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Rendsburg : Swinging-Parkis: Tango als Therapie

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Parkinson-Patienten wollen sich gemeinsam von ihrer Krankheit ablenken. Durch rhythmische Bewegung wird das Zittern und Stottern weniger.

von
erstellt am 14.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Wenn Karlheinz Braun die Tanzfläche betritt, hat er sofort ein Lächeln im Gesicht. Auf seinen Kurs an jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat freut er sich besonders. Behutsam legt er die Hand um die Hüfte von seiner Frau und beginnt mit seinem Lieblingstanz, dem Cha-Cha-Cha, den können die beiden besonders gut. Doch für ihn ist Tanzen mehr als nur ein Hobby. Tanzen ist für ihn Therapie – eine Therapie gegen seine unheilbare Krankheit: Karlheinz Braun hat Parkinson.

Die Diagnose hat der 62-Jährige vor fünf Jahren bekommen. In einer Selbsthilfegruppe in Rendsburg hat er dann Kontakt zu anderen Patienten gesucht. Als Braun davon hörte, dass Tanzen eine Möglichkeit sei, gegen die steifen Muskeln und Bewegungsstörungen der Erkrankung anzukämpfen, gründete er im August 2012 eine Tanzgruppe – die Swinging-Parkis.


Tanzen, um die Krankheit zu vergessen


Aus vier Teilnehmern sind inzwischen 20 geworden. Zweimal im Monat wollen sie in der Tanzschule Fenselau für eineinhalb Stunden ihre Krankheit vergessen. „Wenn ich nicht zum Tanzen gehe, werden meine Bewegungen schlechter, dann mache ich wieder so kleine Trippelschritte – die sind typisch für die Krankheit“, erzählt Braun von den Erfolgen der Therapie. Besonders der Tango verspreche positive Effekte. Denn Parkinson-Patienten erstarren oft in ihrer Bewegung, beim Tango lernen sie, aus diesen Pausen wieder in den normalen Bewegungsfluss zu kommen.

Doch die Krankheit sieht man keinem der Swinging-Parkis auf der Tanzfläche an. Der Altersdurchschnitt der Gruppe ist vielleicht etwas höher, das war´s dann aber auch schon mit den Auffälligkeiten. Auch Tanzlehrer Rainer Fenselau merke kaum einen Unterschied, die Swinging-Parkis seien nicht weniger begabt. Ganz im Gegenteil: „Viele aus den anderen Tanzkursen können sich da eine Scheibe abschneiden“, sagt er.

Auch Karl Thoms (77) aus Groß Wittensee gehört mit seiner Frau Ursula zu den regelmäßigen Tänzern. „Bewegung ist die beste Medizin“, findet er. Für ihn sei es aber vor allem die Ablenkung und der Spaß an Walzer, Rumba und Co, die ihm helfen, mit seiner Krankheit umzugehen. „Zu Hause traurig rumsitzen bringt ja nichts. Man muss etwas tun“, sagt er. Auch wenn Thoms Probleme damit habe, sich jede Schrittfolge genau zu merken, lasse er sich die Führung beim Paartanz nicht nehmen: „Der Herr muss führen, meine Frau übernimmt aber das Denken. Wir ergänzen uns da perfekt“, sagt er lachend.

Die Swinging-Parkis sind auch offen für andere Teilnehmer. Uwe Jonas (74) aus Fockbek hat zwar kein Parkinson, ist aber durch einen Schlaganfall vor vier Jahren ebenfalls in seiner Bewegung beeinträchtigt. Auch für ihn sei das Tanzen eine Art Therapie. Seinen Gehstock legt er zu Beginn der Stunde an den Rand der Tanzfläche. Er braucht ihn jetzt nicht mehr. Und wenn er mal doch etwas wackeliger auf den Beinen ist, hat er eine Lösung: „Zur Not kann ich mich ja immer noch an meiner Tanzpartnerin festhalten.“

Das nächste Treffen der Swinging-Parkis findet am kommenden Donnerstag um 15 Uhr in der Tanzschule Fenselau, Gerhardstraße 22, statt. Wer teilnehmen möchte, kann sich unter Tel. 0 43 31/39 96 87 melden. Die Selbsthilfegruppe veranstaltet auch regelmäßig Fachvorträge.

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