Streit : Siegreicher Kampf ums Eigenheim

Endlich Gewissheit: Elke Geider – hier mit Sohn Kevin – kann nach dem außergerichtlichen Vergleich den Aktenordner mit den Schriftwechseln schließen und entspannt in die Zukunft blicken.
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Endlich Gewissheit: Elke Geider – hier mit Sohn Kevin – kann nach dem außergerichtlichen Vergleich den Aktenordner mit den Schriftwechseln schließen und entspannt in die Zukunft blicken.

Prozess um Stromkabel nach einem Jahr beendet

shz.de von
21. Januar 2018, 11:46 Uhr

Ein Jahr lang war ein blauer Aktenordner der ständige Begleiter von Elke und Heinz Geider. Unzählige Anwaltsschreiben, Briefe der Stadtwerke Neumünster und der Schleswig-Holstein Netz AG sowie Forderungen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Nord haben sich in dem Hefter angesammelt. Der Grund: Ein bislang herrenloses Stromkabel, das durch einen Wald und über das Grundstück der Geiders bis zu ihrem Haus führte (wir berichteten). Lange stand nicht fest, ob die Familie das Kabel übernehmen muss und damit für Wartungen und Reparaturen zuständig sein würde. Seit Ende des vergangenen Jahres steht fest, dass auf das Ehepaar keinerlei Kosten zukommen werden.

„Ohne anwaltliche Hilfe hätten wir das alles nicht geschafft“, sagt Elke Geider. Selbst der Rechtsbeistand hatte so einen Fall noch nie auf seinem Tisch. Die Fachklinik Aukrug, die von der DRV Nord betrieben wird, hatte im Zuge von Immobilienverkäufen eine Elektro-Neuversorgung verschiedener Häuser angekündigt. Auch bei dem Haus von Elke und Heinz Geider. Das 800 Meter lange Kabel auf dem Grundstück der Aukruger müsse die Familie aber entweder übernehmen und warten lassen oder auf eigene Kosten ein neues verlegen. Das hätte rund 60 000 Euro gekostet. Für die Besitzer, die ihr Eigenheim noch nicht abbezahlt haben, nicht finanzierbar.

Nach einem Jahr Ungewissheit ist jetzt geklärt, dass das Kabel nicht in den Besitz der Aukruger übergehen muss. „Wir hatten sicherheitshalber schon bei einem Bekannten angefragt, was uns ein Baggereinsatz kosten würde, sollten wir den Prozess verlieren“, erzählt Heinz Geider.

Gemeinsam mit der SH Netz AG einigten sie sich auf einen Vergleich. Der Energieversorger verpflichtete sich, die technische und rechtliche Verantwortung für das Kabel zu übernehmen. Auch die Wartung und Unterhaltung fällt somit künftig in den Aufgabenbereich der SH Netz AG. Außerdem ist die Familie jetzt regulär an das öffentliche Netz angeschlossen. Endpunkt der Versorgung durch den Energielieferanten ist nun der Stromkasten im Haus und kein Kasten, der 800 Meter von der Eingangstür entfernt liegt. „Wir haben damit jetzt nichts mehr zu tun“, so Elke Geider.

Gerührt waren die Geiders von der Anteilnahme, die ihre Geschichte auslöste. Sogar das Fernsehen interessierte sich für das Schicksal der Aukruger Familie. Gleich vier Mal versuchte die ZDF-Sendung „Terra Xpress“ einen Interviewtermin zu bekommen. Doch das Ehepaar wollte nicht noch stärker in der Öffentlichkeit stehen. Auch Nachbarn und Bekannte ließ die Geschichte der Geiders nicht kalt. „Viele haben uns angesprochen und nachgefragt.“ Von allen Seiten wurde ihnen Unterstützung angeboten. „Das war toll, dafür wollen wir Danke sagen.“

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