Stippvisite auf der Kuhweide

Anton Hofreiter (Mitte) im Interview auf der Weide.
Anton Hofreiter (Mitte) im Interview auf der Weide.

Fraktionsvorsitzender der Grünen sucht Lösung für Preissenkungsschlacht bei den Milchbauern

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15. Mai 2015, 12:12 Uhr

Eine Stippvisite auf der Kuhweide hielt gestern Nachmittag Dr. Anton Hofreiter ab. Auf Einladung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) verschaffte sich der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag auf dem Hof von Christoph-Robert Lutze in Hohenwestedt einen Eindruck über die Situation der Milchbauern. Seit die Quotenregelung für die Milchproduktion Ende März ausgelaufen ist, verschärft sich der Konkurrenzkampf für diese zunehmend.

„Der Milchpreis ist im Keller, die aktuelle Situation besorgniserregend“, berichtet Kirsten Wosnitza, Landes-Teamleiterin für Schleswig-Holstein beim BDM. Ziel der Einladung sei es gewesen, nicht immer am runden Tisch zu diskutieren, sondern sich in der Praxis vor Ort auszutauschen. „Wir wollen heute die Sorgen der Milchbauern ansprechen und gemeinsam überlegen, welche Lösungsmöglichkeiten es gibt“, erläuterte Wosnitza.

Von einer Preissenkungsschlacht unter den Landwirten sprach auch Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen. Grund dafür: „Die Betriebe geben nun Gas. Um ihre Kosten zu decken, melken sie jetzt noch mehr.“ Derzeit bestimme der Handel den Milchpreis, der über die Molkereien an die Bauern weitergegeben wird. „Aber wie weit geht das Ganze noch? Wie belastbar sind die Bauern?“, stellte er das System in Frage. Ostendorffs Meinung nach müsste der Milchpreis vorab verhandelt werden und die Milch gegebenenfalls dem Markt entzogen werden. „Auf einen Milchstreik müssen die Molkereien reagieren.“

Bauer Lutze berichtete den beiden Politikern von der Belastung: „Dies ist nach 2009 und 2011 die dritte Krise, die wir Milchviehhalter mitmachen“, so der Hohenwestedter. „Viele Betriebe bluten jetzt aus, weil sie wegen der schwierigen Vorjahre einfach keine Reserven mehr haben.“ Susanne Lutze ergänzte, dass sie derzeit sämtliche Investitionen zurückhielten. „Wir brauchen einen neuen Pflug und einen neuen Viehwagen. Momentan sind diese Anschaffungen aber nicht drin.“

Hofreiters Ziel ist es, den Milchbauern einen fairen Preis für ihr Produkt zu zahlen. „Wir brauchen ein Instrument, um einen Mindestpreis zu garantieren, wenn die Bauern vernünftig arbeiten.“ Ein Kriseninterventionsmechanismus könnte eingreifen, sobald der Milchpreis eine untere Grenze durchschlägt. Da es um Tiere ginge und man durch viele Produzenten und wenige Abnehmer mit asymmetrischen Machtverhältnissen zu tun hat, dürfe die Politik seiner Meinung nach intervenieren.

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