Hohenwestedt : Tafel sucht Paten und Lehrer für Asylbewerber

Obst und Gemüse für die Tafel: Für Margrit Steiner ist auch der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung ein wichtiger Aspekt ihres Tafel-Engagements.
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Obst und Gemüse für die Tafel: Für Margrit Steiner ist auch der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung ein wichtiger Aspekt ihres Tafel-Engagements.

140 Erwachsene und 100 Kinder werden allwöchentlich mit Lebensmitteln versorgt. Dazu gehören auch immer mehr Asylbewerber.

shz.de von
07. Januar 2015, 06:00 Uhr

36 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich bei der Hohenwestedter Tafel um die Lebensmittelausgabe an 75 Haushalte mit insgesamt 140 Erwachsenen und 100 Kindern. Weil sich die Tafel daneben auch für die Integration des ausländischen Teils ihrer Kundschaft engagiert, startet Cheforganisatorin Margrit Steiner zwei Aufrufe: Gesucht werden zum einen Paten, die sich als Ansprechpartner für Asylsuchende zur Verfügung stellen wollen, und zum anderen Schüler, die den Flüchtlingen beim Erlernen der deutschen Sprache helfen möchten.

Die Anzahl der Familien aus Hohenwestedt und Umgebung, die von der Tafel mit Lebensmitteln versorgt wird, sei im Laufe des vergangenen Jahrs kaum angestiegen, bilanziert Margrit Steiner: „Aber die Zusammensetzung der Tafel-Nutzer hat sich geändert; wir haben inzwischen auch 23 ausländische Familien mit 40 Erwachsenen und 35 Kindern, und darum haben wir im letzten Jahr nebenher Maßnahmen zu deren Integration in Angriff genommen.“

Wenn Asylsuchende zu den Tafel-Ausgabeterminen im Thomashaus (donnerstags, 16 Uhr) kamen, wurde deutlich, wie schwer ihnen die Verständigung fiel. „Das ist auch für unsere Mitarbeiter oftmals sehr beschwerlich“, stellt Margit Steiner fest, „da wäre es schon eine enorme Erleichterung, wenn unsere Ausländer so schnell wie möglich Deutsch lernen.“

Genau diesem Gedankengang entspricht der Deutschunterricht, den Harro Steiner seit einem Jahr anbietet. An den Deutschstunden im Gemeinderaum der selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche (SELK) nehmen Asylsuchende aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia, Tschetschenien und aus dem Irak teil. Harro Steiner ist ebenso ehrenamtlich im Einsatz wie die 36 Tafel-Mitarbeiter.

„Wir sind alles wirkliche Ehrenamtliche, bei uns gibt’s keinen Cent“, betont Margrit Steiner. Die Helfer bekommen keinerlei Aufwandsentschädigung, sind aber trotzdem mit viel Engagement bei der Sache. „Alle arbeiten gern, sind hoch motiviert, und die Stimmung ist gut“, sagt Margrit Steiner, „ich brauch‘ nicht groß Werbung zu machen für Personal, wir sind immer so zwischen 35 bis 40 Leute, und es gibt sogar interessierte Helfer auf einer Warteliste, auf die wir bei Bedarf zurückgreifen können.“ Warum sind die Tafel-Mitarbeiter so überaus motiviert und verlässlich? „Weil sie etwas tun wollen: Sie wollen sich einsetzen für Bürger, denen es nicht so gut geht.“ Der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung spiele ebenfalls eine Rolle. „Alles, was wir an Lebensmitteln verteilen, würde sonst vernichtet werden“, vermerkt Margrit Steiner, „das ist für uns auch ein ganz wichtiger Punkt.“

2006 hat die SELK-Kirchenvorsteherin die Hohenwestedter Tafel ins Leben gerufen und bei der Gründung „auf ökumenische Füße gestellt“: die Schwesternstation der Kirchengemeinden Hohenwestedt und Todenbüttel übernahm die Trägerschaft, die SELK die Leitung, und die Kirchengemeinde Hohenwestedt sorgte für die nötigen Räumlichkeiten im Thomashaus. 2014 wurde ein neuer Service eingeführt. „Wir beliefern neuerdings die alten und kranken Tafel-‚Kunden‘“, berichtet Margrit Steiner, „da prüfen wir natürlich, ob das wirklich nötig ist oder nicht.“ Seit einem Vierteljahr gibt es eine weitere Neuerung: Die kirchliche Frauenhilfe bietet einmal im Monat während des Tafel-Ausgabetermins Kaffee und Kuchen für die Nutzer an.

Für 2015 wünscht sich Magrit Steiner nun Hilfe von zwei verschiedenen Seiten. „Zum einen möchte die Tafel Patenschaften mit Freiwilligen aufbauen, die sich als Bezugsperson für asylsuchende Mitbürger zur Verfügung stellen“, erläutert die Tafel-Cheforganisatorin, „diese Leute sollten dann ständige Ansprechpartner und Kontaktpersonen für unsere ausländischen Gäste sein.“ Auch die junge Generation kann einen Beitrag zur besseren Integration der Flüchtlinge leisten, meint Margrit Steiner: „Es wäre schön, freiwillige Schüler zu finden, die in Ergänzung zum Deutschunterricht, den wir ja schon anbieten, mit dessen Teilnehmern zusätzlich lesen und schreiben, damit ein schnelleres Erlernen unserer Sprache möglich wird.“ Wer sich als Pate oder Deutschunterrichtshelfer engagieren möchte, kann sich an Heino Jeckel (Telefon 0  48  71  /  7  63  79  34, E-Mail: Heino.Jeckel@web.de) wenden.

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