Landgericht Kiel : Stach der Vater aus Panik oder Wut zu?

Vor diesem Torbogen an der Nienstadtstraße wurde der Rendsburger Jan O. lebensgefährlich verletzt.
Vor diesem Torbogen an der Nienstadtstraße wurde der Rendsburger Jan O. lebensgefährlich verletzt.

Prozess um blutigen Streit in Nienstadtstraße neu aufgerollt

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10. Januar 2018, 16:24 Uhr

Die Klinge war etwa 26 Zentimeter lang. Ali K. (55) soll damit in der Nacht vor Heiligabend 2015 in Rendsburg zweimal auf Jan O. (40) eingestochen haben. Der wurde lebensgefährlich verletzt und leidet bis heute an den Folgen. Ali K. gestand die Tat. Das Amtsgericht verurteilte den Rendsburger zu drei Jahren und sechs Monaten Haft. Doch damit ist sein Anwalt nicht zufrieden. Gestern begann am Landgericht Kiel der Berufungsprozess.

Am 23. Dezember 2015 tranken Jan O. und sein Kumpel Daniel E. auf dem Weihnachtsmarkt „zwei bis drei Glühwein“. Dann schauten die Rendsburger in der Disco „Parkhaus Lounge“ an der Nienstadtstraße vorbei, die inzwischen geschlossen ist. Jan O. besuchte den Türsteher Michael D. und trank ein Bier. Gegen 23.15 Uhr verabschiedeten sich Jan O. und Daniel E., überquerten die Nienstadtstraße und gingen Richtung Stegen. Nach einigen Metern erreichten sie eine Toreinfahrt, die zu einem Hinterhof führt, als es hinter ihnen hupte. Ali K. saß am Steuer eines Opel-Kombi und wollte durch das Tor fahren. Seiner Erinnerung nach standen Jan O. und Daniel E. im Weg. Der Türsteher ist sich sicher, dass sie den linken Torpfosten erreicht hatten. Nach kurzem Wortwechsel stieg Ali K.s damals 18-jähriger Sohn aus dem Wagen aus. Es kam zu einem Gerangel, an das sich jeder anders erinnert. Version des Vaters: Jan O. ohrfeigte den Sohn, sodass dessen Brille wegflog. Ali K. sprang seinem Sohn zur Hilfe und wurde von Jan O. zu Boden gedrückt. In Panik zog der Vater aus der Beifahrertür das Messer und stach zu. Version von Jan O.: Er wurde von dem Sohn „angegangen“ und wehrte ihn ab. Als der Vater neben ihm stand, spürte er Schmerzen und Atemnot. Version von Daniel E.: Sohn und Vater „sind auf O. rauf. Der eine hing wie eine Klette auf O.“ Zu Boden ging niemand. Version von Michael D.: Das Auto stand fünf bis zehn Meter von den Streithähnen entfernt. Ali K. stieg mit dem Messer in der Hand aus und stach zu. Michael D. schlug Ali K. mit einem Teleskopstab auf Hand und Kopf, damit er das Messer fallen lässt.

Der Prozess wird am 18. Januar fortgesetzt.

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