Sterbenskrank, aber voller Lebensfreude

Innige Bindung: Hospiz-Bewohnerin Monika Lüth (links) und Sybille Jeske, stellvertretende Leiterin von Haus Porsefeld, verstehen sich sehr gut. Sie sitzen auf dem Bett im Zimmer der Patientin.
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Innige Bindung: Hospiz-Bewohnerin Monika Lüth (links) und Sybille Jeske, stellvertretende Leiterin von Haus Porsefeld, verstehen sich sehr gut. Sie sitzen auf dem Bett im Zimmer der Patientin.

Monika Lüth lebt seit einer Woche im Rendsburger Hospiz / Die familiäre Atmosphäre gibt ihr Kraft

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09. Januar 2015, 00:18 Uhr

Monika Lüth (59) sitzt vor dem Fenster in ihrem Zimmer im Hospiz Haus Porsefeld. Auf dem Tisch steht ein Laptop, auf der Fensterbank stapeln sich Dosen mit bunten Perlen. Rausgehen kann die 59-Jährige wegen einer Krebserkrankung nicht. Mit dem Basteln von Ketten und Armbändern verbringt sie ihre Zeit, über das Internet hält sie Kontakt zu Freunden. Monika Lüth weiß nicht, wie lange sie noch leben wird. Am vergangenen Sonnabend hat sie ihr Zimmer im Hospiz der Pflege Lebensnah bezogen. Auf die Chemotherapie hat die Rendsburgerin verzichtet. Sie möchte die Strapazen der Behandlung vermeiden. Sie möchte die Zeit, die ihr noch bleibt, genießen.

Der Gedanke, dass es nicht das Ende im Haus Porsefeld sein muss, stärkt die Bewohnerin. „Es kann auch ein Haus der Wiederkehr sein. Mir war es wichtig, dass es auch ein Nach-Hause gibt“, sagt sie. Dass Schwerkranke das Hospiz wieder verlassen, komme durchaus vor, so Leiterin Heidrun Preußer. Im letzten Jahr waren es zwölf Patienten, bei denen sich der Gesundheitszustand verbesserte. 150 Bewohner sind in der Einrichtung am Mühlengraben verstorben.

Mit einem Strahlen im Gesicht berichtet Monika Lüth, wie wohl sie sich nach nur einer Woche in ihrer neuen Umgebung fühlt. „Ich bin hier so gut aufgehoben. Die Menschen sind alle so freundlich zu mir.“ Die insgesamt 18 Pflegekräfte im Haus Porsefeld tragen keine Arbeitskleidung. Es soll eine möglichst ungezwungene, angenehme Atmosphäre herrschen, erklärt die stellvertretende Hausleiterin Sybille Jeske.

Das schlimmste für Monika Lüth ist nicht die Krankheit selbst, sondern der Gedanke an die Familie. „Es ist alles so schwer für sie.“ Wenn sie an ihre beiden Töchter und ihre zwei Enkelsöhne denkt, kommen die Tränen. Sybille Jeske nimmt sie dann in den Arm, tröstet die 59-Jährige. Einen Moment später kann Monika Lüth wieder lachen, sie freut sich schon sehr auf den baldigen Besuch von ihrem achtjährigen Enkelsohn. Denn dann darf er auch im Haus Porsefeld bei seiner Großmutter im Zimmer übernachten. „Früher sind wir so oft zusammen auf der Couch eingeschlafen“, erinnert sie sich.

Dass Angehörige auch über Nacht bleiben dürfen, passt zur Philosophie des Hauses: „Wir versuchen unseren Bewohnern so viel Normalität wie möglich zu bieten“, sagt Sybille Jeske. Familienmitglieder können ebenfalls einziehen. „Wir hatten sogar schon ganze Familien hier.“

Außer Laptop, Bastelkoffer und Bettwäsche hat die Krebspatienten bisher kaum persönliche Gegenstände im Zimmer. Der Wunsch, vielleicht doch irgendwann wieder nach Hause gehen zu können, ist groß. Alle Vorkehrungen für den Tod hat sie trotzdem schon getroffen. Sie genießt jede Stunde, die ihr bleibt. Für diese Woche hat sie bereits einen besonderen Wunsch an die Küche: „Ich möchte so gerne noch einmal Pellkartoffeln mit Butter essen. Und obendrauf kommt noch ein Spiegelei.“

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