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Heringe im Kanal : „Silberlinge“ geben Saison-Debüt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bereits jetzt zieht Fischer Hans Brauer die ersten Heringe aus dem Nord-Ostsee-Kanal. Er rechnet damit, dass ihm 200 Zentner in dieser Saison ins Netzt gehen werden. Ende März wird der Speisefisch mit großem Fest gefeiert.

Die ersten Heringe sind zum Laichen von der Ostsee in den Nord-Ostsee-Kanal gezogen. Etwa 40 Kilogramm des beliebten Speisefisches hat der Kanalfischer Hans Brauer gestern bei Rade gefangen. „Vor 40 Jahren kam der Hering Anfang April, jetzt ist er schon Mitte Februar da“, stellte Brauer fest. Das sei ein Zeichen für den Klimawandel. Früher habe die Temperatur der Ostsee um diese Zeit bei null Grad gelegen, inzwischen betrage sie zwei bis drei Grad. Das führt dazu, dass sich der Rogen bei den Heringen früher ausbildet und die Fische ablaichen.

Hans Brauer und seine Mitarbeiter sind bereit. Mika Niculaev flickt noch ein Stellnetz, das am Abend im Kanal außerhalb der Fahrrinne ausgebracht werden soll. Am nächsten Morgen wird es dann wieder eingeholt. Der erfahrene Fischer Brauer erklärt die Fangmethode: Die Fische schwimmen in das Netz und verfangen sich mit ihren Kiemen in den Maschen, erklärte er. Deshalb werden die Netze ihm zufolge auch Kiemennetze genannt. Zum Einsatz kommen aber auch so genannte „Bundgarne“, die ähnlich aussehen wie große Aalkörbe.

In dieser Saison geht der Kanalfischer davon aus, dass ihm etwa 200 Zentner Heringe in die Netze gehen. „Früher waren es einmal 6000 bis 7000 Zentner.“ Es gebe heute weniger Heringe, aber auch die Nachfrage sei gesunken, machte Brauer deutlich. „Die Hausfrauen wollen die Fische nicht mehr ausnehmen und sauber machen“, ist seine Einschätzung. Vor 30 Jahren habe er die Heringe „fast verschenkt“, aber seit geraumer Zeit ziehe der Preis an, weil nicht mehr so viele auf dem Markt seien.

Die Fischerei Brauer ist ein Traditionsunternehmen seit 1854. Die Familiengeschichte lässt sich sogar bis ins Jahr 1804 zurückverfolgen. Damals ließ sich der Dorfschullehrer Hans Brauer in Rade bei Rendsburg nieder. Und weil das Lehrergehalt so gering war, verdiente er sich mit einer kleinen Landwirtschaft etwas dazu. „Später wurden meine Vorfahren Fischer, zuerst auf der Eider und auf dem Schirnauer See, dann auf dem Nord-Ostsee-Kanal“, berichtet Hans Brauer, Fischer in siebter Generation. Sein Fanggebiet erstreckt sich auf einer 16 Kilometer langen Kanalstrecke von Schacht-Audorf bis nach Königsförde.

Brauers Mitarbeiter Felix Kunde wuchtet eine Kiste mit Heringen vom Motorboot ans Ufer. Noch liegt der Tagesfang bei 40 Kilogramm, aber die Menge kann sich in den kommenden Wochen bis auf 1000 Kilogramm am Tag steigern. Etwa hundert verschiedene Schwärme mit jeweils 20 bis 40 Tonnen Heringen kommen Brauer zufolge in jedem Jahr in den Nord-Ostsee-Kanal. Zum Laichen blieben sie eine Woche, um danach wieder in die Ostsee zu schwimmen. Die Jungfische verlassen den Kanal erst zwischen Juni und August. Nach zwei bis drei Jahren, wenn sie geschlechtsreif seien, kämen sie zurück, so Brauer.

Bald beginnt in Rade die Hochsaison für den Kanalfischer, der die Ankunft des beliebten Speisefisches auch in diesem Jahr mit einem Heringsfest feiert. An den beiden letzten Sonntagen im März sowie am ersten Sonntag im April steht das Gelände der Fischerei Brauer an der Südseite des Kanals ganz im Zeichen der „Silberlinge“, die dann in vielen Variationen angeboten werden. Frisch geräuchert als Bückling, als Bismarckhering oder Matjes im Fischbrötchen, als Rollmops oder in Sauer eingelegt können Einheimische und Touristen ihn genießen. „Und am beliebtesten ist der einfache Brathering“, stellte Brauer fest. So werde er die Spezialität aus Riesenpfannen im Festzelt anbieten. Live-Musiker sorgen für gute Stimmung im beheizten Zelt. In Verkaufsständen können die Besucher des Festes auch frischen Hering kaufen. Auf einem kleinen Markt werden maritime Dekoartikel, Ledertaschen, Schmuck, Gewürze, Obst, Süßigkeiten und mehr angeboten.

>Weitere Informationen im Internet unter www.brauers-aalkate.de.

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