Rader Hochbrücke : Spezialschiff testet Untergrund

Mittels eines Bohrers entnimmt die Mannschaft des Spezialschiffs „Süderaue“ Bodenproben an den Stellen, die für die Pfeiler der neuen Rader Hochbrücke vorgesehen sind. Wenn es nicht bohrt, liegt das Schiff am Steg des Yachtclubs Borgstedt.
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Mittels eines Bohrers entnimmt die Mannschaft des Spezialschiffs „Süderaue“ Bodenproben an den Stellen, die für die Pfeiler der neuen Rader Hochbrücke vorgesehen sind. Wenn es nicht bohrt, liegt das Schiff am Steg des Yachtclubs Borgstedt.

„Süderaue“ aus Kiel untersucht Grund der Borgstedter Enge für Bau der neuen Hochbrücke, Sechs Pfeiler sollen im Wasser stehen.

shz.de von
02. März 2017, 10:15 Uhr

Gebaut wird neben der Rader Hochbrücke noch lange nicht, aber allmählich werden immer mehr Hinweise sichtbar, dass es mit den Planungen für das Ersatzbauwerk vorangeht. Derzeit werden nicht nur aus den Zufahrtsrampen Bodenproben entnommen (wir berichteten), sondern auch aus dem Grund der Borgstedter Enge. Vom Arbeitsschiff „Süderaue“ aus werden Löcher an den Stellen der späteren Brücke gebohrt – viel tiefer als für die neuen Pfeiler nötig.

„Wir nehmen Baugrunduntersuchungen vor“, bestätigte Michael Zarth von der Projektgesellschaft Deges auf Nachfrage der Landeszeitung. Die Gesellschaft ist im Besitz vom Bund sowie von zwölf Bundesländern und plant den Ersatz für die marode Rader Hochbrücke im Auftrag Schleswig-Holsteins. Bereits seit dem 21. Februar nehmen Kernbohrer Proben aus den Zufahrtsrampen der Brücke. Deshalb kommt es immer wieder zu Staus, weil die großen Geräte in der Mitte der Autobahn 7 aufgestellt werden. Aus diesem Grund wird die Überholspur zeitweise gesperrt. „Wir sind im Zeitplan“, sagte Zarth, sodass die Arbeiten spätestens am 21. März abgeschlossen sind.

Unscheinbarer sind die Sondierungen unterhalb der Brücke, aber mindestens ebenso wichtig. „Wir müssen genau wissen, was sich im Untergrund befindet. Daraus wird berechnet, wie tief wir mit den neuen Pfeilern gehen können“, so Zarth. Denn pro Brückenhälfte sind – wie bei dem derzeitigen Bauwerk auch – drei Stützen vorgesehen, die im Wasser der Borgstedter Enge stehen. Um die Bodenbeschaffenheit zu prüfen, ist die „Süderaue“ im Einsatz. Das Spezialschiff gehört der Baugesellschaft Schwalbe aus Preetz. Das 25 Meter lange und acht Meter breite Wasserfahrzeug kann auf seiner großen Arbeitsfläche schwere Lasten tragen, hat aber einen geringen Tiefgang von nur 75 Zentimetern. Für den Auftrag auf dem See hat die „Süderaue“ einen Zwölf-Tonnen-Laster mit Bohrgestänge an Bord genommen. Durch eine Rohrdurchführung kann das Gerät in den Grund des Sees bohren. „Die Bohrmannschaft geht damit bis in eine Tiefe von 40 Metern“, erklärte André Eberle von Schwalbe-Bau. Die späteren Pfeiler sollen zwar längst nicht so tief gegründet werden, doch um zu verhindern, dass die mächtigen Beton-Stützen absacken, muss auch weit unterhalb der tiefsten Stelle belastbares Material vorhanden sein. „Eine Bohrung beträgt etwa zehn Meter“, erklärte Eberle. Die kompletten 40 Meter seien also nicht an einem Tag zu schaffen, sondern erst nach rund zweieinhalb Tagen. Das Gestänge werde nach Dienstschluss im Loch gelassen, damit an gleicher Stelle am nächsten Tag weitergebohrt werden kann. Die „Süderaue“ müsse also auch an Ort und Stelle mitten auf dem See liegen bleiben. „Der Kapitän und der Decksmann lassen das Schiff aber nicht zurück, es ist zum Übernachten ausgerüstet. Nur die Mannschaft geht mit einem Boot von Bord“, so Eberle. Der Einsatz dauere noch etwa zwei Wochen.

Damit die „Süderaue“ während des Bohrens nicht abtreibt, ist sie mit zwei hydraulisch gesteuerten Ankerpfählen ausgestattet. Sie werden am Bug und am Heck des Schiffes senkrecht auf den Grund gelassen, der bei der unregelmäßigen Wassertiefe der Borgstedter Enge nach zwei bis sechs Metern erreicht ist. „Dadurch liegen wir sicher und ruhig. So können wir auch bei Wind arbeiten, ohne dass das Bohrgestänge verwinkelt“, erklärte Eberle.

Der Aufwand ist nötig, da die Rader Hochbrücke, die die Autobahn 7 über den Nord-Ostsee-Kanal und die Borgstedter Enge führt, marode ist. Das 1972 errichtete Bauwerk hält nur noch bis zum Jahr 2026. Der Neubau ist unmittelbar daneben auf östlicher Seite geplant. Baubeginn ist für das Jahr 2023 vorgesehen. Drei Jahre später soll zumindest der erste Teil der Brücke fertig sein, sodass der Verkehr darüber fließen kann. Die alte Konstruktion wird dann abgerissen.

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