Hilfsaktion : Spontane Hilfe für Bosniens Flutopfer

Mit den nötigen Sprachkenntnissen, Hilfsgütern und dem Wunsch zu helfen, machten sich  Zoran Vrvilo (links) und Patrick Vujatovic (Mitte) auf den Weg nach Bosnien.
Mit den nötigen Sprachkenntnissen, Hilfsgütern und dem Wunsch zu helfen, machten sich Zoran Vrvilo (links) und Patrick Vujatovic (Mitte) auf den Weg nach Bosnien.

Debüt als Krisenhelfer: Ein Rendsburger und ein Hamburger fuhren in Hochwassergebiete, um die Betroffenen vor Ort zu unterstützen.

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05. Juni 2014, 07:45 Uhr

Zwanzig Paar Gummistiefel, zwei Kartons Feuchttücher, zehn Tuben Salbe, fünf Forken, ein Karton Gummihandschuhe und 2300 Euro Bargeld. Mit dieser Ladung Hilfsgüter machten sich Patrick Vujatovic (34) und Zoran Vrvilo (24) in der vergangenen Woche auf den Weg nach Bosnien. Kurz nachdem sich dort die große Flutkatastrophe ereignete, hatten sie gehört, dass die Mafia vor Ort Hilfstransporte abfing, um die Güter anschließend zu verkaufen. Aus einer spontanen Idee heraus entschlossen sich die Männer, deshalb selbst vor Ort zu helfen.

„Wir starteten eine Telefonaktion“, erzählt der Rendsburger Unternehmer Vujatovic und ist auch heute noch begeistert von der Unterstützung seiner Freunde: „Innerhalb von drei Tagen hatten wir 2300 Euro zusammen.“ Über das Himmelfahrtswochenende fuhren er und der Hamburger Vrvilo dann in das 1700 Kilometer entfernte Krisengebiet. Nach der 20-stündigen Anreise bot sich ihnen ein Bild des Grauens. „Jedes einzelne Haus ist ein Totalschaden. In manchen Bergdörfern sind die Häuser bis zum Dach verschüttet und es war noch keine Hilfe vor Ort.“ Entsprechend dankbar waren die Menschen in der Umgebung der Städte Doboj und Maglaj, als die privat organisierte Hilfe direkt vor ihren Haustüren ankam.

Die Hilfsgüter von großen Organisationen werden häufig zentral verteilt, berichtet Vujatovic. Für manche Betroffene sei das ein achtstündiger Fußmarsch. Deshalb bot das Helfer-Duo in abgelegenen Bergdörfern Unterstützung an. Die Männer verteilten die mitgebrachten Güter, verschenkten sogar ihre eigene Unterwäsche und fuhren mit den Flutopfern einkaufen. Im Tal besorgten sie unter anderem Zucker, Mehl, Bohnen, Ketchup für die trockenen Nudeln aus dem Hilfslager, Damenbinden, Zahnbürsten, Putzmaterial und Sprit für den Stromgenerator des Dorfes. So konnten Vrvilo und Vujatovic mit den Spenden ihrer Freunde in zwei Tagen 40 Familien helfen. „Natürlich war das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man den großen Felsen betrachtet. Aber für manche Familien war das ein ganzer Wasserfall. Das hilft denen für das nächste Vierteljahr“, erklärt der Rendsburger.

Ob es eine weitere Hilfsaktion dieser Art geben wird, steht noch nicht fest. Vor dem Winter könnten sie sich noch eine Fahrt vorstellen, wollen dann aber schon vorher über ihre neu geknüpften Kontakte erfragen, welche Hilfe gebraucht wird. Per Handy möchten sie mit den jüngeren Dorfbewohnern in Kontakt bleiben. „Sie wollen für uns die Augen und Ohren offen halten und uns über den Fortschritt der Arbeiten auf dem Laufenden halten“, so Vujatovic. Die Hilfe dürfe nun nicht abreißen, betont er: „Jetzt geht es darum, die langfristigen Schäden zu beheben. Es ist noch viel Unterstützung nötig, um das zu bewältigen.“

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