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Gesprächskreis : Sternenkind-Eltern teilen ihre Trauer

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In Kropp gibt es einen neuen Gesprächskreis für Mütter, die ihr Baby in der Schwangerschaft verloren haben – auch Väter und Angehörige sind willkommen.

„Stell dich nicht so an. Das ist vier Jahre her, jetzt ist es mal gut.“ Sätze wie diese bekommt Katharina Wolf immer wieder zu hören, wenn sie das Bedürfnis hat, über ihr Sternenkind zu reden. Ihr Baby, das sie in der Schwangerschaft verloren hat. „Es ist verletzend, sowas zu hören“, sagt sie. Da das Verständnis für ihren Verlust in ihrem direkten Umfeld gering ist, hat sie in Kropp einen Gesprächskreis für Eltern von Sternenkindern gegründet. Dort findet sie einen Ort, an dem sie keine solch schmerzhaften Sätze hören muss, sondern wo ihr großer Verlust von anderen Betroffenen geteilt und verstanden wird.

Bereits zwei Treffen der Selbsthilfegruppe haben im Gemeindehaus der evangelischen Kirche stattgefunden. „Beim ersten waren wir zwei Betroffene, beim zweiten schon sechs“, erzählt sie. Der nächste Termin ist am Mittwoch, 14. Dezember, von 19 bis 21 Uhr. „Wir treffen uns alle vier Wochen am Mittwoch in der Monatsmitte“, erklärt Wolf. Menschen jedes Alters, jeder Religion seien willkommen – und jedes Geschlechts, betont die junge Frau. Bisher seien zwar nur „Sternenkindmütter“ zum Gesprächskreis gekommen, doch dieser stehe auch Vätern offen. Dadurch bekomme man noch eine andere Sichtweise, meint sie. „Ich habe auch kein Problem, wenn sich Angehörige melden. Sie sind ja auch irgendwie betroffen“, so Katharina Wolf.

Die erste Anregung für den Gesprächskreis hatte sie bereits vor zwei Jahren, als sie die Einrichtung eines Gedenk- und Begräbnisplatzes für Sternenkinder auf dem Kropper Friedhof anregte. Dieser entsteht derzeit und ebenso lange hat es gedauert, bis die Selbsthilfegruppe gegründet wurde. „Man sollte sowas nicht über das Knie brechen, sondern sich durch den Kopf gehen lassen“, meint Jutta Selbmann. Die Kropper Pastorin war beim ersten Treffen dabei und wird auch in Zukunft bei Bedarf vorbei schauen. Wenn ein Ansprechpartner von außen benötigt wird, „bin ich im Haus“, erklärt sie.

Feste Gesprächsthemen gebe es nicht, sagt Katharina Wolf. Wer neu zur Gruppe dazu stößt, stelle sich und seine Situation vor, dann rede man über das, was man auf dem Herzen habe. Derzeit hätten viele Eltern von Sternenkinder gemischte Gefühle, sagt sie. Die Vorweihnachtszeit sei ja eigentliche eine schöne Zeit, sagt sie. Aber Frauen, die gerade erst ihr Kind verloren haben, würden sich fragen, wie sie sie heil überstehen sollen. Hinzu komme der dunkle Winter mit dem oft trüben Wetter. „Das gibt Gänsehautgefühl – aber nicht der guten Art“, ergänzt Jutta Selbmann. Dann würde man sich gegenseitig mit Rat und Erfahrungsberichten zur Seite stehen, so Wolf. In dem Gesprächskreis bekommen viele Betroffene das Verständnis, das sie von Familie und Freunden oft nicht erführen.

Ihr sei vorher nicht bewusst gewesen, wie viele Sternenkinder es eigentlich gebe, erzählt sie. Mit dem Verlust ihres eigenen Kindes habe sich das schlagartig geändert. Dass Babys tot geboren werden, „kommt doch öfter vor, als man denkt“. Sie habe den Verlust inzwischen akzeptiert, sagt sie, hat danach zwei gesunde Kinder zur Welt gebracht. Zudem hat sie noch zwei ältere Töchter. Dennoch fehlt das eine Kind, das sie verloren hat.

Wer Interesse an dem Gesprächskreis hat, kann ohne Anmeldung kommen. Auch müsse man nicht bei jedem Termin anwesend sein, betont Katharina Wolf, „sondern je nach Bedarf“. Weitere Informationen erteilt sie unter Tel. 0  46  24/39  89  22.




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