Fußgängerzone : Straße top – aber viele Kunden weg

Thomas Krüger ärgert sich, dass die Kunden seines Feinkost- und Spirituosen-Geschäfts in der Holsteiner Straße nicht zum Einladen vorfahren dürfen. Sie müssen die Ware bis zum nächsten Parkplatz schleppen.
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Thomas Krüger ärgert sich, dass die Kunden seines Feinkost- und Spirituosen-Geschäfts in der Holsteiner Straße nicht zum Einladen vorfahren dürfen. Sie müssen die Ware bis zum nächsten Parkplatz schleppen. Fotos: Leptin (2)

Geschäftsleute in der „Holsteiner“ klagen über massive Einbußen während der Sanierung. Händler fordert Halteerlaubnis für Käufer.

shz.de von
15. August 2018, 16:12 Uhr

Rendsburg | In einer Woche geht für die Geschäftsleute in der Holsteiner Straße eine mehr als einjährige Durststrecke zu Ende. Zum Rendsburger Herbst sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Durch sie verlor „Whisky Krüger“ über 80 Prozent seiner Kunden. Deshalb schränkte Thomas Krüger seine Öffnungszeiten von sechs auf drei Tage ein. Vorausschauend hatte er schon bei der Ankündigung der Baustelle eine Filiale in Holzbunge eröffnet. Auch andere Händler berichten von Einbußen. Als wäre das nicht schlimm genug, ärgern sie sich über einen weiteren Umstand: In der Holsteiner Straße darf auch künftig nicht geparkt werden.

Thomas Krüger verdeutlicht das Bedürfnis nach Haltemöglichkeiten vor den Läden: „Die Kunden fragen mich immer: Darf ich hier kurz stehen, um einzuladen?“ Dürfen sie nicht. Nur Taxis und Lieferanten dürfen die Straße befahren. Keiner will aber schwere Kartons mit Whisky- oder Bierflaschen bis zum nächsten Parkplatz schleppen, so Krüger. Die Kunden würden deshalb fernbleiben oder trotz des Verbots in die Fußgängerzone fahren – und aufgeschrieben werden. Weil er sein Klientel nicht unter den fehlenden Halteplätzen leiden lassen will, hat Krüger einigen schon das „Ticket“ bezahlt, berichtet er.

Andere Kaufleute wünschen sich ebenfalls Kurzzeitparkmöglichkeiten. „Komisch“ findet Kay Nehls die Regelung, dass seine Kunden sich von einem Taxi vor seinem Frisörsalon „Cut & Care“ absetzen lassen dürfen, aber nicht von einem Familienmitglied. Vor allem für seine älteren Kunden wünscht er sich, dass allen Fahrzeugen die Einfahrt in die Holsteiner Straße gestattet wird. Auch Jan Rathjens, Inhaber des gleichnamigen Blumenladens, will Käufer zum Beladen vorfahren lassen. Peter Jensen, Chef der Boutique „Ladies Fashion“, unterstützt die Forderung.

Krüger fühlt sich als Einzelhändler von der Stadt im Stich gelassen. Es sei schwer, in der Nähe seines Geschäfts überhaupt einen Parkplatz zu bekommen. Und fast alle Stellplätze seien kostenpflichtig. Das ist nicht zeitgemäß und vertreibt die Kunden, meint Krüger. Als er vor einigen Jahren den Vorschlag äußerte, ein Parkhaus an der Ecke „Schleuskuhle / An der Bleiche“ zu errichten, habe die Stadt sofort abgelehnt. Auch die Kommunikation der Verwaltung missfällt ihm. Es sei angekündigt worden, dass die Arbeiten in zwei Abschnitte eingeteilt werden sollten. Stattdessen sei während der gesamten Bauphase entlang der ganzen Einkaufsstraße gebaut worden. Die Stadt gebe sich keine Mühe, mit den Händlern zusammenzuarbeiten. Daher gebe es in der Rendsburger Innenstadt „kaum mehr inhabergeführte Geschäfte“.

Das sagt die Stadt

Heiko Hinrichsen vom Fachdienst Tiefbau erklärt, dass es sich bei der Holsteiner Straße um eine für Radfahrer offene Fußgängerzone handelt. Deshalb dürften Kunden die Straße nicht befahren, sondern ausschließlich Taxis und Lieferanten. Die Bauarbeiten sind auf der Zielgeraden angekommen, berichtet er. Bis zum Rendsburger Herbst sollen sie abgeschlossen sein. Wegen des langen Winters hätten sich die Arbeiten verzögert. Über den aktuellen Stand hätten sich die Händler vor Ort „auf dem kleinen Dienstweg“ erkundigen können. Im Zuge der seit 31. Juli 2017 laufenden Arbeiten wurden die Versorgungsleitungen, die Hausanschlüsse für die Entwässerung sowie die Straßenoberfläche erneuert.

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