Förderung für Solaranlagen : Solarpark in der Ex-Kaserne in Gefahr

Projektname: 'Oktogon' - die Grafik zum  Konzept  zur Rahmenplanung der Thielen Projektträgergesellschaft. Die violett gefärbten Flächen markieren den 'Energie-Park' mit Photovoltaik-Großanlage, wie es ursprünglich geplant war.
Projektname: "Oktogon" - die Grafik zum Konzept zur Rahmenplanung der Thielen Projektträgergesellschaft. Die violett gefärbten Flächen markieren den "Energie-Park" mit Photovoltaik-Großanlage, wie es ursprünglich geplant war.

Die Kürzungen bei Sonnenstrom-Förderung verunsichern Investoren aus Goch stark. Sie denken jetzt über eine Verkleinerung der Photovoltaik-Anlagen in Rendsburg nach.

shz.de von
01. März 2012, 10:49 Uhr

Rendsburg / Goch | Anfang Januar noch hatten sie allen Grund zum Strahlen, die Vettern Ralf und Werner Thielen aus Goch am Niederrhein. Da war ihre Welt noch in Ordnung: Soeben hatten sie der Öffentlichkeit bekannt gegeben, dass sie den größten zusammenhängenden Solarpark im Norden errichten wollten - auf dem Gelände der ehemaligen Feldwebel-Schmid-Kaserne im Norden Rendsburgs. Herzstück des Projekts: Eine riesige Freiflächen-Photovoltaik-Anlage (PV) auf einem Gebiet von 15 Hektar.
Nicht nur die Thielens sahen eine sonnige Zukunft für die Stadt anbrechen - auch Bürgermeister Andreas Breitner lobte das Konzept - Projektname "Oktogon" - ausdrücklich, verspricht sich wirtschaftliches Potenzial und Arbeitsplätze für die Stadt (wir berichteten). Doch nun ist zumindest der große Solarpark in Gefahr. Hintergrund ist die Änderung im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), verbunden mit drastischen finanziellen Kürzungen.
Solar-Energie steht auf der Streichliste der Bundesregierung
Es scheint, als hätten die zwei Investoren aus Nordrhein-Westfalen einige Monate zu spät auf etwas gesetzt, das nun auf der Streichliste der Bundesregierung steht: Die staatliche Förderung der Solar-Energie. Denn die Neuerungen im EEG sehen unter anderem Einschnitte in der Vergütung für Solaranlagen-Besitzer von 30 Prozent für große Freianlagen vor.
Kleinere Anlagen auf Hausdächern sollen 20 Prozent weniger Zulagen erhalten (unsere Zeitung berichtete). Das bedeutet konkret: Die Vergütung wird von rund 18 auf 13,5 Cent gekürzt. Dazu bekommen die Betreiber auch nur noch 90 Prozent des Sonnenstroms vergütet. Hauptanreiz für die Installation von PV-Anlagen ist jedoch die garantierte Einspeise-Vergütung, die nach dem EEG pro Kilowattstunde an den Eigentümer gezahlt wird.
Belastungen der Verbraucher stieg durch Solar-Boom
In den vergangenen Jahren hat die Solar-Branche in ganz Deutschland geboomt, da die Anlagen immer günstiger wurden, die Förderung jedoch gleich hoch blieb. Durch den Boom steigen aber die Belastungen der Verbraucher, die die Förderung über den Strompreis zahlen - und das schlägt mit etwa 70 Euro jährlich pro Haushalt zu Buche.
Die hohe Förderung will die Bundesregierung nun kappen. Die Einschnitte sollen bereits ab dem 9. März gelten, damit es bei Photovoltaik-Anlagen keine "Schlusskäufe" zu alten, höheren Fördersätzen gibt.
Nachricht schlug ein "wie eine Bombe"
In Goch ist man entsetzt. "Diese Nachricht hat eingeschlagen wie eine Bombe", sagte der Geschäftsführer des Pflanzen-Großhandels von Werner Thielen, Eugen Drabe, auf Anfrage der Landeszeitung. Die beiden Investoren, die für die Redaktion nicht erreichbar waren, seien "stark verunsichert", da die Planungssicherheit nicht mehr gegeben sei. Geplant ist, dass der Solarpark im Juni an den Start geht. Der städtische Bauausschuss hat den Weg dafür bereits freigemacht.
"Wir halten dennoch am Konzept fest", beteuerte Drabe. "Das Projekt ist nicht gestorben. Solarenergie bleibt ein starkes Standbein. Wie es dann allerdings genau ausgerichtet wird, in welcher Größe - und zu welchem Zeitpunkt, das müssen wir abwarten", so Drabe. Unter Umständen müsse man die Freiflächen-Anlage auch verkleinern. Die Thielen Projektträgergesellschaft berechne derzeit alles neu. Für konkrete Entscheidungen sei es allerdings noch zu früh.
Projekt könnte dennoch auf Eis gelegt werden
Man müsse auch noch abwarten, wie sich die Preise für die Photovoltaik-Module entwickeln - und dann deutsche oder ausländische Firmen beauftragen. Eugen Drabe: "Mit den Herstellern sind die Thielens in Verhandlungen, aber es gibt noch keine Verträge." Eins der Projekte soll aber noch schnell realisiert werden: Der Anteil der Photovoltaik-Anlage, die auf dem Dach platziert werden kann.
Dennoch - sollte es hart auf hart kommen, haben die beiden Investoren aus Goch die Möglichkeit, ihr Kasernen-Projekt auf Eis zu legen oder auszusteigen. Drabe: "Theoretisch gibt es die Möglichkeit, davon Abstand zu nehmen. Davon geht aber zurzeit niemand aus."

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