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Geschichte : SPD will Nazi-Straßennamen diskutieren

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Kreisvorstand schickt Genossen auf die Suche nach kritischen Persönlichkeiten im Ortsbild.

Nach dem gescheiterten Versuch, einer Straße in Hohenwestedt einen anderen Namen zu geben, will der SPD-Kreisverband nun eine Diskussion in der gesamten Region anstoßen. Dazu hat der Vorstand gestern alle Ortsverbände im Kreis Rendsburg-Eckernförde angeschrieben. Im Zentrum der Initiative sollen vor allem Straßen und Gebäude stehen, deren Namensgeber eine Rolle in der Nazi-Diktatur spielten.

„Hohenwestedt ist nur ein aktuelles Beispiel für eine Debatte um Umbenennung einer Straße. Ich bedaure, dass dies dort nicht gelungen ist“, erläuterte Iris Ploog, Kreisvorstandsmitglied aus Hohenwestedt. Ende Juni hatte die Fraktion der Sozialdemokraten dort in der Gemeindevertretung versucht, die Heinrich-Eckmann-Straße umzuwidmen. Der Heimatdichter Heinrich Eckmann (1893 bis 1940) gilt als Vertreter der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Literatur. Deshalb beantragte die SPD, die Straße nach einem jüdischen Arzt („Dr.-Bamberger-Ring“) zu benennen. Der Antrag wurde von der CDU-Fraktion abgelehnt – aber auch mit je einer Stimme von FDP und SPD.

Der Kreisvorstand der Sozialdemokraten regt die Genossen vor Ort nun an, Straßen- und Gebäudenamen kritisch nach ihren Namensgebern zu hinterfragen. Die Mitglieder sollen Rückmeldungen an die Kreisgeschäftsstelle geben, ob damit „wirklich immer die richtigen geehrt“ werden oder ob „es Zeit für Umbenennungen“ wird, wie es in dem Rundschreiben heißt.

SPD-Kreisvorstandsmitglied Christiane Buhl hat die Debatte in der Landeshauptstadt um die Umbenennung des Hindenburgufers in Kiellinie begleitet. „Es sind immer die gleichen Argumente, die von denen genannt werden, die gegen eine Umbenennung sind. Sie sind aber nicht unbedingt richtig, nur weil sie immer wieder hervorgebracht werden.“ Deshalb hat Christiane Buhl eine Sammlung an Ideen für die SPD-Ortsvereine im Kreis zusammengestellt, die als Impuls für weitere Debatten und eine kritische Analyse dienen sollen. Darin wird als häufiger Grund für eine Umbenennung „NS-Vergangenheit oder zumindest Nähe zum NS-Regime“ sowie Kolonialgeschichte, Rassismus und Antisemitismus genannt. Aber auch „militaristische Persönlichkeiten“ sollen in den Fokus genommen werden. „Auch wenn solche Diskussionen oft sehr emotional sind, müssen wir sie führen. So können wir zeigen, dass man aus Geschichte gelernt hat und Verantwortung für sie übernimmt“, erläutert die Historikerin. Niemand wolle verständlicherweise eine „Hitler-Straße“" in seinem Ort. „Darum ist es nur konsequent, auch weniger prominenten Nazis und anderen Menschenfeinden die Ehrung auf einem Straßenschild zu verwehren.“

„Wir haben unsere Mitglieder um Rückmeldung gebeten“, erläutert der stellvertretende Kreisvorsitzende Götz Borchert die Initiative. „Wir hoffen, auf diese Weise einen genauen Überblick über die Lage in den Gemeinden und Städten zu erhalten. Anschließend werden wir beraten, ob wir eine kreisweite Initiative anstoßen werden. Eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und ihren Protagonisten ist auf jeden Fall eine Debatte wert“, so Borchert. „Wir Sozialdemokraten schulden dies auch denjenigen, die für unsere demokratischen und sozialen Werte – trotz Gefahr für Leib und Leben – gerade gestanden haben.“

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erstellt am 08.Aug.2017 | 13:19 Uhr

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