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Rader Hochbrücke : Stahl-Mantel war für China vorgesehen

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Das Verkehrsministerium in Kiel weist Vorwürfe zurück, früher vom "Keksbeton" der Rader Hochbrücke gewusst zu haben. Die Stahlträger seien keine Spezialanfertigungen.

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2013 | 10:14 Uhr

Schacht-Audorf | Touristen und Einheimische regen sich nach wie vor über die gesperrte Rader Hochbrücke und die langen Wartezeiten vor dem Rendsburger Kanaltunnel auf. Und zunehmend stellt sich die Frage: Sind die Schäden wirklich erst vor gut einer Woche entdeckt worden? Oder wussten die Verantwortlichen vielleicht doch schon länger davon? Als Indiz für diesen unausgesprochenen Verdacht wird zunehmend auf die 900 Kilo schweren Stahlträger hingewiesen, mit denen die Brückenpfeiler stabilisiert werden sollen - und die schon zwei Tagen nach Bekanntgabe der Schäden am Kanal bereitlagen. So etwas lasse sich nicht auf Zuruf beschaffen, schließlich handle es sich um Spezialprodukte - und dann müsse es doch auch Ausschreibungen geben.
"Das stimmt so nicht", entgegnete Harald Haase, Sprecher im Kieler Verkehrsministerium. Er bestätigte zwar, dass bereits zwei Tage nach der Sperrung Stahlträger von der Brunsbütteler Adolf Cornils GmbH geliefert wurden - das aber sei nicht ungewöhnlich. "Diese T-Träger waren für den Export nach China vorgesehen und konnten an den Kanal umgeleitet werden, es handelt sich nicht um Spezialanfertigungen", sagte Haase. Leichte Modifizierungen habe man direkt unter der Brücke vornehmen können. Auch eine Ausschreibung sei in diesem Fall nicht notwendig gewesen, da es sich um eine reine Materialbeschaffung gehandelt habe. Zudem sei Gefahr im Verzug gewesen - eine Situation, in der die Ausschreibungspflicht ohnehin entfalle.

"Keksbeton" unter privater Aufsicht?

Dass der jetzt entdeckte bröckelige "Keksbeton" nicht eher aufgefallen sei, liege in der Natur der Sache, sagte der Sprecher des Verkehrsministeriums, der auch dem Gerücht entgegentrat, dass die Brückenkontrolle in private Hände übergegangen sei. "Es mag sein, dass die Schäden entdeckt worden wären, wenn zufällig an der richtigen Stelle gebohrt worden wäre. Aber solche Untersuchungen sind leider nicht flächendeckend möglich."
Engpass auf der Umleitungsstrecke für Lkw über 7,5 Tonnen ist nach wie vor der Rendsburger Kanaltunnel, der zurzeit saniert wird. Der Verkehr wird jeweils einspurig durch eine Röhre geleitet. Am Sonntag hat sich im Auftrag der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) ein Experte aus der Schweiz vor Ort eingehend mit der Frage befasst, ob kurzfristig auch die andere Tunnelröhre freigegeben werden kann, in der die Sanierung läuft. Grundsätzlich, so die ersten Erkenntnisse, sei das möglich. Inklusive Rückbau werde die Maßnahme rund acht Wochen dauern und sechs Millionen Euro kosten. Dafür könnte eine zusätzliche Spur mit einem Tempolimit zur Verfügung gestellt werden.
Noch aber sind einige Sicherheitsfragen zu klären. Dabei geht es unter anderem um Beleuchtung, Belüftung und Brandschutz, sagte ein Sprecher der WSV. Mit den Antworten ist nicht vor Ende der Woche zu rechnen. "Und dann ist es immer noch eine Frage der Abwägung", sagte Ministeriumsprecher Harald Haase.

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