zur Navigation springen

Spritzig und einfallsreich mit 88 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Joe Sydow und die Mountain Village Jazzmen feierten Geburtstag / Konzert im Pelli-Hof mit kenntnisreichem Publikum

Im Pelli-Hof wurde am Sonnabend gleich zweifach Geburtstag gefeiert: Auf den Tag genau vor 50 Jahren wurden in Hamburg-Bergedorf die Mountain Village Jazzmen gegründet. Und am 22. Februar 1926 wurde das Gründungsmitglied Joe Sydow geboren – und war in Rendsburg natürlich mit dabei. Der 88-Jährige zupfte seinen Kontrabass zuverlässig, spritzig, lebendig und einfallsreich.

„Ursprünglich wollte ich Arzt oder Flieger werden, Musiker nie. Aber der Krieg hat alles verändert“, erklärt Sydow seinen Lebensweg im Gespräch mit der Landeszeitung. Als Profi-Musiker hat er eine bewegte und erlebnisreiche Vergangenheit hinter sich, reiste mit der Kurt-Edelhagen-Big-Band um die Welt, spielte auch bei Größen wie Alfred Hause im Orchester. Den Anspruch an die Qualität hat er nie verlassen. Joe Sydow wirkt – zumindest was sein Spiel angeht - erheblich jünger als 88.

Dabei werden wohltuende Abgeklärtheit und Auftrittserfahrung, wie bei allen anderen Mitglieder der Band auch, deutlich: Coole Professionalität, Sicherheit und Ideenreichtum im Zusammenspiel mit den anderen Mitgliedern prägen die Band. Nahezu regungslos saß Lennie Walsdorf hinter seinem kleinen elektronischem Klavier und zauberte die spritzigsten Läufe aus den Tasten. Im Hintergrund – nur optisch, ansonsten laut und deutlich zu vernehmen – agierte Klaus Albrecht an den Drums. Er führte auch durch den Abend, gab Döntjes und Geschichtliches zum Besten.

Drei Bläser bestimmten den Dauerton der Bergedorfer: Karsten Ettling mit Klarinette und Saxofon, Melf Holmer (Trompete) und Manfred Zaubitzer (Posaune). Jeder für sich ein Solist, bildeten die drei eine Einheit, die ihresgleichen sucht. Überhaupt schien es, als würden die Montain Village Jazzmen ein zehnarmiges Wunderwesen sein, das in selten zu hörender Einigkeit alle Instrumente auf dem Punkt beherrscht und gleichberechtigt spielt.

So war es ein vielseitiger und abwechslungsreicher Abend. Eine Reise durch die traditionelle Jazzwelt vom Dixieland, Chicago-Stil, Blues und Swing bis zum Mainstream. „Mensch, sind da viele Leute gekommen“, hatte sich Klaus Albrecht gefreut. Der Pelli-Hof war mit 100 Konzertbesuchern bestens besucht. In der Musik zu Hause fühlte sich auch das Publikum: Von Anfang an wippten Beine, Füße und Köpfe mit, Kennerhaft wurden die Solo-Übergänge beklatscht. Rendsburgs Traditionell-Jazz-Szene ist nur dem Alter nach ehrwürdig. Im Kopf jung geblieben sind sie alle. Genau wie die Mountain Village Jazzmen.

zur Startseite

von
erstellt am 24.Feb.2014 | 20:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen