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Energiewende : Stromzähler der Zukunft kommt aus Rendsburg

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Schleswig-Holstein-Netz-AG führt Intelligente Messsysteme ein, die auch überschüssige Windenergie nutzen können.

Der Stromzähler der Zukunft hilft nicht nur beim Sparen. Er kann sich auch überschüssige Windenergie holen, die bisher ungenutzt blieb. Techniker der Schleswig-Holstein-Netz-AG in Rendsburg und ihre Bürokollegen in Quickborn starteten zum Test sogenannter Intelligenter Messsysteme ein Pilotprojekt auf Fehmarn. Aufgrund einer gesetzlichen Vorgabe werden 145  000 Stück davon ab 2018 landesweit als Ersatz für herkömmliche Stromzähler in Betrieben installiert. Auch private Haushalte werden die Technologie nutzen können. Die Umrüstung erstreckt sich, gestaffelt nach Verbrauch, über 16 Jahre.

Das System misst viertelstündlich den Energieverbrauch, mithilfe einer Zusatzausrüstung sogar für jedes angeschlossene Gerät. Der Kunde kann sich die Werte in einem Online-Portal ansehen und dadurch Einsparpotenziale erkennen. Einen weiteren Vorteil erläuterte der Vorstandsvorsitzende Matthias Boxberger gestern bei einem Besuch des Energiewende-Ministers Robert Habeck in Rendsburg an einem Beispiel: Wenn jemand sein Elektroauto abends in der Garage an die Steckdose anschließt, muss es in der Regel nicht die gesamte Nacht über laden. „In Zukunft könnte er einem Partner den Zugriff auf die Steckdose des Elektroautos anbieten“, sagte Boxberger. Ein Stromanbieter könnte bei entsprechender Erlaubnis auf das Messsystem zugreifen und die Energie für zwei Stunden einschalten. Den Zeitraum würde er abhängig vom Wind wählen. Zurzeit werden Windkraftanlagen abgeschaltet, wenn sie Strom über Bedarf produzieren. In Zukunft könnte dieser Überschuss eingesetzt werden. „Ich nutze den Strom, der da ist, in anderen Sektoren, um daraus Wärme, Mobilität oder Gas zu machen. Mit dem Gas kann ich ein Auto betreiben oder in der Küche kochen.“

Ob der Kunde davon finanziell profitiert, steht noch nicht fest. Die Idee ist, ihn bei einer flexiblen Abnahme der Stromüberschüsse von Netznutzungsgebühren und der EEG-Umlage zu befreien. Das erlaubt der Gesetzgeber zurzeit aber nicht. Habeck: „Die Sorge der Bundesregierung ist, dass man damit einen Subventionstatbestand schafft.“

Boxberger räumte zudem ein: „Es gibt eine große Zurückhaltung in der Bevölkerung wegen der Datensicherheit und des Preises.“ Die SH-Netz-AG wird die Geräte zunächst bei Abnehmern von mehr als 6000 Kilowattstunden (kWh) installieren; dazu zählen Restaurants, Bäckereien und andere Betriebe. Sie zahlen bei einem Verbrauch von bis zu 10  000 kWh eine Jahresmiete von 100 Euro. Mehr erlaubt der Gesetzgeber nicht. Die Obergrenze für einen freiwilligen Einbau in Privathaushalten legte er auf 23 bis 60 Euro fest. SH-Netz-AG-Sprecherin Christine Pinnow sagte: „Durch die gesetzlich vorgegebene Einführung der Messgeräte entstehen für den Kunden zunächst Mehrkosten.“ Sie sollen aber beim Sparen helfen.

Zur Datensicherheit erläuterte Stefan Brumm, Leiter Strategie der HanseWerk-Gruppe, dem Mutterkonzern der SH-Netz-AG: „Die Übertragung der Signale wird verschlüsselt.“ Die Systeme entsprechen den Richtlinien des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik.

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erstellt am 28.Jul.2017 | 13:01 Uhr

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