Sparkassen-Filiale in Borgstedt schließt

Haben für ihre Kunden Lösungen parat: Jutta Plöhn und Jörg Zimmermann.
Haben für ihre Kunden Lösungen parat: Jutta Plöhn und Jörg Zimmermann.

Am 27. Februar verlässt die letzte Bank den Ort / Kunden dürfen entscheiden, in welche Filiale sie wechseln wollen

shz.de von
09. Januar 2015, 11:58 Uhr

Der Letzte macht das Licht aus in der Sparkassen-Filiale in Borgstedt: Am 27. Februar schließt die Förde Sparkasse diesen Standort. „Die Kundenanforderungen an Service und Beratung haben sich verändert. Das stellt insbesondere die kleinen Filialen vor große Herausforderungen“, erläutert Ulrich Boike, Sparkassendirektor bei der Förde Sparkasse. Vor allem möglichst lange Öffnungszeiten sowie ein Geldautomat für die Selbstbedienung seien gewünscht. Beides ist entweder personell nicht zu leisten oder nicht vorhanden.

Hinzu kommt, dass die Filiale, die im Juli 1982 eingeweiht wurde, aus sicherheitstechnischen Gründen modernisiert werden müsste. „Eine erste grobe Schätzung hat ergeben, dass wir allein für die unbedingt notwendigen Maßnahmen zwischen 30  000 und 50  000 Euro ausgeben müssten“, so Boike. Regionaldirektor Jörg Zimmermann ergänzt: „Das ist das Minimum. Einrichtung und Ausstattung sind aber so alt, dass wir auch dies erneuern müssten, wenn wir die Filiale erhalten wollten. Und dann sind wir ganz schnell im sechsstelligen Bereich.“ Diese Kosten seien aus kaufmännischer Sicht nicht mehr zu vertreten, die Bank werde zu wenig in Anspruch genommen: „Wir betreuen in Borgstedt etwa 450 Kunden und 250 Girokonten. Die jungen, modernen Leute, die viel Online-Banking nutzen, erreichen wir gar nicht mehr“, erklärt Ulrich Boike die Hintergründe.

Die Überlegung, einen Geldautomaten zu installieren, wurde wegen der zu erwartenden geringen Nutzung verworfen: Im Schnitt heben acht Kunden pro Tag in der Filiale Geld von ihrem Konto ab. An einem Automaten wären es vermutlich wegen der flexiblen Zeiten mehr, doch es sollten mindestens 6000 Buchungen im Monat, also 200 pro Tag sein.

Die Borgstedter Kunden der Sparkasse können nun entscheiden, in welche Filiale sie wechseln möchten. In Owschlag und Fockbek befinden sich die nächstgelegenen Geschäftsstellen der Förde Sparkasse, in Groß Wittensee hält zweimal in der Woche eine mobile Filiale in Form eines Trucks, der mit allem Wichtigen ausgestattet ist. „Wer möchte, kann auch nach Büdelsdorf wechseln. Wir haben mit der dortigen Sparkasse Mittelholstein einen Kooperationsvertrag geschlossen, so dass die Kundenbeziehungen auch hierher übertragen werden können“, sagt Boike. „Wir regeln das entsprechend dem Kundenwunsch. Der ist entscheidend für den Filialwechsel.“

Borgstedts Bürgermeister Gero Neidlinger bedauert zwar, dass mit der Sparkasse nun die letzte Bank den Ort verlässt, hält einen Wechsel in die knapp zwei Kilometer entfernte Filiale in Büdelsdorf allerdings für zumutbar. „Ich finde es toll, dass überhaupt nach Lösungen gesucht wurde.“

Jutta Plöhn, Filialleiterin und einzige Mitarbeiterin der Sparkasse in Borgstedt verabschiedet sich mit der Schließung in den Ruhestand. Ihr 20-Jahr-Jubiläum in Borgstedt feiert sie aber vorher noch, nämlich am 1. Februar. Am Ende des Monats lässt die Alt Duvenstedterin dann die Arbeit hinter sich. „Ich habe viele Ehrenämter und zwei Enkelkinder. Ich werde meine Freizeit in jedem Fall genießen.“

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