Für mehr Sauberkeit : Stadt und Bürger sagen dem Müll den Kampf an

Esther Niederdellmann wohnt am Kreishafen und sammelt oft Müll. Nicht selten füllt sich dabei ein ganzer Korb.
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Esther Niederdellmann wohnt am Kreishafen und sammelt oft Müll. Nicht selten füllt sich dabei ein ganzer Korb.

Kreishafen-Anwohnerin sammelt täglich. Freude in Parksiedlung über Arbeit des Umwelt- und Technikhofs.

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29. Juni 2018, 10:03 Uhr

Rendsburg | Wie sauber ist Rendsburg? Die Ansichten gehen auseinander. Esther Niederdellmann wohnt am Kreishafen. An langen Sommerabenden genießen viele Menschen den Blick von der Kaimauer auf den Nord-Ostsee-Kanal – und lassen ihren Müll zurück. „Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich schon, dass alles voll ist.“ Seit sechs Wochen zieht die 55-Jährige regelmäßig mit Kehrblech und Schaufel los. Oft hat sie schon nach einer Viertelstunde einen Korb mit Flaschen, Zigaretten, Wurstpappen und Burger-Boxen gefüllt. „Als die Schlei voll mit Plastik war, hat mich das aufgeweckt und ich habe gedacht: Was kann ich tun?“ Esther Niederdellmann hofft auf Nachahmer.

Jens Perna, Chef des Eisstübchens am Kreishafen, weiß, dass manchmal ein Eisbecher am Kanalufer liegen bleibt. „Aber ich sehe das nicht als Problem. Wir gehen regelmäßig mit Greifzangen rum und sammeln das Zeug weg.“ Vor dem Café stehen sieben Mülleimer, auf den Tischen Aschenbecher. „Wir haben das super im Griff.“

Das Gelände gehört zum Kreishafen. Leiter Dieter Daxenberger berichtet: „Da fliegen McDonalds-Tüten aus den Autofenstern. Aber sie bleiben nicht wochenlang liegen. Wenn wir etwas sehen, sammeln wir es auf.“ Wie Perna dreht auch er regelmäßig seine Runden. Mindestens einmal wöchentlich fahre eine Kehrmaschine des Umwelt- und Technikhofes durch das Betriebsgelände. Daxenberger hat zudem die Rückseite des Lidl-Markts im Blick. Das Gelände gehört zum Kreishafen. Immer wieder entsorgen Unbekannte dort neben Glascontainern illegal Sperrmüll. Daxenberger erstellt dann Anzeigen gegen Unbekannt und ruft die Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) an, die den Unrat auf eigene Kosten abholt.

In der Parksiedlung könnte Esther Niederdellmann viele Gleichgesinnte finden. Einige Anwohner packen bei der Pflege der Grünflächen an der Obereider kräftig mit an. „Nach Stürmen heben sie runtergefallene Äste auf und sammeln am Wochenende auch Müll von anderen Bürgern auf“, berichtet Stephanie Schönbach. Die Diplom-Biologin ist in der Verwaltung für das Stadtgrün zuständig. Auch die Mitarbeiter des Umwelt- und Technikhofs (UTH) haben seit Herbst viel Arbeit in den Park investiert. Im Herbst befreiten sie die Wege mit einer Spezialmaschine von Unkraut. Sie säten eine Blumenwiese an, die zurzeit in voller Blüte steht. Es wurden zwei Nisthilfen für Wildbienen und im Mai neben fest installierte Mülleimer aus Metall große grüne Tonnen für Unrat von Sommerpartys aufgestellt. Adolf-Walter Paschke (81) und Klaus Duhm (69) von der „Bürgerinitiative pro Parksiedlung“ sind begeistert. „Die Ränder sind alle beschnitten. Die Anlagen erstrahlen in neuem Glanz.“

Die Ratsversammlung beschloss jüngst die Einstellung von zwei zusätzlichen Gärtnern im UTH mit Kosten von jährlich mehr als 100 000 Euro. Die Ausschreibung ist noch nicht veröffentlicht. UTH-Leiter Niels Faust hofft, dass die Mitarbeiter im Januar anfangen. „Wir wollen in der nächsten Saison einen Schwerpunkt auf den Stadtpark, den Stadtsee und die Bahnhofstreppen legen.“

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