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Waldspaziergang : Staatssekretär Ulf Kämpfer infomiert sich über Probleme der Waldbauern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Über die Schwierigkeiten der privaten Forstbesitzer informierte sich Staatssekretär Ulf Kämpfer bei einem Besuch der Betriebsgemeinschaft Forst in Stafstedt. Unter anderem ging es auch um Zuschüsse des Landes für die Waldbesitzer.

„Die zeitlichen Dimensionen im Wald sind ganz andere als in der Politik“, betonte Claus Ratjen von der Betriebsgemeinschaft (BG) Forst bei einer Waldexkursion mit Staatssekretär Ulf Kämpfer: „Wir müssen anders denken, und uns bringt es gar nichts, wenn diejenigen, die gerade an der Regierung sind, meinen, unbedingt etwas ändern zu müssen.“

Auf Einladung der BG Forst bekam Staatssekretär Ulf Kämpfer vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein drei unterschiedlich strukturierte Waldbestände am Ochsenweg in Stafstedt vorgeführt. Die BG Forst ist ein Zusammenschluss der Forstbetriebsgemeinschaften Hohenwestedt, Nortorf und Dänischer Wohld sowie der Waldgemeinschaft Bokelholm. „Die Fichte ist der Brotbaum der Geest“, formulierte BG-Chef Ratjen schon gleich zu Beginn eine wesentliche Botschaft der Waldbauern an den Staatssekretär: „Die Fichte ist das Bauholz schlechthin und wird es immer bleiben.“ „Werden auch heute noch solche Monokulturen angepflanzt?“, wollte Kämpfer wissen, als er zusammen mit den BG-Vorstandsmitgliedern an einem knapp 50 Jahre alten Fichtenwäldchen von Hubert Rehse Station machte. Der Anteil reiner Fichtenbestände im BG-Gebiet liege bei unter zehn Prozent, entgegnete Revierförster Rolf-Martin Niemöller: „Das gibt es noch, aber dafür bekommen die Waldbauern natürlich keine Unterstützung in Form von Fördergeldern.“

Vom Ministerium gefördert wurden hingegen die beiden nächsten Waldstücke, die dem Staatssekretär gezeigt wurden: beides Mischwälder, die 2007 mit einem Laubwaldanteil von 42 Prozent angepflanzt wurden. Auf der 1,3 Hektar-Fläche von Klaus Kruse habe man vor sechs Jahren 1200 Buchen, 800 Roteichen, 1000 Douglasien und 1800 Fichten gepflanzt, zählte Niemöller auf. Während der Kruse-Wald eingezäunt wurde, entstand der 2,5 Hektar große Neuwald von Henning Kühl 2007 ohne Zaun. „Darum musste man hier auf Douglasien und Roteichen verzichten, weil die ohne Zaun sofort verbissen werden“, erläuterte Niemöller. Ob die Waldbauern denn mit dem in den Förderrichtlinien festgeschriebenen Laubwaldanteil von 40 Prozent leben könnten, fragte Referatsleiter Johann Böhling von der Obersten Forst- und Jagdbehörde.

„Zehn bis 20 Prozent reichen vollkommen, denn wir müssen ja schließlich mit unseren Wäldern auch Geld verdienen“, erwiderte Ratjen und wies darauf hin, dass ein gewisser Buchenanteil in den Nadelholzbeständen ohnehin vonnöten sei, um den Wäldern eine bessere Standfestigkeit zu verleihen.

„Wenn wir etwas fördern sollen, muss da aber schon mehr dahinter stehen als nur Ihr ökonomisches Interesse“, vermerkte Kämpfer und beschrieb ein grundsätzliches Dilemma der staatlichen Förderung: „Wenn die vorgegebenen Ziele zu ambitioniert sind, erreicht man gar nichts, weil keiner mitmacht, und wenn die Ziele zu unambitioniert sind, machen Sie das, was Sie sowieso machen wollen und lassen sich das vom Staat fördern.“

Bei den 2007 neu angepflanzten Waldflächen seien Fördermittel für die nun anstehende Läuterung auf jeden Fall wünschenswert, erklärte Niemöller: „Hier ist die Förderung ein gutes Steuerungsmittel, um die Waldbesitzer dazu zu motivieren, die nötige Arbeit von Fachleuten machen zu lassen.“ Bei einer solchen Läuterung müsse man auch die spätblühende Traubenkirsche in ihre Schranken weisen, die von den Waldbauern gar nicht gern gesehen wird. „Die wollen wir hier nicht haben“, sagte Ratjen. „Die Traubenkirsche wandert hier immer mehr ein“, stellte Niemöller fest, „das Manko dabei ist, dass die Vögel sie lieben und ihre Kerne verteilen.“

Wenn man Fördermittel an einen Waldumbau knüpfen wolle, der auf eine Abmilderung des Klimawandels hinziele, müsse man die Bodenverhältnisse in der Geest berücksichtigen, bemerkte Ratjen: „Wir müssen auf den Klimawandel reagieren, und wir reagieren ja auch darauf, aber die Palette der tauglichen Baumarten ist nicht groß, und der Boden wird uns zeigen, was hier wächst und was nicht.“

 

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erstellt am 19.Okt.2013 | 17:00 Uhr

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