Nordmarkhalle Rendsburg : Streit um „Bullentempel“: Ex-Wirt sichert sich Namen

Selfie mit Publikum: Beim Auftritt der Vorgruppe „Kuult“ am 1. Mai hatten die Musiker ihren Spaß – und die Zuschauer im „Szene Treff Rendsburg“ auch.
Selfie mit Publikum: Beim Auftritt der Vorgruppe „Kuult“ am 1. Mai hatten die Musiker ihren Spaß – und die Zuschauer im „Szene Treff Rendsburg“ auch.

Frank Lange stellt Antrag beim Deutschen Patent- und Markenamt. Er will sich den Namen „Bullentempel“ schützen lassen.

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03. Juni 2015, 05:25 Uhr

Der seit Jahren gärende Streit zwischen der Stadt und dem ehemaligen Nordmarkhallen-Gastwirt Frank Lange geht unerwartet in die Verlängerung. Mit dem Ausscheiden des Getränkehändlers als Pächter der Gastronomie schien die Auseinandersetzung beigelegt. Doch jetzt taucht neuer Konfliktstoff auf: Nach LZ-Recherchen hat Frank Lange „Bullentempel“ als Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt eintragen lassen. Der entsprechende Antrag ging bei der Münchner Behörde im November 2014 ein. Der vorläufige Vermerk ins Register erfolgte am 17. Dezember. Am 16. April endete die Widerspruchsfrist. Zwei Tage vor Ablauf der Karenzzeit legte die Stadt Rendsburg ihr Veto ein. Der Ausgang ist offen, das Verfahren läuft.

Frank Lange beansprucht die Bezeichnung Bullentempel für sich, da er lange die Gaststätte in der größten Rendsburger Veranstaltungshalle betrieben hat. 1993 habe er zusammen mit Stephan Kroll die Bullentempel GbR gegründet, gibt Lange an. Den Namen habe er nicht nur ins Firmenregister eintragen lassen, sondern auch als Veranstalter geprägt. „Ich habe den Bullentempel 22 Jahre geführt und möchte nicht, dass der Name verrissen wird.“ Er werde in Zukunft weiter Veranstaltungen unter dem Namen Bullentempel anbieten – allerdings im „Kulthaus“ in der Altstadt (Ex-Diskothek „Havana“). Frank Lange erwartet keine schnelle Lösung des Disputs mit der Stadt. „Mein Anwalt rechnet mit zwei Jahren.“

Im Rathaus stößt der ausgeschiedene Pächter mit seinem Vorgehen auf wenig Verständnis. „Bullentempel gehört seit ewigen Zeiten zum allgemeinen Sprachgebrauch in Rendsburg“, sagt Fachbereichsleiter Herbert Schauer. „Nur weil dort jemand die Gastwirtschaft betrieben hat, kann ich nicht erkennen, warum derjenige die Namensrechte für sich beanspruchen muss.“ Vom Antrag Langes beim Markenamt in München habe die Verwaltung durch Zufall erfahren.

Dem Auslaufen des Vertrags von Frank Lange als Gastwirt in der stadteigenen Nordmarkhalle war ein Rechtsstreit vorausgegangen. Ende 2012 hatte die Stadt ihn als Wirt des Hauses verwiesen – nach Auffassung der Eigentümer vertragskonform und fristgerecht, nach Auffassung von Lange widerrechtlich. Er wollte die Halle fünf weitere Jahre betreiben. Im Rathaus warf man ihm vor, nicht ausreichend in das Gebäude investiert zu haben. Vor Gericht in Kiel kam es schließlich zum Vergleich: Lange durfte die Halle neun Monate mietfrei nutzen – bis zum 31. Dezember 2014.

Seit dem 1. Januar ist Wolfgang Fidelak Inhaber der Gaststättenerlaubnis. Zusammen mit seinem Freund und Geschäftspartner Harald Poerschke will er neuen Schwung in die Halle bringen. Das Hausrecht haben beide nur auf den gastronomischen Flächen und der Bühne im Obergeschoss, sie sich für kleine Clubkonzerte eignet. Der Zuspruch in den ersten Monaten war eher mäßig. Während am 1. Mai bei einem Konzert mit Alexander Knappe und der Vorband „Kuult“ in einer gut gefüllten Kneipe die Post abging, kam es am 17. April beim Auftritt von Nikolay Urumov, kurz „Nick U“, zu einer fast tragikomischen Szene: Ein einziger Besucher war zu dem Konzert erschienen. Der Sänger spielte drei Songs und erstattete dem Zuschauer anschließend die Hälfte des Eintrittspreises.

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