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Rendsburg Innenstadt : Sonntagsbetrieb mit Wermutstropfen

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Andrang beim Finale auf der Eisbahn. Letzter Punsch-Ausschank nach 30 Jahren für Peter Dünne. Nienstadtstraße nicht gefegt – Kritik an der Stadt.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2016 | 18:20 Uhr

Abschluss nach 42 Tagen Eisbahn und letzter Ausschank nach über 30 Jahren bei „Peter’s Punsch“ – diese Zugpferde sorgten gestern für Betrieb in der Innenstadt. Allerdings drängten sich die Menschen nur rund um den Schiffbrückenplatz und in Teilen der Hohen Straße. Südlich des historischen Rathauses war deutlich weniger los – zum Leidwesen engagierter Geschäftsleute, die in diesem Teil der Altstadt unter dem Motto „5. Advent“ eine Schaufenster- und Ladenrallye initiiert hatten. Von der Änderungsschneiderei „Torgut“ bis zum Einrichtungs-Laden „Si drei“ beteiligten sich in der Nienstadt- und Schleifmühlenstraße sowie im Stegengraben 13 Händler, Wirte und Dienstleister an der Marketing-Aktion. Passanten waren aufgefordert, in den Schaufenstern ausgestellte Fragen zu beantworten. „Wie viele Mitglieder hat das Kunstforum?“, hieß es etwa in der Nienstadtstraße. Resonanz: Nur acht Besucher gaben bis 15 Uhr eigens gedruckte Antwortkarten bei Svenja Greier von „De Bookbinner“ ab und nahmen an einer Verlosung teil. „Absolut überschaubar“, nannte die Buchbindermeisterin den Rücklauf, man habe sich mehr erhofft. Mit Blick auf die Nienstadtstraße, die gestern noch nicht von Resten der Silvesterknallerei befreit worden war und einen ungepflegten Eindruck machte, äußerte sie Kritik in Richtung Stadt. Dieser Teil der Fußgängerzone hätte unbedingt vom Umwelt- und Technikhof gefegt werden müssen. „Es sieht hier aus wie Hulle – und das an einem verkaufsoffenen Sonntag.“

Tatjana Chucholl, Inhaberin von „Jana-Natur“ in der Schleifmühlenstraße, sieht für diesen Teil des Zentrums trotzdem eine Zukunft. Wichtig sei, dass sich ein harter Kern von Geschäftsleuten gebildet habe, „die hier bleiben wollen oder die schon lange hier sind und die ein Interesse haben, diesem Stadtteil wieder Leben einzuhauchen“. In der Nienstadtstraße griffen Patrick Goeser (Coburg’sche Buchhandlung) und Martin Batteux (Musiklehrer) zu Dudelsack und Djembe, um auf die offenen Geschäfte aufmerksam zu machen. „An verkaufsoffenen Sonntagen war schon immer mehr Gucken als Kaufen angesagt“, berichtete Goeser. „Der heute ist vor allem für die Eisbahn.“

Und dort stand ein Mann im Mittelpunkt, der nie danach trachtete. Gestern ließ es sich kaum vermeiden: Peter Dünnes Punsch-Ausschank zählte gut drei Jahrzehnte zum Stadtbild. Seit gestern Abend ist unwiderruflich Schluss, der 72-jährige Dünne schob seinen letzten Punsch über den Tresen und zieht sich aus Altersgründen als Standbetreiber beim Weihnachtsmarkt zurück. Ab 19 Uhr war „Reste-Versaufen“ (Zitat Dünne) mit Freunden, Mitarbeitern und Stammkunden angesagt. „Irgendwann wird das Pensum zu groß. Wir sind froh, im nächsten Jahr nicht mehr 16 Stunden am Tag hier stehen zu müssen“, sagte Dünne, dem der Abschied dennoch nicht leicht fiel. „Es hat mir und meiner Frau immer auch viel Spaß gemacht. Der Weihnachtsmarkt wird uns sicher fehlen.“

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