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Nach dem Nein aus Schleswig : Stadttheater in der Existenz bedroht

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Schleswiger Verzicht auf Bau neuer Spielstätte gefährdet Landestheater GmbH / Bürgermeister Gilgenast: Am Donnerstag Krisengespräch

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2013 | 13:19 Uhr

Nach dem Verzicht der Stadt Schleswig auf den Bau einer neuen Theater-Spielstätte droht der Landestheater GmbH innerhalb der kommenden vier Jahre die Zahlungsunfähigkeit. Sollte dieser Fall eintreten, wäre dies gleichbedeutend mit dem Ende des Rendsburger Stadttheaters in der heutigen Form. Es würde keine regulären Theatervorstellungen mehr geben, keine Konzerte, keine Aufführungen des Puppentheaters. „Das wäre ein schwerer Schlag für die Kultur in der Region“, sagte dazu gestern Bürgermeister Pierre Gilgenast. Er nimmt am Donnerstag an einem Krisengespräch in Schleswig teil, bei dem voraussichtlich auch Kulturministerin Anke Spoorendonk anwesend sein wird. Gilgenast hofft darauf, dass doch noch eine Lösung für die Theater-GmbH gefunden werden könne.

Das Schleswiger Stadttheater zählt ebenso wie die Häuser in Rendsburg und Flensburg zu den Hauptspielstätten des Landestheaters. Seit Juni 2011 darf das Schleswiger Gebäude jedoch wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden. Seitdem wird an der Schlei über einen Neubau nachgedacht. Die Kosten: 14,1 Millionen Euro. Bis vor einer Woche hatte alles darauf hingedeutet, dass die Schleswiger Ratsversammlung in ihrer gestrigen Etat-Sitzung grünes Licht geben würde. Doch vor wenigen Tagen wurden neue Finanzierungsschwierigkeiten bekannt. Der Rat versagte daraufhin seine Zustimmung.

Diese Entscheidung könnte einen Domino-Effekt auslösen. Denn Schleswig ist laut Gesellschaftervertrag der Theater GmbH verpflichtet, eine Spielstätte zur Verfügung zu stellen und damit Einnahmen aus dem Verkauf von Tickets zu generieren. Wird diese Bedingung nicht erfüllt, könnte das für die Stadt teuer werden: Die anderen Gesellschafter könnten Regressansprüche geltend machen. Um das zu vermeiden, bliebe für Schleswig nur die Möglichkeit, aus der Gesellschaft auszusteigen. Das wiederum würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Exodus aller Gesellschafter führen. 340 Mitarbeiter stünden dann auf der Straße.

Bürgermeister Gilgenast mag sich das gar nicht vorstellen. Er sieht die Entscheidung der Schleswiger Ratsversammlung sehr kritisch – und überrascht hat sie ihn ebenfalls. „In der letzten Aufsichtsratssitzung der Theater GmbH waren wir sehr optimistisch, dass Schleswig einen Neubau beschließen wird“, so Gilgenast gegenüber der Landeszeitung. Diese Erwartungshaltung sei von den Vertretern der Stadt Schleswig verstärkt worden. Dass es nun anders gekommen ist, bedauert der Bürgermeister auch vor dem Hintergrund der erfolgreichen künstlerischen Arbeit des Ensembles: „Die neuen Spielpläne sind sehr gelungen.“ Allerdings: Aus eigener Kraft finanzieren kann sich das Theater trotzdem nicht. Sämtliche Gesellschafter müssen den Betrieb regelmäßig unterstützen. Allein die Stadt Rendsburg zahlt pro Jahr knapp eine halbe Million Euro.

Generalintendant Peter Grisebach will weiterkämpfen. Er sprach gestern noch immer von der drohenden Insolvenz innerhalb der nächsten vier Jahre. Allerdings wirkte er nicht mehr ganz so resigniert wie unmittelbar nach der Abstimmung im Schleswiger Rathaus am Montagabend. „Ich fühle mich wie ein Boxer, der weiche Knie hat, aber ich stehe wieder auf den Beinen.“ Man suche jetzt nach einer neuen Lösung.

Allen Unkenrufen zum Trotz setzt das Theater seinen Spielbetrieb unbeeindruckt fort. Der Titel des Stückes, das am Sonnabend um 19.30 Uhr in Rendsburg Premiere hat, wirkt wie eine Reaktion auf die aktuellen Gegebenheiten. Gezeigt wird „Der Untergang der Titanic“.

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