Baubilanz : Stotterstart bei Wohnraum-Offensive

Ein guter Plan: Aber trotz 958 Neubauwohnungen hinkt die „Wohnraum-Offensive“ der Bundesregierung auch im Kreis Rendsburg-Eckernförde ihren Zielen hinterher.
Ein guter Plan: Aber trotz 958 Neubauwohnungen hinkt die „Wohnraum-Offensive“ der Bundesregierung auch im Kreis Rendsburg-Eckernförde ihren Zielen hinterher.

2017 wurden im Kreis nur 958 Wohnungen gebaut . „Bündnis Wohnen“ fordert weitere Impulse. Wirtschaft sieht Nachholbedarf.

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02. Juli 2018, 14:41 Uhr

Rendsburg | Die Zahlen der aktuellen Baubilanz sehen gut aus: Rund 211 Millionen Euro investierten die Bauherren im Kreis im vergangenen Jahr in den Neubau von 958 Wohnungen. Davon sind 491 Ein- und Zweifamilienhäuser. „Das klingt viel. Tatsächlich müsste es aber künftig mehr sein, wenn der Kreis Rendsburg-Eckernförde seinen Beitrag zur Wohnraum-Offensive der Bundesregierung leisten will“, sagt „IG Bau“-Regionalleiter André Grundmann vom Verbändebündnis Wohnen.

In der Tat: Durch die im Koalitionsvertrag vereinbarte „Wohnraum-Offensive“ sollen bundesweit 1,5 Millionen Neubauwohnungen bis 2021 entstehen. Dies würde 375 000 Wohnungen pro Jahr bedeuten, im vergangenen Jahr waren es allerdings nicht einmal 285 000. Um die Ziele zu erreichen wäre eine Steigerung um fast ein Drittel notwendig. Rechnet man die Zahlen auf den Kreis Rendsburg-Eckernförde herunter, müssten hier künftig pro Jahr 1230 Wohnungen neu entstehen. Ob das gelingt, sieht Grundmann skeptisch. Er fordert mehr Impulse von Bund, Land und Kommunen: „Gerade für den sozialen Wohnungsbau muss deutlich mehr getan werden“. Der Bestand an Wohnungen für Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein würde täglich abnehmen. Die eindringliche Warnung: Hier drohe ein „Desaster“.

Neben dem sozialen Wohnungsbau sieht das Bündnis Wohnen akuten Handlungsbedarf auch bei der Förderung von Wohneigentum. Jeder Mensch müsse sich wieder „die eigenen vier Wände“ leisten können. Konkret gefordert werden steuerliche Anreize, Fördergelder und verlässliche Rahmenbedingungen für den Bau.

„Ein Schritt in die richtige Richtung“, kommentiert dies Michael Thomas Fröhlich, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Mittelholstein. In der Region bestehe Bedarf sowohl an preiswertem, wie auch an hochqualitativem, vor allem aber an arbeitsnahem Wohnraum. Besonders in Rendsburg sieht er Nachholbedarf. „Es ist Zeit, dass bei den Projekten wieder Dampf auf den Kessel kommt. Sowohl was die Heitmann’schen Koppeln’ als auch die ehemalige Eiderkaserne betrifft. “ Fröhlich verwies hierbei auch auf den zu erwartenden Zuzug von „Best Agern“ nach Rendsburg. Für das Umland beurteilt Fröhlich die Lage etwas entspannter. Hier müsse es aber einen Landesentwicklungsplan geben, der „atmet“, also den Bauherren genug Freiheiten ließe.

So herrscht Einigkeit über die Dringlichkeit, vor allem aber über die Notwendigkeit weiterer Anstöße, damit die Wohnraum-Offensive erfolgreich wird. André Grundmann: „Denn der Neubau von bezahlbaren Wohnungen ist die einzige effektive Antwort auf steigende Mieten und hohe Immobilienpreise, von denen auch Schleswig-Holstein betroffen ist.“

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