B77 bei Remmels : Stärkster Kran des Landes geborgen

Das Havarie-Kommando hatte nur den engen Raum der Straße zur Verfügung, um den Kran aus dem Graben zu heben.
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Das Havarie-Kommando hatte nur den engen Raum der Straße zur Verfügung, um den Kran aus dem Graben zu heben.

Nach stundenlanger Vorbereitung hievten drei Kräne ihren 72 Tonnen schweren „großen Bruder“ aus dem Graben der B77 zwischen Barlohe und Remmels.

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11. Juli 2014, 06:00 Uhr

Am Ende dauerte es nur zehn Minuten, den stärksten Kran des gesamten Landes aus dem Graben zu hieven – doch die Vorbereitungen hatten Stunden in Anspruch genommen. Drei weitere Kräne rückten gestern Nachmittag an der Unfallstelle auf der Bundesstraße 77 nördlich von Remmels an, um das rund 72 Tonnen schwere Fahrzeug zu bergen. Dafür wurde die Straße voll gesperrt – das ist sie noch immer.

Am Mittwochnachmittag war der Unfall passiert: Der Fahrer (45) des 20 Meter langen Sechsachsers war in Richtung Hohenwestedt unterwegs, als er zwischen Barlohe und Remmels nach rechts von der Fahrbahn auf die Bankette geriet. Eine tiefe Spur zeigt noch, dass der Kranwagen rund 50 Meter fuhr, bevor er einsank und auf die Seite in den Graben kippte. Verletzt wurde niemand.

„Er sollte eigentlich am Donnerstag in Hohenwestedt bei der Meierei eingesetzt werden“, sagte der Firmen-Chef von Wille-Krane, Karsten Schneider, vor Ort. Ihm zufolge war das große Fahrzeug vermutlich auf die Bankette geraten, weil ein entgegenkommender Laster nicht ganz die Spur gehalten habe. Da habe sein Fahrer nur freundlich sein wollen und war etwas ausgewichen.

Bei dem verunglückten Kran handelt es sich Schneider zufolge um den stärksten Kran, der derzeit in Schleswig-Holstein zugelassen ist. Er kann Lasten von bis zu 350 Tonnen heben, sein Mast lässt sich auf bis zu 70 Meter Länge ausfahren und mit Gittermasten auf 130 Meter verlängern. Der Motor des Ungetüms leistet 650 PS.

Karsten Schneider selbst übernahm gestern die Leitung der Bergung. Nachdem die Strecke gesperrt worden war, trafen drei weitere seiner Kräne ein, jeweils mit 160, 130 und 100 Tonnen Tragkraft. Acht von seinen Mitarbeitern halfen, Tragegurte zum Teil mit starken Schäkeln an dem havarierten Fahrzeug zu befestigen. „Die Schwierigkeit ist, erst einmal die richtigen Haltepunkte zu finden“, sagte Schneider. Einen Tragegurt schlangen die Mitarbeiter um den vorderen Teil des Auslegers, den zweiten am Heck an Ösen, die im normalen Zustand eigentlich Gegengewichte halten sollen. Der dritte Kran sicherte mit einem Gurt in der Mitte lediglich ab. „Der ist zum Festhalten, wenn der Kran beim Anheben an den Kipp-Punkt gerät“, erklärte Schneider.

Gegen 19 Uhr war es soweit: Mit viel Gefühl zogen die Kranfahrer das Fahrzeug an und hoben es Stück für Stück aus dem Graben. Gleichzeitig richtete sich der 350-Tonnen-Kran allmählich auf. Die Experten schafften es im ersten Anlauf – bis die zwölf Räder wieder sicher auf der Straße standen, vergingen lediglich rund zehn Minuten.

Das Ausmaß des Schadens konnte Karsten Schneider gestern noch nicht überblicken. „Allein am Kran sind es vermutlich 200 000 Euro“, schätzte er. Hinzu komme die Bergung, der Einsatz der Feuerwehr nach dem Unfall, der Bodenaushub und einige Faktoren mehr. Den Verlust durch den Ausfall seines größten Arbeitsgerätes im Fuhrpark mit Stützpunkten in Kiel, Rendsburg, Flensburg und Husum bezifferte er auf mindestens 80 000 Euro.

Die Vollsperrung der B77 bleibt laut Polizei voraussichtlich bis heute Mittag bestehen. Weil der Kran zu groß ist, um abgeschleppt zu werden, muss er wieder selbst fahren. „Wir bekommen den Motor nicht in Gang“, sagte Karsten Schneider gestern am späten Abend zur Landeszeitung. Deshalb werde er vor Ort repariert. Die Umleitungsstrecken bleiben eingerichtet: Aus Richtung Norden über Nienborstel und Todenbüttel nach Osterstedt und weiter bis zur B430. Aus Richtung Süden in Remmels über Nindorf nach Luhnstedt und Stafstedt und zurück auf die B77.

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