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Mitreissende Klänge : Sternstunde im Musikleben

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das David Orlowsky Trio holte im Jüdischen Museum Klezmer-Schätze aus der Versenkung. Zuvor hörten die Musiker sich 600 Schellack-Platten an. Beim „Donna, Donna“ summte das Publikum mit.

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2013 | 16:08 Uhr

„Ich bin dankbar, dass Jens Uwe Popp, der beste Gitarrist der Welt, zu meinem Trio gehört. Es ist ein unwahrscheinliches Glück, dass mit Florian Dohrmann auch noch der beste Kontrabassist der Welt mit mir spielt“ stellte David Orlowsky seine beiden Kollegen vor. Über sich sagte er nichts, doch jeder hatte es schon längst gespürt: Gitarrist und Kontrabassist spielten hier mit dem ebenfalls weltbesten Klezmer-Klarinettisten zusammen. Die seltene Einheit von Künstlern und Publikum hatte sich beim Konzert im Jüdischen Museum schon in den ersten Minuten eingestellt.

Mit großem Kontrabass, schlanker Klarinette und sanft verstärkter akustischer Gitarre nahm das David Orlowsky Trio gefangen: Anfangs zeichnete ein wehmütiges Klarinettensolo, dazu Gitarre und gezupfter Kontrabass mit typischem Tanz-Rhythmus, ein sehnsuchtsvolles Stimmungsbild. Hier erklang Musik, die glücklich macht, weil ohne Worte, nur über Instrumente, das Publikum direkt angesprochen wurde. Das gilt ganz besonders für David Orlowskys Klarinette. Damit erzeugte er Stimmungen, die man nur selbst erleben und nicht beschreiben kann, vergleichbar einem guten Essen. Das Wesentliche dieses Trios lässt sich nur erhören - genauso wie es die drei während einer Forschungsreise ins polnische Krakau getan hatten. Dort hörten sie aus über 600 Schellack-Platten heraus, was berühmte und heute vergessene Klezmer-Spieler wie David Tomatschik und Naftule Brandwein vor ihnen schon eingespielt hatten. Diese Schätze holten sie aus der unverdienten Versenkung.

David Orlowsky wies auf Besonderheiten aus dem Leben und der Kunst der Vorbilder hin. Die Weltsprache Musik konnte das auch allein bestens. Die drei waren im aufmerksamem Blickkontakt, sprachen über ihre Instrumente direkt Herz und Seele an. David Orlowsky mit unvergleichlich sanftem, aber auch schreiendem, lachenden oder wehmütigem Ton deutlicher, als es die Möglichkeiten des Kontrabasses von Dohrmann oder die sanft, teils gekonnt gezupften oder auch aggressiv gerupften Gitarrensaiten von Popp zuließen.

Wenn diese drei spielen, passiert ganz viel mit dem Zuhörer: Hier entstanden Momente der Berührung, die man gerne festhalte möchte. Oft stockte der Atem, wie bei dem traurigen Stück von dem jungen Zigarettenverkäufer, der erfolglos im Regen sein Glück sucht. Aus dem Nichts zauberten die drei Stimmungen, die es in dieser Tiefe in sich hatten. Ein Stück wie ein Gebet ohne Worte; Anregung zum Dialog mit der inneren Stimme. Der Beifall danach wirkte schockierend laut. Eine Sternstunde im Rendsburger Musikleben, in der Fröhlichkeit und Nachdenklichkeit, Besinnlichkeit und Schwelgen in Erinnerungen abwechselten.

Drei Zugaben, zuletzt das berühmte „Donna, Donna“, das hier und da leise mitgesummt wurde: Beginn einer unvergesslichen Erinnerung.




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