Steht der Schacht-Audorfer Shuttlebus vor dem Aus?

Zu wenige Schacht-Audorfer nutzen den Zubringerbus, hier auf der Kieler Straße.
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Zu wenige Schacht-Audorfer nutzen den Zubringerbus, hier auf der Kieler Straße.

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08. Mai 2015, 15:50 Uhr

Eckard Reeses Geduld ist bald am Ende. Schacht-Audorfs Bürgermeister erwägt das Aus für den Shuttlebus, der das Dorf seit Anfang des Jahres mit dem Bahnhaltepunkt in Schülldorf verbindet (wir berichteten). Im Stundentakt fährt der Zug von Schülldorf nach Kiel. Der Zubringerbus aus Schacht-Audorf bleibt jedoch meistens leer. Ärgerlich dabei: Die Gemeinde beteiligt sich zu 50 Prozent an den zusätzlichen Kosten.

„Probiert es aus!“, so lautete stets der eindrückliche Appell von Eckard Reese an die Einwohner. Die Fahrt mit Bus und Bahn sei schnell und bequem. „Und man kann in Ruhe die Zeitung oder ein Buch lesen.“ Um mehr Fahrgäste für die Bahn zu gewinnen, müssten die Preise gesenkt werden. 16 Euro für die Fahrt von Rendsburg nach Kiel und wieder zurück seien entschieden zu viel. Mit attraktiven Preisen würden mehr Fahrgäste den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen und so die geringeren Einnahmen der Anbieter kompensieren, ist Reese überzeugt. Für seine Gemeinde ist der Shuttlebus, der kaum genutzt wird, bisher eine teure Angelegenheit. Schacht-Audorf stellt, wie auch der Kreis Rendsburg-Eckernförde, jährlich 35  000 Euro für die Bereitstellung des Busses zur Verfügung. Bei zurzeit durchschnittlich sechs Nutzern pro Werktag zahlt die Gemeinde etwa 48 Euro pro Fahrt. „Dafür könnte man jedem ein Taxi bezahlen, das wäre billiger“, stellte Reese fest.

Die Fahrt mit dem Shuttlebus von Schacht-Audorf nach Schülldorf kostet momentan zwei Euro. Den anfangs laut SH-Tarif kalkulierten Fahrpreis von 3,50 Euro hatte Reese abgelehnt und mit seinem Widerstand einen Sonderpreis erreicht, der allerdings nur bis Ende Juli gilt. Die Partner des SH-Tarifs haben inzwischen einen neuen Preis festgelegt, der allerdings noch nicht veröffentlicht wurde.

„Wenn der neue Fahrpreis über 2,50 Euro liegt, mache ich mich für einen Bürgerbus stark“, kündigte Reese an. „Für diese Strecke wäre ein Bürgerbus ideal, der auch für viele andere Belange genutzt werden könnte.“ Zudem könne der auch am Wochenende fahren.

Von der Bahn forderte Reese, mehr Werbung für die Regionalbahnstrecke zu machen. „Ein Großteil der Einwohner kennt die Vorteile der neuen Verbindung nicht. Früher mussten die Schacht-Audorfer erst zum Rendsburger Bahnhof fahren, um von dort aus mit dem Zug nach Kiel zu kommen.“ Jetzt gehe es über Schülldorf erheblich schneller.

Mit seiner Kritik und seinen Verbesserungsvorschlägen hat Eckard Reese auch den Anstoß für eine Veranstaltung des SPD-Kreisverbands im „Audorfer Hof“ gegeben. Der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner, der Kreistagsfraktionsvorsitzende Kai Dolgner, Stefan Barkleit (Fahrgastverband Pro Bahn), Sven Thomsen (Autokraft) und Bernhard Wewers (Nah.SH) diskutierten das Thema „Mobilität im ländlichen Raum“. Mobilität sei ein Teil der Daseinsvorsorge und müsse auch unabhängig von den Kosten betrachtet werden, forderte Dolgner in seinem Fazit vor 40 Besuchern.

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