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Landeszeitung

23. September 2017 | 23:57 Uhr

Haale/Jevenstedt : „So geht Frieden“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mit einer großen Ausstellung wollen die Künstler Renate Basten und Jürgen Baum an 70 Jahre Frieden nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern.

von
erstellt am 16.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Grasende Kühe, weite Felder, Schwalben am Himmel. Es ist ruhig in Haale. Seit 70 Jahren herrscht Frieden in Deutschland. „70 nach 45“: Ein Jahrestag, der den Anstoß für ein gleichnamiges künstlerisches Projekt gab. „Der Abstand ist jetzt groß genug, es ist keine Traumatisierung mehr vorhanden und der Blick hat sich verändert.“ Aus diesen Gründen boomt das Thema nach Ansicht der Künstlerin Renate Basten. So war die Resonanz groß, als sie gemeinsam mit ihrem Partner, dem Künstler Jürgen Baum, das Projekt startete. „Für uns bedeutete das auch eigene Erinnerungsarbeit“, sagt Baum (Jahrgang 1948). Die Großmutter von Renate Basten (Jahrgang 1954) war Halbjüdin und verlor eine Schwester im KZ; der Onkel von Jürgen Baum war Spätheimkehrer.

Baum und Basten arbeiten und wohnten seit fünf Jahren in dem Atelier Wettersberg in Haale, der alten Meierei. Seit einem halben Jahr bietet ihnen auch die ehemalige Tischlerei in der Schulstraße Lager- und Arbeitsmöglichkeiten. Hier wird auch ein Teil der Bilder zu sehen sein. Denn insgesamt beteiligten sich 40 Künstler mit über 60 Arbeiten an dem Projekt, das seit März durch Schleswig-Holstein zieht. Jetzt macht es mit dem Schwerpunkt „Frieden und Zusammenleben“ an zwei Orten in der Region Station. „Furchtbar viel Arbeit und viel Idealismus“ haben die beiden Künstler in die Umsetzung gesteckt. Unterstützung erhielten sie unter anderem von der Doris-Rüstig-Ladewig-Stiftung (DRL) in Schleswig und auch vom Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die Arbeit trägt Früchte: In Friedrichsstadt kamen 650 Besucher, „eine beeindruckende Zahl“, so Renate Basten und hofft auch auf rege Beteiligung in Jevenstedt und Haale.

Meist ergibt sich – ausgelöst durch die Werke – der Zugang zu eigenen Gefühlen und Erinnerungen, weiß die Künstlerin, die im Erstberuf als Psychotherapeutin gearbeitet hat. Erinnerungen, die wiederum in Gesprächen münden. „Survival of the fittest“ von Dietmar Höhne zieht den Blick auf sich: Männer in Nadelstreifenanzügen, ohne Gesicht, das Bild in Grautönen gehalten. Die Ähnlichkeit von Geschäfts- und KZ-Sträflingskleidung ist gewollt. Einen krassen Gegensatz bietet das knallbunte Bild „Karneval“, mit dem die 1944 in Dänemark geborene Künstlerin Inger Dethlefsen deutlich machen möchte, dass sie und ihre Kinder geborgen und in Sicherheit aufwachsen konnten.

Aber herrscht tatsächlich „Frieden im Land?“, so der Untertitel der Ausstellung. Die Figur eines Mädchens mit blonden Zöpfen von Peer Oliver Nau suggeriert es. „Schauen Sie genau hin“, sagt Renate Basten und drückt auf einen Knopf. Es blinkt. Der Kasten vor der Brust des Kindes ist eine Bombe. „Tragen wir alle Frieden im Herzen?“ fragt der Künstler dazu. Und schon hat sich ein Gespräch ergeben.

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