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Spottplatz : Sport-Sprache, Show-Effekte, Star-Allüren

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

LZ-Sportredakteur Tobias Stegemann mit seinem besonderen Blick in die Sportwelt.

Die Sportsprache ist eine eigene. Sie ist nicht jedem auf Anhieb zugänglich. Da wird beim Fußball in der Abwehr schon mal Beton angerührt oder beim Handball vernagelt der Torhüter bisweilen sein Gehäuse. Wenn man einmal in dieses Paralleluniversum Sportsprache eingetaucht ist, strahlt sie eine gewisse Faszination aus. Und das, weil sie bildhaft ist, komplizierte Begriffe und Abläufe in simpler Form beschreibt und mit einem besonderen Witz erklärt. Natürlich, und das ist Grundvoraussetzung, darf man sie nicht immer wörtlich nehmen. So wie bei Bjarne Homfeldt, der den ersten Auswärtserfolg seiner Rendsburg Twisters in Cottbus als einen „hässlichen Sieg“ bezeichnete. Der geneigte Sportfan weiß, was der Basketballtrainer damit gemeint hat. In den USA treibt diese Art der Linguistik noch viel buntere Blüten, allerdings klingt es in der US-Sprache einfach noch eine Nummer cooler. Am vergangenen Sonntag konnten das nicht nur die Fans des American Football beim Super Bowl, dem größten Einzelsportereignis der Welt, erleben. Unzählige Male sprach Kultkommentator Frank „Buschi“ Buschmann vom „Beast Mode“ (Biest-Modus), in den Seattles Running Back Marshawn Lynch gerne Mal schaltet, weil er auf dem Weg in die punktebringende Endzone kaum zu aufzuhalten ist. In der entscheidenden Phase allerdings ließen die Trainer das Biest im Käfig, entschieden sich für einen Pass-Spielzug und verzockten sich. Es gewannen die New England Patriots mit dem deutschen Sebastian Vollmer. Der hat im Übrigen ebenfalls einen sensationell bildhaften Spitznamen. In Anlehnung an seinen Vornamen wird er „Sea Bass“ (Wolfsbarsch) genannt. Herrlich, diese Sportsprache.

Der Super Bowl 49 war einmal mehr nicht nur ein sportliches Highlight, sondern lieferte auch eine perfekte Show. Die Amerikaner lieben das. Die deutschen Sport-Anhänger tun sich (noch) schwer damit und sehen schnell den Teufel der Kommerzialisierung auf sie zukommen. Das mag für den Profi-Bereich stimmen, den Amateuren könnte so mancher Show-Effekt gut tun. Die Rendsburger Basketballer mit ihrer Licht- und Nebel-Eröffnung machen es vor, die Rendsburger Footballer ebenso. Nur die Amateurfußballer versinken regelmäßig in Selbstmitleid, wenn sie über den schwindenden Zuschauerzuspruch klagen. Und bitte nicht verwechseln: Es geht nicht darum, dass die Firma BC Gebäudereinigung beim Fußball-Verbandsligisten Rendsburger TSV zukünftig den härtesten Schuss des Spiels präsentiert. Beim Bundesliga-Club Hannover 96 wurde das im Übrigen so gemacht. Da flimmert während der 90 Minuten mehrfach der so genannte „Karacho-Tacho“ über die Video-Wand. Eine Nummer kleiner darf es dann schon sein, aber werden die Fußball-Clubs nicht kreativer in der Präsentation ihrer Sportart, wird sie möglicherweise irgendwann unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Wie man Aufmerksamkeit auf sich lenkt, zeigte unlängst Demetrius Ward – natürlich ein US-Amerikaner. Der Spielmacher der Wolfenbütteler Basketballer spulte sein Aufwärmprogramm vor der Partie gegen die Rendsburg Twisters mit übergroßen Kopfhörern auf den Ohren ab. Diese sind mittlerweile auch bei unseren Fußballstars beliebt – Marco Reus und Mario Götze lassen grüßen. Ihre Schussübungen allerdings absolvieren sie bisher noch ohne individuelle musikalische Untermalung. Man möge sich vorstellen, ein Fußballer des Osterrönfelder TSV läuft am Bahndamm mit diesen Dingern auf. Trainer Olaf Lehmann pflegt in diesem Bereich eher traditionalistische Sichtweisen und würde diesen Starallüren umgehend den Stecker ziehen. Die Kopfhörer würde der Spieler dann nicht einmal mehr zum Wärmen seiner Lauscher benötigen. Den Satz heiße Ohren gäbe es von Lehmann gratis dazu. Ach ja, das ist natürlich nur bildhaft gemeint.

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erstellt am 06.Feb.2015 | 11:00 Uhr

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