Osterrönfeld : Sienknecht kündigt Rückzug an

Der Verlierer: Bernd Sienknecht saß mit ernstem Blick in der Reihe seiner Fraktion.
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Der Verlierer: Bernd Sienknecht saß mit ernstem Blick in der Reihe seiner Fraktion.

Nach verlorener Wahl: Ehemaliger Bürgermeister will Gemeindevertretung verlassen. Emotionen schlugen in der Sitzung hoch.

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23. Juni 2018, 08:00 Uhr

Osterrönfeld | Bernd Sienknecht will aus der Lokalpolitik aussteigen – nicht sofort, aber demnächst. Wie berichtet, war das Mitglied der Osterrönfelder Wählergemeinschaft (OWG) elf Jahre Bürgermeister, bis er am Donnerstag die Wahl verlor. In geheimer Abstimmung sprach sich eine Mehrheit von elf Gemeindevertretern für Herausforderer Hans-Georg Volquardts (CDU) aus. Sienknecht unterlag mit sieben Stimmen. Im Vorfeld hatten sich die Fraktionen Freie Wählergemeinschaft Osterrönfeld (FWO)/SPD und CDU/FDP für Volquardts ausgesprochen. Sie haben gemeinsam zwölf, die OWG sieben Sitze.

„Ich werde mich mittelfristig aus der Gemeindevertretung zurückziehen. So wie das gelaufen ist, fehlt mir die Basis, da in die Gesichter zu gucken“, sagte der 50-Jährige gestern. Volquardts war elf Jahre sein Stellvertreter. CDU und OWG hätten eng zusammengearbeitet. „Wir haben kein Blatt zwischen uns gelassen.“ Nach der Kommunalwahl rechnete Sienknecht fest mit der Unterstützung der CDU. Erst am Montag erfuhr er, dass sein Stellvertreter gegen ihn kandidiert. „Das sind Erfahrungen, die man vielleicht nicht unbedingt machen muss“, bemerkte Sienknecht in einer Rede vor der Abstimmung. Der Landeszeitung sagte er: „Es sind im Hintergrund Fäden zusammengeführt worden. Das ist kein offener Stil.“ Die Osterrönfelder hätten in der Kommunalwahl gezeigt, dass sie ihn als Bürgermeister haben wollen. Allerdings war die OWG von 43 auf 33,9 Prozent gerutscht.

Die Emotionen unter den etwa 100 Besuchern in „Kühl’s Gasthof“ kochten hoch. Als der älteste Gemeindevertreter Heinrich Stremmer das Ergebnis verlas, ertönten Buhrufe. OWG-Gründungsmitglied Uwe Kolb empörte sich: „So ein verdienter Bürgermeister hat es nicht verdient, von hinten erstochen zu werden.“

Volquardts sagte der LZ: „Wir haben in der Vergangenheit gut mit der OWG und Bernd Sienknecht zusammengearbeitet. Insofern kann ich eine gewisse Verbitterung verstehen.“ Ihn motiviere die Aufgabe, außerdem: „FWO und SPD haben es mir angetragen. Das hat die Situation verändert.“

Im Verlauf des Abends sollen weitere Argumente und Beschuldigungen vorgetragen worden sein. Eine Volquardts-Unterstützerin, die namentlich nicht genannt werden will, zeigte sich über die OWG erschüttert: „Alle haben nur mit dem Kopf geschüttelt.“ Die OWG sei sich in der Vergangenheit ihrer Mehrheit zu sicher gewesen.

FWO/SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Hauck stellte fest: „Die OWG hat Gespräche mit uns von vornherein ausgeschlagen. Mit 33 Prozent müssen die sich Partner suchen.“ Das habe er für seine Fraktion getan.

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