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Nach Panne : So klappt es mit dem Rollstuhl-Taxi

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Firmen, Rettungsdienst und Krankenkasse erläutern Grenzen und Möglichkeiten des Patiententransports.

Wer hilft bei einer Panne mit dem elektrischen Rollstuhl? An dieser Frage verzweifelte kürzlich die 64-jährige Rendsburgerin Regina Schmidt. Wie berichtet, blieb sie an einem Sonnabend gegen 13 Uhr mit ihrem 178,5 Kilogramm schweren Fahrzeug auf dem Lidl-Parkplatz am Rendsburger Kreishafen liegen – etwa einen Kilometer von zu Hause entfernt. Sie durfte ihn aber nicht einfach stehen lassen. Das Sanitätshaus, das ihr den Rollstuhl im Auftrag der Krankenkasse AOK Nordwest bereitstellte, schreibt vor, dass sie das Gerät stets in einem geschlossenen Raum unterstellen muss. Ihre Tochter rief daher Taxiunternehmen, die Feuerwehr und die Polizei an, aber niemand übernahm den Transport. Erst zwei Stunden und 45 Minuten später hatte ihr Ex-Mann Siegried Schmidt den fahrbaren Untersatz wieder flottgemacht.

Der Rendsburger Taxiunternehmer Matthias Callsen betonte gegenüber der Landeszeitung: „Wenn der Rollstuhl kaputt ist, ist es ziemlich schwierig, ihn zu bewegen.“ Er ließ bei der Firma AMF-Bruns in Apen (Niedersachsen) sieben VW-Caddys umbauen. Seine Fahrer chauffieren damit täglich 30 bis 40 Rollstuhlfahrer. Die Angestellten öffnen dazu die Heckklappe, sichern mit zwei Gurten die Vorderachse des Rollstuhls, schieben ihn samt Fahrgast über eine Rampe in den Kofferraum, fixieren mit zwei weiteren Gurten die Hinterachse und schnallen den Kunden mit einem Drei-Punkt-Gurt an.

Das Problem: Beim Einladen belasten Fahrer, Kunde und Rollstuhl gleichzeitig die Rampe, die aber nur für 300 Kilogramm zugelassen ist. Mit Regina Schmidts elektrischem Rollstuhl wäre die maximale Traglast überschritten worden. Zudem sind die Gurte nicht für die Sicherung solch eines schweren Geräts ausgelegt. Darüber hinaus ist die Rampe 77,4 Zentimeter breit. Zu transportierende Rollstühle müssen etwas schmaler sein, damit sich beim Ausladen die Räder umdrehen können. „Wir haben auch Kunden mit elektrischen Rollstühlen, aber da ist alles vorher abgeklärt“, sagte Callsen. Er empfiehlt ihnen, im Fall eines technischen Problems die Pannenhilfe des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) zu rufen. Sprecher Ulf Evert bestätigte: „Ein elektrischer Rollstuhl ist ein Fahrzeug wie jedes andere. Natürlich würden wir kommen.“ Die Pannenhelfer dürfen die Elektronik reparieren oder den Rollstuhl abtransportieren. Voraussetzung ist aber eine Mitgliedschaft im ADAC.

Diese Ausgabe ist nach Darstellung von AOK-Sprecher Jens Kuschel gar nicht notwendig. Die Kasse schließt mit den Sanitätshäusern Verträge ab, die einen Notdienst umfassen. „Das Sanitätshaus muss einen Notdienst sicherstellen, immer, am Wochenende, an Weihnachten und Silvester“, sagte er. Nach Aussage des Lieferanten von Regina Schmidts Rollstuhl finanziert die AOK solch einen Service nicht. Doch Kuschel betonte: „Unsere Verträge sehen den Notdienst vor.“ Die Sanitätshäuser müssten die Geräte im Rahmen ihrer Gewährleistungspflicht reparieren oder austauschen. Sie würden ihre Einsätze der AOK nachträglich in Rechnung stellen. „Für den Transport des Versicherten ist das Sanitätshaus jedoch nicht zuständig, da dies in den Bereich der Personenbeförderung fällt“, erläuterte Kuschel. Die AOK hätte in Schmidts Fall eine Taxifahrt, ob mit oder ohne Rollstuhl, im Sinne des Behindertenausgleichs bezahlt, da sie anders nicht nach Hause gekommen wäre. Normalerweise würde die Kasse aber nur Krankenfahrten finanzieren.

Nur ein Anbieter: Im Raum Rendsburg bietet nur das Taxiunternehmen Bogalski Fahrzeuge für den Transport von schweren Rollstühlen an. Der Inhaber Adalbert Bogalski hat zwei Mercedes-Sprinter mit einer Traglast von je 400 Kilogramm im Einsatz. Die Kunden fahren ihre Rollstühle auf eine Rampe, die per Lift angehoben wird. Sonnabends sind die Wagen als Linientaxen im Einsatz. Interessierte können sie aber vorher für den Rollstuhltransport reservieren.

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erstellt am 05.Jul.2017 | 12:16 Uhr

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