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Rendsburg : Sportlicher Empfang für Ruder-Ikone

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ex-Weltmeister Peter-Michael Kolbe (64) beendet beim Rendsburger Ruderverein einen Marathon rund um das südliche Schleswig-Holstein.

shz.de von
erstellt am 16.Aug.2017 | 10:56 Uhr

Peter-Michael Kolbe, die frühere Renn-Ikone des Rudersports, nahm es mit der Langstrecke auf. Von Lübeck aus, wo er seit zehn Jahren lebt, startete er am Freitag auf seine Tour „rund um Schleswig-Holstein“. Gestern am späten Nachmittag beendete er nach 350 Kilometern seine strapaziöse Fahrt am Steg des Rendsburger Rudervereins (RRV) an der Obereider.

„Ein alkoholfreies Bier“ war sein erster Wunsch, als er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Und dann bedankte er sich bei den beiden Bootsbesatzungen des RRV, die ihn auf den letzten Kilometern begleitet hatten. Der Vierer mit Steuermann Hans Fedder (am Ruder Udo Wendt, Klaus Dietrich, Carina Mews, Gerd Schmidt) sowie ein Zweier mit Steuerfrau Christina von Freier (Gabi Demes und Uwe Schumacher schwitzten) erwarteten Kolbe auf Höhe des Schwerlasthafens. Wolfgang Berndt, ebenfalls RRV, machte vom Südufer aus Fotos. „Kolbe war vorhin ganz schön kaputt. Das schwüle Wetter hat ihm zu schaffen gemacht“, berichtete der Organisator des SH Netz Cups.

Kurz nach einem lautstarken Dreifach-Gruß passierten die drei Boote um 16.31 Uhr die Hochbrücke und wenig später die Fährstelle Nobiskrug, bevor sie in die Obereider einbogen und schließlich beim RRV festmachten.

„Das war richtig anstrengend, mit Peter-Michael Kolbe mitzuhalten“, stellte Udo Wendt (77) fest. „Immerhin waren das sechs Kilometer an einem Stück ohne Pause.“ Kolbe war die Anstrengung allerdings nicht anzusehen. Dabei war schon der Start auf dem Elbe-Lübeck-Kanal knifflig. „Sieben Schleusen musste ich überwinden, und es dauerte neun Stunden, bis ich endlich aus dem Boot steigen konnte“, erzählte er. Gegenüber seinem sonstigen Trainingspensum von zwei Stunden sei die Runde eine echte Herausforderung gewesen. An die Fahrt durch den Hamburger Hafen erinnert sich Kolbe mit gemischten Gefühlen. „Viele Schiffe, und die Wellen kamen von allen Seiten. Das war schon grenzwertig.“ Als Ruderboot hatte er sich ein „Coastal Rowing Boat“ ausgesucht, das für raue Küstengewässer geeignet ist.

Die letzte Etappe führte von Fischerhütte nach Rendsburg. Auf die Frage, ob er das noch einmal machen würde, kam ein klares „Nein“. Aber etwas Neues werde kommen, kündigte er an. Vielleicht noch einmal „rund Bornholm“. Die dänische Ostseeinsel hat er vor drei Jahren umrundet. Udo Wendt und seine Ruderkameraden freuten sich, Kolbe begleitet zu haben. Er und Steuermann Hans Fedder erinnerten sich noch gut an die Zeiten, als sie Kolbe bei seinen Erfolgen am Fernseher verfolgt haben. „Der RRV war der einzige Verein auf meiner Tour, der ein Begrüßungsteam geschickt hat“, betonte Kolbe.

Ruder-Weltmeister Peter-Michael Kolbe gehört zu den bekanntesten Sportpersönlichkeiten der 1970-er und 80-er Jahre. Im vergangenen Jahr wurde der 64-Jährige in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen – zusammen mit Größen wie Erich Kühnhackl (Eishockey), Erhard Wunderlich (Handball), Günter Netzer (Fußball) und Walter Röhrl (Rallye). Kolbe war einer der weltbesten Einer-Ruderer und gewann fünf Weltmeistertitel: 1975, 1978, 1981, 1983 und 1986. Berühmt wurde er jedoch durch seine Stars bei drei Olympischen Spielen, bei denen er jeweils Zweiter wurde. 1976 in Montréal und 1984 in Los Angeles verlor er jeweils das Finale gegen den Finnen Pertti Karppinen. 1988 zog er gegen den DDR-Ruderer Thomas Lange den Kürzeren.

Auch mit Doping wird der Name des gebürtigen Hamburgers später in Verbindung gebracht. Nach ihm wurde die Kolbe-Spritze benannt – eine Injektion leistungssteigender Vitaminpräparate, die damals nicht verboten waren. Nach Jahren in Norwegen kehrte Kolbe 2007 nach Norddeutschland zurück und fing nach 20-jähriger Pause wieder mit dem Rudern an.

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