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Wirtschaft : Stadtwerke-Allianz: Entscheidung erst 2018

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Klausurtagung der Aufsichtsräte aus Rendsburg und Schleswig: Wichtige Fragen sind weiterhin offen.

Die Stadtwerke in Rendsburg und Schleswig arbeiten seit über einem Jahr an einer Allianz. Sie wollen ihre Belegschaften in eine gemeinsame Tochtergesellschaft auslagern, doppelt vorhandene Strukturen abbauen und somit Geld sparen sowie in neue Märkte gemeinsam expandieren. Die Gespräche kommen allerdings nicht so schnell voran wie erhofft. Optimisten waren anfangs von Entscheidungen in diesem Jahr ausgegangen. Jetzt ist von 2018 die Rede, und auch erst nach der Kommunalwahl im Mai. Sofern man sich überhaupt einigen kann.

Offiziell versprühen die führenden Köpfe der Aufsichtsräte Optimismus. Die Gespräche hätten in einer sehr aufgeschlossenen Atmosphäre stattgefunden, sagt Bürgermeister Pierre Gilgenast in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Rendsburger Stadtwerke. Am 1. und 2. Juni waren die Aufsichtsgremien und der Rendsburger Senat in Damp zu einer Klausurtagung zusammengekommen. Gilgenast erklärt dazu, dass es „viele Gespräche gegeben hat, aber auch Annäherungen. Wir fühlen uns auf dem eingeschlagenen Weg bestätigt.“ Der Schleswiger Aufsichtsratsvorsitzende und SPD-Ratsherr Sönke Büschenfeld formuliert es ähnlich: „Wir sind grundsätzlich der Auffassung, dass eine Kooperation sinnvoll ist.“ Wenn man sich als regionaler Versorger auf dem Markt behaupten wolle, brauche man dafür künftig Partner, beispielsweise um Kosten zu senken. Denn in heute wichtigen Geschäftsfeldern wie der Stromversorgung würden mittelfristig die Gewinne sinken. Alternativen werden gebraucht. Büschenfeld nennt zwei Möglichkeiten: Glasfaserausbau und Energiespeicherung.

Damit die Gespräche am Ende zielführend sind, müssen für Büschenfeld bis zum Spätherbst zwei wesentliche Fragen beantwortet werden: Sind sich die möglichen Partner Rendsburg und Schleswig darüber einig, dass eine Kooperation die Werke zukunftsfähig machen wird? Und: Wird durch eine Kooperation für beide Unternehmen ein Benefit erzeugt? Büschenfeld: „Es wäre schon ein Gewinn, die Unternehmen zu sichern und die Arbeitsplätze zu erhalten“.

In Rendsburg steuert man weitere Fragen bei. Wie ist um den steuerlichen Querverbund bestellt? Bisher werden die Verluste des Schwimmzentrums mit den Stadtwerke-Gewinnen verrechnet. Das müsse auch künftig gewährleistet sein, sagt ein Ratspolitiker, „wenn wir nicht plötzlich drei Millionen Euro extra über den Stadtetat ausgleichen wollen“. Zudem ist die Frage offen, wer in der Allianz das Sagen hat. Derzeit ist von einer Doppelspitze die Rede: einem kaufmännischen und einem technischen Geschäftsführer. Damit würde es auf die jetzigen Chefs Wolfgang Schoofs (Schleswig) und Helge Spehr (Rendsburg) hinauslaufen. Allerdings haben insbesondere die Schleswiger mit Doppelspitzen keine guten Erfahrungen gemacht.

Das 17-seitige Positionspapier, das eine Unternehmensberatung für die Verhandlungspartner erstellt hat, stellt einen fairen Ausgleich zwischen den Versorgern heraus. So sollen die Netze und Anlagen in jedem Fall im Eigentum der jeweiligen Stadtwerke bleiben, nur das Personal und die Betriebsmittel werden Teil der Allianz. Die Gewinne teilen die Stadtwerke unter sich auf. Wie der jeweilige Eigentümer beziehungsweise Gesellschafter sie verwendet, bleibt ihm ganz allein überlassen. Sprich: Die Gremien der Stadt Rendsburg befinden selbst darüber, was sie mit den Gewinnen machen. Eine wichtige Grundlage aller Entscheidungen: Die Besitzstände der heute 270 Mitarbeiter (135 Beschäftigte in jedem Unternehmen) sollen gewahrt werden.

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erstellt am 08.Jun.2017 | 11:29 Uhr

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