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Räder rollen Tag und Nacht : Studie: Rendsburg die Hauptstadt des Bahn-Lärms

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Landesvergleich auf Platz 1. Jeder dritte Bürger hört die Züge.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2016 | 10:03 Uhr

In keiner Mittelstadt Schleswig-Holsteins sind mehr Bürger einem Bahnlärm von über 55 Dezibel ausgesetzt als in Rendsburg. Dies geht aus dem neuen Lärmaktionsplan des Eisenbahn-Bundesamtes hervor. 10  200 Rendsburger, mehr als jeder dritte Einwohner, können es deutlich vernehmen, wenn Lokomotiven und Waggons durch die Stadt rollen. Bei 1000 Bürgern ist die Geräuschintensität mit mehr als 65 Dezibel so stark, dass es Stress verursacht. Und 170 Rendsburger sind einem Lärm von mehr als 75 Dezibel ausgesetzt. Das kann zu dauerhaften Schäden am Gehör führen.

Rendsburg sticht aus der Statistik heraus. In Schleswig (24  000 Einwohner) erleben nur 1140 Menschen den Bahnlärm in einer Stärke von über 55 Dezibel, in Bad Oldesloe (24  200 Einwohner) sind es 1610, in Husum (22  200 Einwohner) sogar nur 170. Selbst Neumünster, mit 78  000 Einwohnern zweieinhalb Mal größer als Rendsburg, kommt an die Lärmbelästigung in der Stadt am Nord-Ostsee-Kanal nicht heran: Laut Eisenbahn-Bundesamt erleben 8800 Neumünsteraner die von den Zügen verursachten Geräusche in einer störenden Intensität.

Die Eisenbahnhochbrücke mit ihren Rampen und die Lage des Bahnhofs im Zentrum sind die Gründe dafür, dass vergleichsweise viele Rendsburger den Eisenbahnlärm zu spüren bekommen. Während sich die Bahnhöfe in Husum und Schleswig am Stadtrand befinden, verläuft in Rendsburg alles mittendurch, und das auch noch mit einem gewaltigen Schwenk. Um den Kanal zu überwinden, müssen die Züge über die Rampen der Eisenbahnhochbrücke auf eine Höhe von über 40 Metern geführt werden. Links und rechts der Trasse findet man Ein- und Mehrfamilienhäuser. Wer in und an der Schleife wohnt, hört die Züge. Neun Schulen befinden sich in einem Bereich, in dem der Lärmpegel mindestens 65 Dezibel erreicht. Gäbe es keinen Kanal, bräuchte man weder die Rampen noch die Hochbrücke – und die Bahntrasse durch die Stadt ließe sich um fast sechs Kilometer verkürzen.

Der Lärmaktionsplan wird in zwei Phasen erstellt. Die erste ist beendet. Sie bezieht sich auf die Haupttrassen der Bahn außerhalb der Ballungsräume. Im zweiten Schritt folgen die Ballungsräume. Erst nach Abschluss der zweiten Phase werden Daten zu Kiel und Lübeck vorliegen. Als Haupttrassen definieren die Fachleute die Streckenabschnitte, die pro Jahr von mehr als 30    000 Zügen befahren werden. Für Rendsburg geht die Bahn von zirka 32  000 Personen- und Güterzügen aus.

Welche Konsequenzen haben die Erkenntnisse aus dem Lärmaktionsplan? Kurzfristig keine. Das Eisenbahn-Bundesamt will das 236-seitige Werk unter anderem „als transparentes Instrument für die Flächennutzungs- und Bauleitplanung der Kommunen“ verstanden wissen. Langfristig sollen daraus Vorhaben abgeleitet werden, die den Bahnlärm reduzieren können – sei es durch Veränderungen am Gleiskörper oder durch den Einsatz leiserer Züge. Die Bauarbeiten, die die Bahn in diesem Jahr an ihren Rendsburger Gleisanlagen plant, tragen nicht zur Entschärfung der Situation bei. „Die Bauarbeiten haben keine Verringerung der Lärmemission zur Folge“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis.

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