Rendsburg : Steinschlag-Gefahr am Hertie-Haus

Durchgang verboten: Die Abkürzung zwischen dem Parkhaus Nienstadtstraße und der Innenstadt ist versperrt. Rechts im Bild die ror verklinkerte Rückseite des Hertie-Hauses – Teile des Mauerwerks fielen jetzt zu Boden.
Durchgang verboten: Die Abkürzung zwischen dem Parkhaus Nienstadtstraße und der Innenstadt ist versperrt. Rechts im Bild die ror verklinkerte Rückseite des Hertie-Hauses – Teile des Mauerwerks fielen jetzt zu Boden.

Fassade platzt ab: Erstmals seit der Schließung des Rendsburger Kaufhauses 2009 muss die Stadt eine Straße aus Sicherheitsgründen sperren.

shz.de von
07. Mai 2015, 11:10 Uhr

Rendsburg | Der Verfall des Hertie-Gebäudes erreicht eine neue Dimension. Erstmals hat die Stadt eine Straße im Schatten des maroden Ex-Kaufhauses wegen dessen Baufälligkeit sperren müssen. Über der steilen Verbindung zwischen Stegengraben und An der Marienkirche waren in dieser Woche Teile der gemauerten Fassade abgeplatzt. Kleine rote Brocken fielen zu Boden. Verletzt wurde niemand. Im Rathaus ging man auf Nummer sicher und ließ die Straße vorsichtshalber abriegeln. Sie wird als Abkürzung häufig von Fußgängern und Radfahrern genutzt. „Als Sofortmaßnahme im Rahmen der Gefahrenabwehr haben wir die Sperrung der Straße veranlasst“, bestätigte Matthias Galow, der Leiter des Fachdienstes Ordnung und Verkehr im Rathaus.

Bürgermeister Pierre Gilgenast führt die Schäden an der Hauswand auf die ausgebliebene Gebäudepflege in den zurückliegenden fünf Jahren zurück. Nach seiner Darstellung sind die Regenrinnen im oberen Bereich des Ex-Kaufhauses verstopft. Dadurch lief das Regenwasser über die Hauswand ab und durchnässte das Mauerwerk. Nachtfröste führten in der Folge zu den Abplatzungen. „Wir nehmen Kontakt mit der für das Gebäude zuständigen Hausverwaltung auf. Sie bekommt die Auflage, den Schaden sofort zu beheben, weil öffentlicher Raum betroffen ist“, sagte der Bürgermeister. Ein ähnliches Problem an der Fassade habe es schon einmal gegeben, die Straßensperrung aus Sicherheitsgründen sei jedoch Premiere, ergänzte der Verwaltungschef.

Unterdessen haben die Verhandlungen um den Verkauf der seit August 2009 leer stehenden Immobilie einen weiteren Rückschlag erlitten. Im März war bereits ein Kaufmann aus der Region abgesprungen (wir berichteten). Er wollte das Gebäude abreißen und durch einen Wohn- und Geschäftskomplex ersetzen. Jetzt ist ein weiterer Bewerber nicht mehr im Spiel, wie der Verwalter des Hertie-Hauses, Sebastian Mogos-Lindemann von der Berliner Firma CR Management, auf Anfrage bestätigte. Man sei zu keinem Ergebnis gekommen. „Der Interessent kam nicht zum Zug“, sagte der Objektmanager. Nach seinen Worten gibt es aber „einen ganz neuen Player“, der sich für das Objekt am Altstädter Markt interessiere. Zu Details schwieg Mogos-Lindemann. Mit einem Verkauf sei in den kommenden Wochen nicht zu rechnen. Den Schaden an der Mauer werde man notdürftig beheben, damit keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit bestehe.

Bürgermeister Gilgenast sprach auf Nachfrage von drei Bewerbern, die sich derzeit für das Ex-Kaufhaus interessieren. Darunter befindet sich nach seinen Angaben weiterhin die Albrecht Vermögensverwaltung (AVW), die bereits die Schiffbrückengalerie mit realisiert hat und auch am Schleswiger Hertie-Gebäude interessiert ist. Gilgenast ist weiter guter Hoffnung, dass der Rendsburger Komplex in den kommenden Monaten veräußert wird. „Der Standort ist im Gespräch, das Interesse ist vorhanden. Im Rathaus liegen mehrere Anfragen von möglichen Untermietern vor.“ Diese Kontakte leite man sofort nach Berlin weiter, erklärte Gilgenast. „Es gibt Nachfrage für insgesamt 1700 Quadratmeter Nutzfläche an dem Standort.“ Das Hertie-Gebäude in seiner jetzigen Geschosszahl und Größe, das nach Einschätzung von Experten inzwischen nur noch für einen Abriss infrage kommt, bietet insgesamt 8265 Quadratmeter Verkaufs-, Lager- und Büroflächen.

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