Täglicher Kampf gegen das Seegras am Ostseestrand

Um diesen Haufen Seegras wegzufahren, braucht das Lohnunternehmen Engel drei Tage. Mitarbeiter Thomas Möller schaufelt mithilfe eines Radladers das Seegras auf einen  Hänger.
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Um diesen Haufen Seegras wegzufahren, braucht das Lohnunternehmen Engel drei Tage. Mitarbeiter Thomas Möller schaufelt mithilfe eines Radladers das Seegras auf einen Hänger.

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28. Juli 2014, 16:13 Uhr

Jeden Morgen das Gleiche – Seegras soweit das Auge reicht. Am gesamten Kurstrand, vom Ostsee Info Center bis zum Ende des Hundestrands, türmt es sich an der Wasserlinie. Seit rund vier Wochen gehören diese Riesenmengen Seegras zum Erscheinungsbild – sehr zum Ärger der Touristik. Denn: „Es hat bereits Beschwerden sowohl von Urlaubern als auch von Einheimischen gegeben“, berichtet der Geschäftsführer Stefan Borgmann. Der Vorwurf: In Eckernförde sei der Strand dreckig. Dabei ist Seegras ein „natürliches Produkt der Ostsee“, das nicht nur Lebensraum vieler Fische sei, sondern nebenbei auch noch den Wellengang auf den Strand bremse, erklärt Borgmann.

Für das hohe Seegras-Aufkommen ist der anhaltende Ostwind verantwortlich. Er treibt es in die Eckernförder Bucht. Da das Ostseebad am Ende der Bucht liegt, sammelt sich das Seegras hier wie in einem Trichter. Und das eben jeden Tag. „Es ist ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt Borgmann.

So wird der Strand jeden Morgen gereinigt. Morgens ab 5 oder 6 Uhr ist Oliver Korth, Mitarbeiter der Touristik, mit seiner Strandreinigungsmaschine dort zu finden. Alles, was sich im Sand befindet, wird aufgenommen: Seegras, Plastikflaschen und auch Hundekotbeutel. „Die Leute verbuddeln die einfach im Sand“, ärgert sich der 45-Jährige. Unterstützt wird er von Mitarbeitern des Lohnunternehmens Engel, die mit zwei 140 PS starken Radladern das Seegras von der Wasserlinie holen. Kurz vor dem Hundestrand wird es zwischengelagert, um dann in die Kompostierungsanlage gefahren zu werden. Gereinigt wird bis kurz vor 10 Uhr, dann sind bereits zu viele Badegäste unterwegs. „Seegras und die Strandreinigung sind ein hoher Kostenfaktor“, erklärt Borgmann. 2013 habe die Stadt 30000 Euro ausgeben müssen.

Der relativ niedrige Salzgehalt sei für die Kompostierung von Seegras kein Problem, meint Ralph Hohenschurz-Schmidt, Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) Bioenergie GmbH in Borgstedt. Das strukturarme Material werde mit Grünmaterial vermischt. 1187 Kubikmeter wurden 2013 in der Kompostierungsanlage verarbeitet. Der Kompost, den der Kunde in Eckernförde kauft, kann also in geringen Mengen Seegras enthalten.

Auch heute Morgen sind Oliver Korth und die Männer mit den großen Maschinen wieder am Strand unterwegs. Das Seegras wartet bereits.

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