Photovoltaik im Kreis Rendsburg-Eckernförde : Sonnige Geschäfte am Straßenrand

Gut gesichert und vielfach kaum sichtbar sind manche der Anlagen.
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Gut gesichert und vielfach kaum sichtbar sind manche der Anlagen.

Im Kreis entstehen zahlreiche neue Solarparks – und zwar vor allem entlang von Autobahnen und Bahntrassen.

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01. März 2019, 11:20 Uhr

Der Bau von Solarparks boomt. Sie liegen vielfach an den Trassen von Autobahnen und Eisenbahnen – auch im Kreisgebiet. In Schönbek bei Bordesholm gibt es eine Anlage so groß wie 18 Fußballfelder, entlang der Bahnstrecke bei Bredenbek fangen Solarmodule die Sonne auf und bei Felde ist die Anlage fast fertig. Nun soll auch in Dätgen ein Solarpark entstehen.

„Ich hatte schon vor einigen Jahren überlegt, die Flächen zu verpachten“, sagte Dätgens Bürgermeister Henning Korff auf der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter. Er habe Flächen entlang der A7, die etwas tiefer liegen und daher, sobald es regnet, kaum landwirtschaftlich nutzbar seien. Ein Investor wolle auf diesen Flächen einen Solarpark anlegen und betreiben.

Während es beim Bau von Windkraftanlagen meist große Diskussionen gibt, blieb es zu den Solarplänen eher ruhig. Ob es einen Mindestabstand zur Wohnbebauung gebe oder ob sich die Landwirtschaft nicht besser bezahlt mache, waren zwei Fragen aus dem Publikum. Korff erläuterte, dass die Pachteinnahmen durch das Energieunternehmens deutlich über denen durch eine landwirtschaftliche Nutzung lägen. Für die Abstimmung verließ er den Raum. Ohne Gegenstimme wurde der Vorlage zugestimmt.

Betreiber der Solarparks in Ellerdorf, Emkendorf und Felde ist die Enerparc-AG aus Hamburg. Das Unternehmen wurde 2009 gegründet und ist international tätig. Sie seien Pioniere in der Branche, sowohl als Entwickler und Errichter, sagt Stefan Müller, der operative Vorstand der Firma. In den vergangenen Jahren habe Enerparc in ganz Europa Solarparks mit mehr als 2500 Megawatt Leistung ans Netz gebracht. Solar-Kraftwerke mit 1250 Megawatt Leistung gehörten zum Eigenbestand. Aktuell stehen zehn Solarparks in Norddeutschland, zehn weitere sind in der Entstehung.

Auch wenn Schleswig-Holstein nicht für seine Sonnenstunden berühmt ist und es keine klassische Förderung für Großanlagen gibt, rentiert sich das Geschäft. „Investitionen in Deutschland lohnen sich durch den gesicherten Stromabnahmevertrag“, erläuterte Stefan Müller. „Unsere Stomgestehungskosten mit Solar sind unterhalb des Stromabnahmevertrags und dadurch können wir eine Rendite erzielen. Aktuell in Deutschland für Solar bei etwa drei bis fünf Prozent im Jahr.“

Ein weiterer Faktor ist, dass die Flächenkosten in sonnenreicheren Gebieten vergleichsweise teuer sind. In Schleswig-Holstein ist das vom Standort abhängig. Gerade die Küsten sind interessant, meint Müller. Generell betrage der Unterschied zwischen Bayern und dem Norden etwa zehn Prozent.

Die Flächen, auf denen gebaut werden darf, sind begrenzt. Laut Müller ist es verboten, auf Agrarflächen Solarparks zu errichten. Außerdem unterliegen die Photovoltaik-Anlagen in Deutschland einem Ausschreibungsprozess. Nur der günstigste Anbieter erhalte einen Zuschlag für die lukrativen Stromabnahmeverträge.

Große Solarfelder finden sich neben der Autobahn oder – so wie hier – an der Bahntrasse bei Emkendorf.
Malte Kühl
Große Solarfelder finden sich neben der Autobahn oder – so wie hier – an der Bahntrasse bei Emkendorf.
 

Weiterhin gilt auf einem 110 Meter breite Streifen links und rechts von Autobahn- und Eisenbahntrassen ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren, sagte Experte Stefan Müller. Entsprechend führe dies zu einer Vielzahl an Projekten an den Trassen. Auch hier sind die Standorte eingeschränkt – beispielsweise durch Wälder, Natur- oder Landschaftsschutzgebiete oder Wohnbebauung.

Im Prinzip könnte sich eine Anlage über mehrere Kilometer erstrecken, was allerdings nicht gewollt sei, erklärt Thorsten Manthey vom Amt Nortorfer Land. Es gibt beim Bau von Photovoltaikanlagen keine klare Vorgabe der Landesplanung, die Gemeinden sollten sich untereinander einigen. Das führe beispielsweise dazu, dass eine in Bokel geplante Anlage, direkt an den Solarpark Emkendorf/Grotenheid anschließt – getrennt nur durch die Gemeindegrenze.

Photovoltaik im Norden

> In Schleswig-Holstein waren Ende 2018 rund 45 000 Photovoltaikanlagen in Betrieb mit einer Gesamtkapazität von 1620 Megawattpeak (MWp = Nennleistung in Megawatt), erklärt der Bundesverband für Solarwirtschaft.

> Diese haben im Jahr 2018 mehr als 1,8 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom erzeugt.

> Das waren fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Grund war der Super-Sommer.

> Im Kreis Rendsburg-Eckernförde sollen neue Anlagen entstehen – unter anderem in Emkendorf, Felde und Krogaspe.

> Der Bau von Solarparks erfolgt nach fest vorgegebenen Rahmenbedingungen. Den Zuschlag erteilt die Bundesnetzagentur. Die Vergütung wird für 20 Jahre festgelegt.

> Die Küstenstandorte können bei der Zahl der Sonnenstunden mit Süddeutschland mithalten, so der Bundesverband. Zwar seien die Winter schlechter, aber im Sommer gebe es mehr Sonnenstunden. > Außerdem ergänzen sich Wind- und Solaranlagen. Sie erzeugen selten zur selben Zeit Strom. So können die Netze gut ausgenutzt werden.

 
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