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Aukrug : „Sind die Kirschen rot, ist der Spargel tot“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Am heutigen Johannistag endet die Saison für das königliche Gemüse. Die Pflanzen müssen sich für nächstes Jahr regenerieren.

Heute ist Johannistag, und in der Spargelhochburg Aukrug-Bünzen geht eine überdurchschnittlich erfolgreiche Erntesaison zu Ende. Der Beginn der Spargelzeit variiert wetterbedingt von Jahr zu Jahr – aber der Abschluss der Saison ist durch den Johannistag strikt vorgegeben. „Keiner weiß so richtig, wo diese Tradition herkommt, aber alle halten sich dran“, sagt Spargelbauer Johann Holm.

Frühere Generationen von Anbauern des königlichen Gemüses werden mit dem Datum des Saisonendes herumexperimentiert haben, vermutet Johann Holms Sohn Hauke: „Diese Landwirte werden aus ihren Fehlern gelernt haben – und irgendwann haben sie vielleicht aus einem Bauchgefühl heraus gesagt: Der Johannistag, der passt!“

Man muss der Spargelpflanze genügend Zeit geben, um sich für die kommende Erntesaison zu regenerieren. Genau in dieser Hinsicht hat sich die Johanni-Tradition bewährt. Das aktuelle Sommerwetter ist eigentlich optimal für die Spargelernte. „Aber von unseren Berufskollegen traut sich keiner, am 24. Juni als Saisonende zu rütteln“, betont Johann Holm, „wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören.“ Der Saisonstart war ziemlich kurios. Die Erntehelfer hatten im April schon losgelegt und die ersten Spargelstangen gestochen. „Aber dann hat es geschneit, und wir mussten eine Zwangspause einlegen“, erzählt Johann Holm, „das haben wir noch nie gehabt, dass es nach dem Erntebeginn nochmal wieder zu schneien anfing.“ So fand dann der offizielle Spargelanstich in Bünzen am 6. Mai statt – zwei Wochen später als im Vorjahr, aber immer noch im Rahmen von Johann Holms allzeit gültiger Bauernregel für den Start der Spargelzeit in Mittelholstein: „1. Mai plus minus eine Woche.“

Höhepunkt der Saison war das Spargelfest, bei dem am 5. Juni Anna Marie Scheel zur neuen Aukruger Spargelkönigin gekrönt wurde. Das Wetter am Festtag war spargel-, aber nicht besucherfreundlich. „Das war einfach zu heiß, und deshalb war nicht ganz so viel los wie in den Vorjahren“, meint Johann Holm. Drei Wochen später ist es auch wieder so heiß, dass man von schönstem „Spargelwetter“ reden könnte – aber aus der Spargelsaison ist irgendwie die Luft raus. „Seit vorgestern Nachmittag kommen hier kaum noch Kunden auf den Hof“, hat Johann Holm registriert. Auch die Stammkundschaft hat eben den Johannistag als unverrückbares Saisonende längst verinnerlicht. Vorgestern begannen die Erntehelfer damit, die Folie von den Spargelfeldern abzuziehen. Heute früh wird das letzte Stangengemüse geerntet, und dann werden die Spargelhügel eingeebnet. Bis heute Mittag gibt es auf dem Hof Holm in Bünzen noch Spargel. „Alle wollen zum Ende der Saison unbedingt noch Spargel zum Einfrieren kaufen“, weiß Johann Holm. Die Spargelsaison 2015 war auch dank des konstant hohen Preises eine sehr erfolgreiche. „Für Aukruger Verhältnisse war das ein überdurchschnittlich gutes Jahr“, bilanziert Hauke Holm. „Wir sind echt zufrieden und haben keinen Grund zu klagen“, bestätigt sein Vater Johann, der auch für das Ende der Spargelzeit eine immergültige Bauernregel parat hat: „Sind die Kirschen rot, ist der Spargel tot.“

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