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Rendsburg : Spezialeinheit der Polizei stürmt Haus

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein bewaffneter Mann verschanzt sich in seiner Wohnung und wird von SEK-Beamten überwältigt. Straße in der Schleife war stundenlang abgeriegelt.

shz.de von
erstellt am 01.Mai.2014 | 09:12 Uhr

Es sind beklemmende Szenen, die sich Mittwoch am Rande der Schleife abspielen. Die Polizei hat die Baustraße unterhalb der Hochbrücke am späten Nachmittag abgeriegelt. Alle Bewohner der Häuser in der etwa 200 Meter langen Sperrzone werden aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben. Betreten darf das Areal keiner. Selbst Personen, deren Hauseingänge direkt hinter dem Flatterband der Polizei liegen, müssen ausharren. Stundenlang. Informationen gibt es kaum. Ein bewaffneter Mann habe sich in seiner Wohnung verschanzt, heißt es. „Keine Geiselnahme“, gibt die Leitstelle der Polizei in Kiel bekannt – mehr nicht. Die Beamten vor Ort geben keine Auskunft. Nur soviel: „Es ist gesünder für Sie, wenn Sie sich aus diesem Bereich fernhalten.“

Außerhalb der Gefahrenzone versammeln sich Nachbarn auf der Straße. „Die Polizisten sind hier leise aufgetaucht, ohne Blaulicht“, sagt ein Mann. „Dann stand der Krankenwagen da hinten.“ Sanitäter haben sich an der Ecke Baustraße/Nobiskrüger Allee postiert. Später stoßen Polizisten dazu und lassen keinen mehr durch. Auch an der Ecke Baustraße/Alte Kieler Landstraße stehen Beamte. Die Traube an Einsatzfahrzeugen lockt Neugierige an. Kinder auf ihren Rädern haben einen Schleichweg genutzt, um die Sperre zu umgehen. Jetzt stehen sie wenige Schritte neben dem Flatterband und wollen wissen, was denn hier los sei. „Sind die alle bewaffnet?“, fragt ein Junge. Solche Bilder kennt er sonst nur aus dem Fernsehen.

Gegen 18 Uhr nähern sich zwei Polizisten dem Haus, in dem der Bewaffnete zu sein scheint. Sie tragen nur kurze Hemden, sichern sich aber durch einen Schutzschild, der auch Schüssen standhält. Wenig später trifft die Vorhut eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) vor Ort ein. Zwei trainiert wirkende Männer prüfen die Lage. Einer trägt einen Tarnanzug. Es wird viel telefoniert. „Wir haben über Facebook ein Bild von ihm rausgesucht“, sagt ein Beamter zum anderen. Eine Stunde später fahren schwarze Autos und Kleinbusse vor. Weitere kräftige Männer steigen aus und legen sich nach und nach eine Kampfmontur an.

Als ein Reporter im ersten Stock die Kamera hochhält, faucht einer der Männer in Schwarz ihn an: „Keine Fotos!“ Die Spezialkräfte wollen anonym bleiben. Auf Sturmhauben verzichten sie anfangs trotzdem. Dass Anwohner hinter den Fensterscheiben Handyfotos schießen, bemerken sie nicht.

20 Uhr. Die Lage spitzt sich zu. Ein Anwohner fragt, wann er denn wieder in seine Wohnung dürfe. „Dauert nicht mehr lange“, sagt der Beamte am Flatterband. Kurz darauf tritt eine Frau auf die Straße: „Gehen Sie bitte in ihr Haus zurück“, fordert der Polizist sie auf. Ein anderer Bewohner lehnt sich aus einem Fenster im Dachgeschoss. Gegen 20.15 Uhr sieht er, wie sich SEK-Kräfte dem Haus nähern. Sie führen unter anderem ein Stemmeisen bei sich. Einige der Männer tragen Gummihandschuhe. Sie verschwinden im umlagerten Haus. Was dann passiert, ist von außen nicht zu erkennen. Um 20.28 Uhr die Entwarnung: „Er ist safe“, gibt ein Beamter über Funk durch. Die Polizei hebt die Sperrung auf. Die Baustraßen-Bewohner dürfen sich wieder frei bewegen. Eine Polizei-Mitteilung gibt es am Tag danach nicht. Wenn es um Selbstmord-Ankündigungen geht, gibt es keine Auskünfte. Nur so viel war zu erfahren: Es ist alles gut ausgegangen.

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