Staatssekretär kritisiert Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Baustellen

Nägele
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24. Juni 2014, 07:00 Uhr

Die Kritik aus der hiesigen Wirtschaft an der Dauerbaustelle Kanaltunnel (wir berichteten) hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Frank Nägele hatte gestern klare Worte im Gepäck, als er auf Einladung von Fockbeks Bürgermeister Holger Diehr unter anderem die Spedition Braase besichtigte. Der Staatssekretär im Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie betonte: „Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung wäre gut beraten, so viel Öffentlichkeitsarbeit zu machen wie es geht.“ Das allerdings gelte für alle Akteure, die im öffentlichen Bereich für Baustellen verantwortlich seien, sagte Nägele, der auch das Land selbst von dieser Kritik nicht ausnahm.

Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK) hatten unter anderem bemängelt, dass kaum einmal Arbeiter auf der Tunnelbaustelle zu sehen seien und auch daher der Eindruck entstehe, dass es kaum voran gehe. In der kommenden Woche, so Nägele, stehe ein Gespräch mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) zum Thema „Infrastruktur“ an. Den Unmut bezüglich der Baustelle könne er zwar nachvollziehen, „dennoch halte ich es für verkehrt, eine Art WSV-Bashing zu betreiben“ und die Arbeiten dort unsachlich zu kritisieren. „Ich gehe davon aus, dass die WSV dort so zügig arbeitet wie vorgesehen.“

Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Kiel-Holtenau ist hauptverantwortlich für die Modernisierung des Kanaltunnels. Das wird auch so bleiben. „Wir übernehmen den Tunnel als Land erst wenn er fertig ist, vorher nicht“, erklärte Nägele, der auch Mängel bei der Koordination diverser Baustellen einräumte. Zuvor hatte Braase-Geschäftsführer Dirk Zernitz beim Rundgang über das Firmengelände durchblicken lassen, dass eben diese für gewaltige Behinderungen gesorgt hatten: „Alle diese Baustellen sind mit Sicherheit notwendig, aber es sind einfach zu viele zur selben Zeit.“ „Stehzeiten sind für Sie verlorene Zeit“, zeigte Nägele Verständnis und betonte: „Logistik-Unternehmen und Spediteure müssen in Zukunft wissen, was wann passiert, um Planungssicherheit zu haben.“

Richtig gute Nachrichten konnte Nägele anschließend in Büdelsdorf überbringen. Der Schnoor Industrieelektronik GmbH übergab er einen Förderbescheid über rund 737 000 Euro für die Entwicklung eines digitalen Funksystems. Dies soll die bereits vorhandene Infrastruktur nutzen können und damit den Umstieg vom analogen zum digitalen Funksystem auch wirtschaftlich attraktiv machen. Der nicht öffentliche Professionelle Mobilfunk kommt unter anderem im Nahverkehr und in der Logistik- und Transportbranche zum Einsatz. Die Firma rechnet damit, durch dieses Vorhaben 25 Arbeitsplätze zu sichern und bis zum Jahr 2019 insgesamt 26 neue Arbeitsplätze zu schaffen.

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