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Denkmal im Stadtgebiet? : Streit um die Zukunft des Schwebefähren-Wracks

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

SPD will Gondel als Denkmal in der Stadt aufstellen. Rat verweist die Angelegenheit in den Senat.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2017 | 15:41 Uhr

Die SPD-Ratsfraktion hat vorgeschlagen, das Wrack der im Januar 2016 havarierten Schwebefähre im Stadtgebiet als Denkmal aufstellen zu lassen. Als Standort kommt nach Auffassung der Sozialdemokraten nicht ausschließlich der seit einem Dreivierteljahr zur Debatte stehende Bereich neben der Eisenbahnhochbrücke in Frage. Wie Ratsherr Matthias Bruhn in der Ratsversammlung sagte, sollen sich Politik und Verwaltung Gedanken über einen geeigneten Standort und Möglichkeiten der weiteren Nutzung machen. Auch mit der Finanzierung müsse man sich beschäftigen. Voraussetzung sei, dass das Wasser- und Schifffahrtsamt die Schwebefähre zur Verfügung stelle.

Kaum hatte Bruhn den Antrag eingebracht, schlug ihm aus mehreren Richtungen Widerstand entgegen. Fritjof Wilken, Vorsitzender der Fraktion Modernes Rendsburg, sagte, dass die Schwebefähre an die Eisenbahnhochbrücke gehöre, und zwar auf Osterrönfelder Gemeindegebiet. Osterrönfeld sei finanziell besser aufgestellt. „Unsere Fraktion gibt noch ein Kilogramm Farbe und einen Rostpinsel dazu“, so Wilken ironisch. Er warnte vor den „immensen Folgekosten“ eines Schwebefähren-Denkmals.

CDU-Ratsherr Gunnar Knabe bezweifelte den Sinn des SPD-Antrages. „Wenn Sie einen alten Golf 1 haben, diesen zu Schrott fahren und sich wieder einen Golf 1 kaufen, stellen Sie sich doch das Wrack nicht in den Garten.“ Das Schwebefähren-Wrack als Denkmal wäre gleichbedeutend mit „einer im voraus geplanten Ruine, die irgendwann mit Graffiti beschmiert ist“. Norbert Klan (Grüne) erinnerte daran, dass SPD-Fraktionschef René Sartorius darauf bestanden habe, bei allen Beschlüssen auch über die Folgekosten informiert zu werden. In dem Antrag stehe dazu gar nichts drin. Er bezeichnete den Vorstoß der Sozialdemokraten als „absolut nicht beschlussfähig“.

Die SPD-Vertreter zeigten sich überrascht von der breiten Ablehnung. Sartorius wies darauf hin, dass man sich mit dem Thema befassen sollte, um nichts zu verschlafen. Matthias Bruhn ergänzte, dass die Schwebefähre mitten in der Stadt ein Magnet sein könne. Unterstützt wurde er vom SSW-Fraktionschef Andreas Vollstedt: „Die Idee kann unserer Stadt förderlich sein.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Krabbes schlug schließlich vor, das Thema ohne inhaltliche Vorgaben an den Senat zu verweisen. Auf diesen Kompromiss ließen sich Befürworter und Kritiker eines Schwebefähren-Denkmals gleichermaßen ein. Der Beschluss erging einstimmig.

Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) als Eigentümerin des havarierten Fahrzeugs zeigte sich gestern aufgeschlossen gegenüber den Überlegungen aus Rendsburg. „Wir freuen uns, wenn jemand einen Vorschlag hat, was mit der alten Schwebefähre passieren könnte“, sagte Sprecher Matthias Visser. Noch sei aber keine konkrete Idee an die WSV herangetragen worden.

Man sei sich mit dem Denkmalschutz einig, dass vor dem Hintergrund des laufenden Weltkulturerbe-Verfahrens gut überlegt sein will, was mit der Schwebefähre passieren soll. „Was mit ihr mittel- bis langfristig geschehen soll, werden wir mit dem Denkmalschutz und dann selbstverständlich auch mit Partnern wie der Gemeinde Osterrönfeld und der Stadt Rendsburg beraten“, so Visser weiter.

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