Verabschiedung : Sienknecht rutscht in den Feierabend

Abschiedsritual: Ex-Bürgermeister Bernd Sienknecht musste eine Bank hinabrutschen, die vom Kita-Gelände auf die Straße führte. Leiterin Angelika Blohm (Mitte) hatte auf diese Weise zuvor die künftigen Schulkinder verabschiedet. Erzieherin Ellen Czeczatka applaudierte.  Fotos: JH Frank (3)
Abschiedsritual: Ex-Bürgermeister Bernd Sienknecht musste eine Bank hinabrutschen, die vom Kita-Gelände auf die Straße führte. Foto: JH Frank

Die evangelische Kita verabschiedet sich auf ungewöhnliche Weise vom Ex-Bürgermeister.

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08. Juli 2018, 07:00 Uhr

Bernd Sienknecht genießt trotz seiner Niederlage bei der Bürgermeisterwahl vor zwei Wochen noch viele Sympathien in Osterrönfeld. Angelika Blohm, Leiterin der evangelischen Kita „Bahndammzwerge“, verabschiedete am Freitag nicht nur die künftigen Schulkinder, sondern auch den 50-Jährigen mit einem warmherzigen Ritual: Alljährlich verlassen Mädchen und Jungen zum Abschluss ihrer Kindergartenzeit das Gelände, indem sie auf einen Zaun steigen und auf der anderen Seite auf einer Bank hinabrutschen. Gestern trat nach den Kindern Sienknecht an der Hand von Angelika Blohm lachend die Rutschpartie an. Sie hatte vor elf Jahren bereits seinen Vorgänger Jörg Sibbel auf dieselbe Weise verabschiedet.

Blohms Bruder Heinz Teggatz chauffierte das Ehepaar Britta und Bernd Sienknecht in einem cremefarbenen, mit Sonnenblumen und Luftballons geschmückten Mercedes 280 SE durch das Dorf. Als die Limousine 1974 gebaut wurde, besuchte Bernd Sienknecht die Einrichtung als eines der ersten Kinder.

Blohm betonte in einer Rede: „Wir hatten immer einen konstruktiven Austausch zum Wohle der Kita. Es war ein schönes Miteinander.“ Pastorin Astrid Halver brachte ihren Dank als Vorsitzende des Kirchengemeinderats vor. Ihn als ehemaligen Bürgermeister zu bezeichnen, sei für sie ungewohnt. Zu seiner Abwahl sagte sie der Landeszeitung: „Wir bedauern es sehr. Wir haben immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen gefunden.“ Sie habe auch mit Sienknechts Nachfolger Hans-Georg Volquardts gut zusammengearbeitet. Aber die Umstände der Bürgermeisterwahl erstaunten sie: „Nach außen wirkte es so, als sei es in einer Weise geschehen, die hoffentlich nicht um sich greift.“ Wie berichtet, rechnete Sienknecht (Osterrönfelder Wählergemeinschaft, OWG) bei der Kommunalwahl im Mai noch mit der Unterstützung seines langjährigen Stellvertreters Volquardts (CDU). Der ließ sich drei Tage vor der Bürgermeisterwahl aber von den Fraktionen Freie Wählergemeinschaft Osterrönfeld (FWO)/SPD sowie CDU/FDP aufstellen – und gewann.

Der 63-jährige Osterrönfelder Bernd Eckmann sagte beim Kita-Fest: „Wenn sich verschiedene Parteien zusammensetzen, um einen fertig zu machen, ist das nicht schön.“ Besucher Jürgen Beernink sagte: „Es ist äußerst schade. Bernd Sienknecht ist ein Sympathieträger. Was er für Osterrönfeld gemacht hat, finde ich einfach gut.“ Der Ex-Gemeindevertreter Peter Uhl (SPD) dagegen bemerkte: „Man muss jederzeit damit rechnen, dass man abgewählt wird.“

Bei der Kommunalwahl hatte Sienknecht 269 Stimmen erhalten, Volquardts 114 – weniger als die Hälfte von Sienknechts Anteil.

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