante zur Tagesmutter gebracht.Fotos: Laabs

140 000 Euro will der Kreis in den nächsten drei Jahren dafür ausgeben, die Zahl der Tagesmütter zu erhöhen und deren Qualifikation zu verbessern. Kritische Stimmen beklagen den mit 3,50 Euro geringen Stundensatz für Tagesmütter.

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08. Mai 2009, 10:10 Uhr

Rendsburg | Einstimmig votierte der Jugendhilfeausschuss des Kreistages in dieser Woche für das "Aktionsprogramm Kindertagespflege". Dadurch wird Rendsburg-Eckernförde zu einem von 200 Modellstandorten in Schleswig-Holstein und erhält von der Bundesfamilienministerin 100 000 Euro für die Verbesserung der Situation bei den Tagesmüttern.

"40 000 Euro legen wir als Kreis noch dazu", erklärte Otto Griefnow, SPD-Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, im Gespräch mit der Landeszeitung. Ziel der von allen im Kreistag vertretenen Parteien mitgetragenen Aktion sei es, neue Tagesmütter zu finden, deren Qulifikation zu verbessern und deren Vermittlung voranzutreiben. Der Kreis zahle den Tagesmüttern 3,50 Euro pro Kind und Stunde. Eine zeitliche Begrenzung gebe es nicht, "bedarfsgerecht" schreibe das Gesetz vor, erklärt der Ausschussvorsitzende. Ist bei den Eltern nicht die Zeit, aber das Geld durch ein entsprechendes Einkommen vorhanden, hole sich das Jugendamt die Kosten für die Tagesmutter wieder. "Insgesamt sind beim Kreis 193 Tagesmütter gemeldet, die 258 Kinder betreuen", sagt NorbertSchmidt, zuständig für die Jugendpflege in der Kreisverwaltung. Etwa die Hälfte der betreuten Kinder seien unter drei Jahren (U3). Im Kreis gebe es in Abstimmung mit den Gemeinden zehn Vermittlungsstandorte. "Die Idee, sich für dieses Programm zu bewerben, stammt aus dem Jugendamt", sagt Schmidt.

Wofür sollen die 140 000 Euro in den nächsten drei Jahren ausgegeben werden? "Wir wollen jemanden beschäftigen, der sich im Bereich der Kindertagespflege um die Koordination zwischen Angebot und Nachfrage kümmert", berichtet Otto Griefnow. Ein weiterer Arbeitschwerpunkt der neuen Kraft sei das Werben neuer Tagesmütter und sei die Qualifikation. Bisher mussten sich die Frauen in einer 120 Stunden umfassenden Ausbildung schulen lassen. Künftig sollen es 160 Stunden sein. "Wir arbeiten an den Richtlinien", sagt Schmidt.

Was auf den ersten Blick attraktiv erscheine, habe aber auch eine Kehrseite, meint die ehemalige Vorsitzende des Tagesmüttervereins Rendsburg-Eckernförde, Christiane Laabs aus Rendsburg. "Die Leistung des Jugendamtes wird nur dann fällig, wenn das zu betreuende Kind tatsächlich anwesend war, und wenn die Eltern des Kindes in dieser Zeit selbst gearbeitet haben. Auch bei Krankheit des Kindes, Verhinderung der Eltern werden keine Leistungen durch das Jugendamt fällig", sagt die 37-Jährige. "Das stimmt", bestätigt Norbert Schmidt. Unsere Richtlinien sind an der Stelle unflexibel. Wir wollen das im Ausschuss ändern."

Weiterhin müssten Tagespflegepersonen ihre Einnahmen aus der Betreuung versteuern, bei Einnahmen über 400 Euro im Monat müssten Abgaben an die Rentenversicherung gezahlt werden. "Eigene Beiträge zur Krankenversicherung seien schon ab einem Einkommen von 360 Euro fällig", erklärt Christiane Laabs, die neben ihren drei eigenen vier Tageskinder pflegt.

Neue Vorsitzende des Tagesmüttervereins, dem 21 Mitglieder angehören, ist Heike Benn (Ostenfeld), Stellvertreterin Stefanie Bohn, Kassenwartin Nicole Albert. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 15 Euro im Jahr. Treffen ist einmal im Monat in Rendsburg.

Weitere Informationen zum Thema "Tagespflege" gibt Katrin Klaws vom Jugendamt unter der Telefonnummer 04331/202-391.

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