Unrat auf Bürgersteigen : So wird unsere Stadt vermüllt

An der Grafenstraße standen gestern Kartons, Müllsäcke, Möbelteile, Staubsauger und Europaletten.  Fotos: JH Frank (7)
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An der Grafenstraße standen gestern Kartons, Müllsäcke, Möbelteile, Staubsauger und Europaletten. Fotos: JH Frank (7)

Abfälle in Neuwerk nicht ordnungsgemäß entsorgt.

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15. August 2018, 10:53 Uhr

Rendsburg | Manche Straßenzüge im Stadtteil Neuwerk glichen gestern einer Müllhalde: Auf dem Bürgersteig an der Grafenstraße standen ein Sofa und ein Kühlschrank. An einer Hauswand lehnten Europaletten. Davor türmten sich prall gefüllte, teils aufgerissene Müllsäcke. An einem Parkplatz an der Grafenstraße lagen ein Staubsauger, eine Klobrille, ein Röhrenfernseher, ein Drucker und Papprollen, in der Lilienstraße Radkappen, Schuhe, ein Kuchenblech, Plexiglasscheiben und ein Fahrradreifen.

„Das lag das ganze Wochenende da“, sagte ein Rendsburger Geschäftsmann, der anonym bleiben will. Am Freitag war der jährliche Termin der kostenlosen Sperrmüllabfuhr an den genannten Straßen. Die Firma Remondis holte im Auftrag der Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) die Gegenstände ab, die in die Kategorie Sperrmüll fallen. „Sperrmüll ist alles, was man beim Umzug mitnehmen würde“, erläutert AWR-Chef Ralph Hohenschurz-Schmidt. An den Straßen standen aber auch Hausmüll, Bauschutt und Elektroschrott. Weil deren Entsorgung durch die Müllgebühr nicht abgedeckt ist, lässt Remondis solche Abfälle bei der Sperrmüllabfuhr stehen. Bürger sollen sie bei einem der zehn Recyclinghöfe im Kreisgebiet abgeben, zum Beispiel in der St.-Peter-Ording-Straße 10 (Rendsburg-West). Sie müssen dafür in der Regel zahlen. Elektroschrott, Schadstoffe und andere Dinge werden kostenlos angenommen.

Und der Müll in Neuwerk? Er stand gestern seit vier Tagen an den Straßen. „Wer es rausgestellt hat, sollte es wieder mitnehmen“, sagt Hohenschurz-Schmidt. Er vermutet aber, dass sich Bewohner von Mehrfamilienhäusern gern hinter der Anonymität verstecken.

Letztlich muss der Umwelt- und Technikhof (UTH) anrücken. Dessen Chef Niels Faust gibt den Anliegern bis zu vier Tage Zeit, ihren Unrat selbst wegzuräumen. Dann muss er sein Team losschicken: „Die Stadt ist als Straßenbaulastträger verpflichtet, die Verkehrssicherheit herzustellen.“ Die UTH-Mitarbeiter durchkämmen ohnehin innerhalb einer Woche die Stadt. Sie entsorgen den Müll zudem anhand von Hinweisen. Faust: „Der Mehraufwand muss vom Steuerzahler getragen werden.“

Der anonyme Geschäftsmann hält nichts davon, einen Sperrmülltermin für mehrere Straßen anzubieten. Besser wäre es seiner Meinung nach, wenn jeder Bürger zweimal jährlich kostenlos eine Abfuhr beantragen könnte. „Dann weiß man, wer es gemacht hat.“ Wer individuelle Sperrmülltermine vereinbart, zahlt zurzeit 40 Euro für die Anfahrt.

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